Taizé-Jugendtreffen in Paris: Berührende Gebete – auch für Opfer von Crans-Montana
Vier junge Menschen aus der Schweiz berichten, wie sie das Taizé-Jugendtreffen in Paris über den Jahreswechsel erlebt haben. Sie schätzten den Frieden, die Freundschaften und Paris als Austragungsort. Berührt hat sie der Gesang eines ukrainischen Chors und das Mitgefühl für die Betroffenen der Brandkatastrophe im Wallis.
Regula Pfeifer
Rund 15’000 junge Menschen haben das ökumenische Europäische Taizé-Jugendtreffen in Paris besucht. Dies mindestens vom 28. Dezember bis am 1. Januar. Die jungen Menschen zwischen 18 und 35 Jahren kamen aus ganz Europa und übernachteten in Gastfamilien. Zum Taizé-Treffen eingeladen hatten der Pariser Erzbischof Laurent Ulrich, die Bischöfe der Region Ile-de-France sowie protestantische und orthodoxe Kirchenvertreter.
Neujahrsfeier in riesiger Halle
Die jungen Menschen trafen sich zu Gebeten und Gottesdiensten in 150 Gastgemeinden und den grossen Pariser Kirchen. Den Jahreswechsel feierten sie in der Accor Arena in Paris-Bercy. Tagsüber fanden über hundert Workshops zu den Themen Glaube und Spiritualität, Solidarität und Ökologie, Gerechtigkeit und Frieden, Kunst und Kultur statt.
Auch aus der Schweiz reisten junge Gläubige an. Vier von ihnen berichten gegenüber kath.ch von ihren Erfahrungen: Cécile Morgenthaler, die mit einem Bekannten von Zürich aus nach Paris fuhr sowie Ivan Lübke, Larissa Stoop und Jasmin Nussbaum, die mit der Reisegruppe von Taizé-Jugendtreffen-Schweiz aus der Region Freiburg (Schweiz) reiste.
Besondere Kraft der Menschenmenge
«Ich fands sehr berührend, mit 15’000 jungen Menschen zusammen zu beten», berichtet Cécile Morgenthaler. Die Zürcher Katholikin ist im OK-Team von «Taizé Züri» aktiv und war bereits am letztjährigen Taizé-Jugendtreffen in Tallinn dabei. «Die Gebete im Stadion Accor Arena waren sehr schön.» Da habe sie erfahren, wie so viele betende Menschen an einem Ort eine besondere Kraft entwickeln könnten.
«Ich nehme auf jeden Fall die Gastfreundschaft der Kirchengemeinden und meiner Gastmutter mit, aber auch die vielen schönen Begegnungen, die ich hatte», so Morgenthaler. Sie habe Bekannte wiedergesehen und neue Menschen kennen gelernt.
Die Zürcherin hat aktiv am Treffen in Paris mitgewirkt. Sie reiste zwei Tage vor dem offiziellen Start an und engagierte sich im Vorbereitungsteam. Die 19-Jährige war als Fotografin aktiv.
Spontaner Gesang eines ukrainischen Chors
An jenem Empfangsort, an dem sie im Einsatz war, meldeten sich unter anderem gegen 800 junge Menschen aus der Ukraine an, die einer Kirchgemeinde zugeteilt werden mussten. «Als dann ein ukrainischer Chor hat angefangen zu singen, war das ein unbeschreiblich schöner Moment», schreibt Morgenthaler an kath.ch.
Das Fotografieren habe ihr Spass gemacht, sie habe dadurch viele Leute kennen gelernt. Ausserdem habe sie sich so vielerorts offen bewegen und hinter die Kulissen schauen können. Allerdings hat die Fotografie-Aufgabe es ihr auch erschwert, mal eine Pause einzuschalten. Zufrieden merkt sie an, dass sie an einem Schweizer Treffen in Paris Werbung machen konnte für ein baldiges Taizé-Treffen in Baden im Kanton Aargau. Sie ist an der Organisation des Anlasses «Ein Tag wie in Taizé» zum 500 Jahr-Jubiläum der Badener Disputation von Ende Mai 2026 beteiligt.
