Jamboree-Zeltplatz in Saemangeum, Südkorea
International

Taifun in Südkorea: «Die Schweizer Pfadis erleben das wie ein zusätzliches Abenteuer»

Rund 1400 Mädchen und Knaben aus der Schweiz nehmen am internationalen Pfadfindertreffen in Südkorea teil. Auch Mitglieder katholischer Pfadi-Abteilungen sind dabei. Weil nun ein Taifun im Anzug ist, müssen alle das Zeltcamp verlassen. Die Pfadis aus der Schweiz werden bis zur Abschlussfeier in Seoul Unterschlupf finden. «Sie sind immer noch sehr motiviert», sagt Pfadi-Sprecherin Barbara Hochuli (40).

Barbara Ludwig

Wie viele der rund 1400 Schweizer Pfadis, die am Treffen in Südkorea teilnehmen, gehören einer katholischen Pfadi-Abteilung an?

Barbara Hochuli*: Ich weiss es tatsächlich nicht, weil wir die Abteilungszugehörigkeit im Vorfeld nicht abgefragt haben. Beim letzten Jamboree vor vier Jahren gab es Kapazitätsprobleme mit der Datenbank der Pfadibewegung Schweiz. Wir setzten deshalb selber eine neue Datenbank auf, dabei ging die Rubrik Abteilungszugehörigkeit unter. Aus diesem Grund wissen wir nicht bei allen, welcher Pfadi-Abteilung sie angehören.

Barbara Hochuli, Schweizer Delegationsleiterin
Barbara Hochuli, Schweizer Delegationsleiterin

Aber Sie gehen davon aus, dass Mitglieder katholischer Pfadi-Gruppen mitgereist sind?

Hochuli: Auf jeden Fall.

Nun muss das Lager wegen des drohenden Taifuns evakuiert werden. Hat die Evakuierung bereits begonnen?

Hochuli: Es handelt sich nicht um eine Evakuierung, sondern um eine vorzeitige Abreise, die die Behörden am Montag angeordnet haben. Heute Dienstag reisen alle Teilnehmenden ab. Wenn in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag die ersten Ausläufer des Taifuns eintreffen, soll sich niemand mehr auf dem Lagergelände in Saemangeum an der Westküste Südkoreas aufhalten. Die minderjährigen Teilnehmenden sind bereits abgereist. Zurzeit sind nur noch Delegationsleitende und erwachsene Helfende auf dem Platz – auch sie stehen kurz vor der Abreise in die südkoreanische Hauptstadt Seoul.

Mussten ihre Zelte früher abbrechen als geplant: Schweizer Pfadis in Südkorea.
Mussten ihre Zelte früher abbrechen als geplant: Schweizer Pfadis in Südkorea.

Wo werden die Mitglieder der Schweizer Delegation untergebracht?

Hochuli: Unsere Delegation ist mir rund 1400 Personen relativ gross. Wir werden in acht verschiedenen Unterkünften in Seoul untergebracht. Die Stadt ist riesig, aber die Unterkünfte liegen relativ nahe beieinander, so dass wir die Betreuung gut gewährleisten können. Es sind alles Studentenwohnheime, die wegen der Sommerferien zurzeit leer stehen.

«Die jungen Menschen akzeptieren das mit dem Pfadi-Spirit.»

Wie geht es den Pfadis aus der Schweiz angesichts der ungewöhnlichen Umstände?

Hochuli: Sie sind immer noch sehr motiviert. Die Stimmung ist super. Die Pfadis erleben das alles wie ein zusätzliches Abenteuer. Das Jamboree in Südkorea ist ein sehr spezielles, sehr spannend und herausfordernd. Aber die jungen Menschen akzeptieren das mit dem Pfadi-Spirit – indem sie aus jeder Situation das Beste machen. Es motiviert sie auch, dass die Abschlussfeier vom Freitag mit allen gemeinsam gefeiert wird – wenn auch nicht hier auf dem Platz, sondern in Seoul.

Schweizer Pfadfinderinnen bereiten eine Mahlzeit zu.
Schweizer Pfadfinderinnen bereiten eine Mahlzeit zu.

Ist dieses Lager vor allem sehr speziell, weil es abgebrochen werden muss?

