Bischof Joseph Maria Bonnemain in der Synode der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, 2024
Schweiz

Synodalin nach Bischofsauftritt: «Ich verstehe es einfach nicht»

Wie es um die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Kirche stehe, wollte die Zürcher Synodalin Monika Zimmerli von Bischof Joseph Maria Bonnemain wissen. Seine ausführliche Antwort stellte nicht alle Synodenmitglieder zufrieden.

Der Bischof wurde gerufen, er kam – und erteilte dem Weiheamt für Frauen am Donnerstagmorgen im Zürcher Rathaus erneut eine deutliche Absage. Dies, obwohl er sich überzeugt zeigte, dass Gleichberechtigung und Kirchenlehre in Einklang miteinander funktionieren können und sollen.

«Nicht verhandelbar»

Dass Weiheämter Männern vorbehalten bleiben, sei zum einen nicht verhandelbar, stehe zum anderen aber einer Gleichberechtigung per se nicht im Wege, erklärte Bischof Joseph Maria Bonnemain pünktlich zu Beginn der vierten Sitzung der römisch-katholischen Synode in der laufenden Amtszeit. Es sei indes richtig und gut, dass hohe Leitungsämter der Kirche zunehmend auch von Frauen ausgefüllt werden.

Ehrfürchtig lauschten die Anwesenden im grossen Saal des Zürcher Rathauses – darunter auch Generalvikar Luis Varandas und Vertretende der Kirche im Kanton Aargau – seinen Ausführungen. Fragen an den Bischof gab es aus dem Plenum anschliessend keine. 

Überrumpelt von Gefühlen

Auch nicht von der Frau, aufgrund derer Bonnemain zu früher Stunde im Zürcher Rathaus erschienen war. Synodenmitglied Monika Zimmerli aus Illnau-Effretikon hatte bei einer Sitzung im vergangenen Dezember ein heikles Thema angesprochen und eine Frage direkt an das Churer Kirchenoberhaupt gerichtet: Was hat er als Bischof für die Gleichstellung von Mann und Frau in der Katholischen Kirche bereits getan und was gedenkt er noch zu tun?

Von der Antwort des Bischofs zeigt sie sich nachträglich enttäuscht. Gegenüber kath.ch erklärt sie ihr Schweigen in der Sitzung: «Leider war ich durch die ausführliche Rede von Bischof Bonnemain von Gefühlen des Ungehörtwerdens überrumpelt und ich konnte nicht so schnell antworten, obwohl ich mir viele Notizen im Vorfeld gemacht habe und weitere direkte Anregungen einbringen wollte.»

Synodensitzung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich im Zürcher Rathaus am 20.06.24
Synodensitzung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich im Zürcher Rathaus am 20.06.24

Leider habe sie seitens des Bischofs keinen grossen Willen verspürt, sich persönlich für eine Änderung des Missstandes der für sie nicht existenten Gleichwertigkeit von Mann und Frau in der Kirche einzusetzen. Dabei habe Bischof Bonnemain erst kürzlich in einem Interview bezüglich der schwindenden Mitgliederzahlen betont, dass es zum Erhalt der Kirche als Gemeinschaft alle verfügbaren Kräfte brauche.

«Wäre es da nicht logisch, dass die Kräfte der Frauen da genau so gefragt sind?», sagt Zimmerli gegenüber kath.ch. «Ich verstehe es einfach nicht, dass wir diese Möglichkeit einfach ausschliessen und Frauen sogar bestrafen, wenn sie Geschwisterlichkeit mit ihren weiblichen Kräften bezeugen und viele Menschen dafür begeistern.»

Kein Grund zur Hoffnung

Versöhnlichere Worte für die Bischofs-Visite fand Synodalratspräsident Raphael Meyer: «Der Bischof hat bezüglich Zugang von Frauen zu Weiheämtern an das heute gültige Kirchenrecht und das bis heute gültige kirchliche Selbstverständnis erinnert und deshalb Hoffnungen eine Absage erteilt, da würde sich in absehbarer Zeit etwas ändern. Immerhin stellt er aber die Besetzung von Leitungspositionen mit Frauen – meines Erachtens auch als Vorgesetzte von geweihten Personen – nicht in Frage.»

Synodalratspräsident Raphael Meyer, Synodalräte Daniel Ott und Thomas Schwyzer (v.r.n.l.)
Synodalratspräsident Raphael Meyer, Synodalräte Daniel Ott und Thomas Schwyzer (v.r.n.l.)

Immerhin: Es bliebt ruhig im Saal, keine Zwischenrufe oder andere merkbare Reaktionen, dafür höfliches Klatschen. Neben einleitenden Worten verlas Bischof Joseph Maria Bonnemain seine Antwort, die kurz darauf in Gänze auf der Homepage des Bistums Chur veröffentlicht wurde. Darin betont er den Unterschied zwischen Gleichartigkeit und Gleichwertigkeit.

«Die Gottebenbildlichkeit der Frau und die des Mannes sind eins und dasselbe», sagte Bonnemain. Gott habe den Menschen – männlich und weiblich – als sein Abbild erschaffen. «Die diskriminierenden Unterschiede sind später entstanden. Das bedeutet aber nicht Uniformität oder Unterdrückung der Vielfalt.» 


Bischof Joseph Maria Bonnemain in der Synode der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, 2024 | © Magdalena Thiele
20. Juni 2024 | 14:26
Lesezeit : ca. 2  Min.
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