Befürchtungen nicht eingetroffen
Ivan Lübke von der Reisegruppe von Taizé-Jugendtreffen-Schweiz war zwar mit «mulmigen Gefühlen» nach Paris gereist – wegen Medienberichten über Gewaltexzesse an Silvester. Und stellte dann erleichtert in seinem Schreiben an kath.ch fest: «Gott sei Dank ist das Treffen ausgelassen und fröhlich über die Bühne».
Gefallen hätten ihm die Durchführungsorte der Gebete – etwa Sacré-Coeur, Saint Sulpice und die Accor Arena, ebenso die Besichtigung der Kathedrale Notre Dame. Das Neujahrsfest der Nationen mit Tanz, Gesang und anderen Beiträgen war für ihn ein Highlight.
Mittag auf dem Platz unter dem Eifelturm
«Ich nehme viele neue Eindrücke, Erlebnisse mit meinen Freunden aus unserer Schweizer Reisegruppe, der Gastgemeinde, Gastfamilie und der Taizégemeinschaft mit» berichtet er. Gern erinnert er sich auch an die Mittagessen «auf den wunderschönen Champs des Mars unter dem schönen Eiffelturm mit angeregten Gesprächen und neuen Bekanntschaften».
«Sehr berührt hat mich auch die Anteilnahme an der Brandkatastrophe in Crans-Montana», fügt er an. Während der Neujahrsmesse hätten sie gemeinsamen für Opfer, Angehörige, Helfer und Retter gebetet.
Larissa Stoop, die in der gleichen Gruppe reiste, sagt: «Das Taizé-Treffen in Paris war für mich eine sehr schöne Erfahrung.» Sie sei bereits in Taizé gewesen, am Europatreffen aber das erste Mal. «Im Vergleich zu Taizé selbst war es ein bisschen hektischer und weniger entspannt. Dafür gefielen mir aber die vielen Begegnungen sehr gut, die ich machen durfte», so Stoop.
In Paris als Gast, nicht als Tourist
Sie genoss auch das friedliche Zusammensein der vielen Menschen und «das lustige Neujahrsfest mit den vielen Tänzen und Kulturen». Und findet: «Paris mit seinen vielen eindrücklichen Kirchen war ein super Ort für dieses Treffen. Es war schön, so die Stadt von einer anderen Seite kennenzulernen.»
«Die Reise nach Paris war für mich mit viel Tiefgang verbunden», berichtet die Mitreisende Jasmin Nussbaum. «Man kommt mit Leuten in Kontakt und setzt den Fokus auf das Zwischenmenschliche, das im Alltag oft zu kurz kommt. Ich habe mich in Paris nicht als Tourist gefühlt, sondern als geladener Gast und Teil einer Familie.»
Nächstes Treffen in Polen
Das nächste Europäische Taizé-Jugendtreffen über Silvester 2026 findet in Lodz in Polen statt. Das kündigte der Prior der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, Frère Matthew (Thorpe), noch in Paris an.
«Ich freue mich sehr auf die nächste Pilgerfahrt nach Lodz und empfehle jedem Jugendlichen, der seinen Glauben und Europa mit einer tollen Gruppe entdecken und erleben will, sich anzumelden und mit uns nach Polen zu reisen, um ein unvergessliches Silvester zu feiern», schreibt Ivan Lübke dazu.
Die Brüdergemeinschaft im Burgund
Die ökumenische christliche Brüdergemeinschaft von Taizé im südlichen Burgund wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs von dem Schweizer Calvinisten Frère Roger (Schutz, 1915-2005) gegründet. In den 1960er Jahren wurde sie zum Treffpunkt für Jugendliche aus aller Welt. Heute gehören der Bruderschaft rund 80 Männer aus etwa 30 Ländern an, die aus protestantischen und der katholischen Kirche stammen. (mit Informationen der Agentur Kathpress)
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