Hochuli: Es kommen mehrere Dinge zusammen. Zum einen war die Vorbereitung nicht optimal, wir wurden damit nur sehr knapp fertig. Zum andern kam das Lager wegen der Hitze – es wurden 35 Grad gemessen – in die Schlagzeilen. Und nun noch der Taifun. Wir stellen fest: Wir sind in aller Munde. Auch das macht es speziell.

«Während des Vorprogramms konnten sie sich an die hohen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit gewöhnen.»

Wie haben die Teilnehmenden die Hitze erlebt?

Hochuli: Unserer Delegation ging es sehr gut. Unsere Teilnehmenden reisten bereits sechs Tage vor dem eigentlichen Beginn des Lagers am 1. August an. Während des sogenannten Vorprogramms konnten sie sich an die hohen Temperaturen und vor allem an die für sie ungewohnt hohe Luftfeuchtigkeit gewöhnen. Ausserdem gibt es immer auch ein Delegationspaket für jedes Mitglied. Darin enthalten war dieses Mal: ein Cooling Towel (Kühltuch, die Red.), eine Kopfbedeckung, eine Trinkflasche, ein Schirm und ein Fächer. Alles Dinge, die beim Umgang mit dem hiesigen Klima nützlich sind. Das hat sicher auch geholfen.

Abendstimmung im Zeltcamp des Weltpfadfindertreffens in Südkorea.
Abendstimmung im Zeltcamp des Weltpfadfindertreffens in Südkorea.

Gab es trotzdem Teilnehmende, die bereits nach Hause gekehrt sind?

Hochuli: Wir hatten Abreisen aus gesundheitlichen Gründen und aus privaten oder familiären Gründen, aber nicht hitzebedingt.

«Auf dem Lagergelände waren verschiedene Religionsgemeinschaften präsent.»

Gibt es eine Betreuung durch Seelsorgende im Lager?

Hochuli: Unsere Delegation hat keine seelsorgliche Betreuung organisiert. Aber auf dem Lagergelände waren verschiedene Religionsgemeinschaften präsent. In der sogenannten Faith-and-Believe-Zone (Glauben, die Red.) haben sie Gottesdienste und Gebete angeboten.

Wurde das von den Schweizer Teilnehmenden genutzt?

Hochuli: Das weiss ich nicht. Aber ich weiss, dass die Leute sich diese Zone in der Regel gerne anschauen. Dort kann man sich über die verschiedenen Religionen informieren. Zusätzlich gibt es an jedem internationalen Pfadfindertreffen die Institution des Offenen Ohrs, das listening ear. Psychologen oder Menschen mit einem ähnlichen Hintergrund können für ein Gespräch aufgesucht werden.

«Wir gehen immer mit einer sehr grossen Offenheit an die internationalen Lager – auch was die Religion betrifft.»

Wieso kam aus der Schweiz kein Seelsorger, keine Seelsorgerin mit?

Hochuli: Wir gehen immer mit einer sehr grossen Offenheit an die internationalen Lager – auch was die Religion betrifft. Und so war das bislang nie ein Thema. Vielleicht hängt es auch von den Personen in der Delegationsleitung und ihrer persönlichen Prägung ab. Die einzelnen Mitglieder der Delegationsleitung haben immer einen grossen Einfluss. Wenn niemand dabei ist, der das kennt, wird die Seelsorge auch nicht thematisiert.

Räumung und Abreise der deutschen Pfadis nach Seoul, 8. August 2023.
Räumung und Abreise der deutschen Pfadis nach Seoul, 8. August 2023.

Das Weltpfadfindertreffen findet in den kommenden Tagen dezentral statt. Wie sieht das Programm aus?

Hochuli: Heute Dienstag passiert nichts. Der Tag steht im Zeichen des Transfers. Aber die Teilnehmenden werden in den nächsten Tagen ein Programm haben. Dessen Inhalt kennen wir noch nicht genau. Alles muss umgeplant werden. Die Pfadfinderinnen und Pfadfinder werden auf jeden Fall nicht nur in den Unterkünften sitzen.

*Barbara Hochuli (40) ist Sprecherin der vor Ort anwesenden Schweizer Pfadfinderdelegation. Das Weltpfadfindertreffen in Südkorea begann am 1. August in einem Zeltcamp in der Region Saemangeum an der Westküste des asiatischen Landes. Es hätte bis Samstag dauern sollen. Das Weltpfadfindertreffen findet alle vier Jahre statt.


Jamboree-Zeltplatz in Saemangeum, Südkorea | © Sebastian Humbek
8. August 2023 | 18:00
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