Synodaler Moderator: neue Rolle im synodalen Prozess des Bistums Lugano

Das Bistum Lugano bereitet sich auf die diözesane Synodenversammlung im Mai 2027 vor. Im Dezember sind synodale Reflexionsrunden in den Pfarreien geplant, geleitet durch Moderatoren. Sergio Carettoni erzählt, welche Rolle diese einnehmen werden. Der Priester ist diözesaner Koordinator des Teams Pastorale Zonen/Netzwerke und Synodalität.

Laura Quadri, catt.ch

Im synodalen Prozess des Bistums Lugano taucht die Figur des Moderators auf: Was hat es damit auf sich und welche Aufgabe wird ihm übertragen?

Sergio Carettoni: Ich möchte zunächst etwas klarstellen: Der synodale Moderator in der Pfarrei ist kein neues kirchliches Amt. Der Moderator leitet auch nicht anstelle des Pfarrers die Gruppe. Es ist eine Person, die sich in den Dienst eines Prozesses stellt.

«Ich bezeichne den Moderator gerne als Hüter des Zuhörens.»

Ich bezeichne ihn gerne als Hüter des Zuhörens. Seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass am Tisch niemand den ganzen Raum einnimmt und niemand ohne Stimme bleibt; dass man frei sprechen, aber auch ebenso frei zuhören kann. Und dass Unterschiede nicht sofort zu Gegensätzen werden.

Gesprächsrunde in einer Tessiner Pfarrei
Gesprächsrunde in einer Tessiner Pfarrei

Dies ist in unserem Bistum besonders wichtig. Im Tessin haben wir Gemeinschaften mit sehr starken Identitäten, Geschichten und Traditionen. Das ist ein Reichtum, kann aber auch zur Belastung werden, wenn wir aufgefordert sind, gemeinsam zu denken und zu arbeiten.

Wie werden die Moderatoren ausgewählt? Welche menschlichen, spirituellen und zwischenmenschlichen Qualitäten sollte jemand dafür mitbringen?

Carettoni: Ich würde nicht in erster Linie von den Rollen ausgehen, die eine Person in der Kirche innehat. Nicht unbedingt wer am besten redet, über die grösste pastorale Erfahrung verfügt oder die meisten theologischen Kompetenzen besitzt, wird auch der beste synodale Moderator sein.

Ich würde vielmehr nach Menschen suchen, die eine heute äusserst wertvolle Eigenschaft besitzen: Frauen und Männer, die in der Pfarrei Raum schaffen können. Menschen, die zuhören können, ohne zu unterbrechen, die eine andere Meinung annehmen können, ohne sich sofort bedroht zu fühlen, die Spannungen erkennen, ohne sie zu schüren. Sie müssen Fragen stellen können, ohne bereits die Antwort vorzugeben, das Gehörte unverfälscht wiedergeben können, ohne es zu manipulieren. Und sie müssen jenen helfen einen Schritt zurückzutreten, die zu viel reden, und jene zu Aussagen ermutigen, die zu wenig reden.

«Ein christlicher Moderator muss wirklich daran glauben, dass der Heilige Geist uns vorangehen kann.»

Es gibt auch eine entscheidende spirituelle Dimension: Ein christlicher Moderator muss wirklich daran glauben, dass der Heilige Geist uns vorangehen kann. Andernfalls laufen wir Gefahr, etwas als Unterscheidung zu bezeichnen, das wir bereits selbst entschieden haben.

Deshalb halte ich auch eine gewisse innere Freiheit für grundlegend: Der Moderator muss nicht die Diskussion für sich entscheiden. Wenn sich am Ende eines Treffens niemand daran erinnert, was der Moderator gesagt hat, sondern sich alle daran erinnern, dass sich alle gehört gefühlt haben, dann hat er seinen Dienst wohl gut erfüllt.

Warum wurde es notwendig, diese Rolle in die Synodengremien der Pfarreien einzuführen?

Carettoni: Aus dem einfachen Grund: Sich an einen Tisch zu setzen bedeutet nicht automatisch, synodal zu sein. Treffen funktionieren bisher so: Jemand redet immer, jemand redet nie, jemand kommt mit der vorgefertigten Antwort, und ein anderer hört nur das an, was seine Position bestätigt. Der Moderator aber hilft, diese Automatismen zu durchbrechen.

Der Prüfstein der Synodalität wird darin bestehen, ob wir am Ende zu Menschen und Gemeinschaften geworden sind, die besser zuhören, besser entscheiden und stärker gemeinsam voranschreiten können.

Claire Jonard aus der Schweiz nimmt als Moderatorin der Gespräche an der Weltsynode teil.
Claire Jonard aus der Schweiz nimmt als Moderatorin der Gespräche an der Weltsynode teil.

Einer der heikelsten Schritte besteht darin, zu erkennen, «was der Heilige Geist uns durch den anderen gesagt hat».

Carettoni: Für mich ist das der Kern der Sache. Normalerweise beginnt in uns, während eine Person spricht, sofort ein kleines Gericht: Ich stimme zu, ich stimme nicht zu; er hat Recht, er hat Unrecht; ich teile seine Meinung, ich teile sie nicht.

«Wir müssen akzeptieren: Gott könnte mir durch eine Person, mit der ich nicht einer Meinung bin, etwas sagen wollen.»

Das Gespräch im Heiligen Geist stellt an uns weitaus höhere Anforderungen. Es fragt uns: «Was geschieht in mir, während ich dieser Person zuhöre? Warum hat mich dieses Wort berührt? Warum hat mich ein anderes gestört? Was hatte ich bisher noch nicht gesehen?» Wir müssen eine Möglichkeit akzeptieren, die uns manchmal grosse Schwierigkeiten bereitet: Gott könnte mir durch eine Person, mit der ich nicht einer Meinung bin, etwas sagen wollen.

Dafür ist eine Weiterbildung geplant: Was muss ein Moderator konkret lernen, bevor er eine Gruppe begleitet?

Carettoni: Er muss sicherlich die Synodalität kennen, aber das reicht nicht aus. Moderation muss auch durch Erfahrung gelernt werden. Es wird einen ekklesiologischen und spirituellen Teil geben: zu verstehen, was es bedeutet, gemeinsam zu unterscheiden, den Dialog im Heiligen Geist zu kennen, den Meinungsaustausch von der kirchlichen Unterscheidung zu unterscheiden.

Weiter wird eine Art Werkzeugkasten benötigt: Man muss lernen, offene Fragen zu formulieren, den Zeitablauf zu steuern, das Gesagte getreu wiederzugeben und auch die Stille zu nutzen. Weiter sollte man die in einer Gruppe vorhandenen Machtdynamiken erkennen lernen, einen Konflikt angehen können, ohne ihn zu ersticken und eine Minderheitsposition wertschätzen können. Zudem muss man unterscheiden können, worüber Konsens besteht und was noch offen ist.

«Der vielleicht wichtigste Aspekt: die Selbsterkenntnis.»

Ich würde noch einen dritten Aspekt hinzufügen, vielleicht den wichtigsten: die Selbsterkenntnis. Ein Moderator muss seine eigenen geistigen Verkrustungen, seine Sympathien, seine Vorurteile und das Kontrollbedürfnis kennen, das jeder in sich trägt. Um eine Gruppe zu begleiten, muss man zuallererst lernen, sie nicht zu dominieren.

Der Moderator wird später auch auf der Ebene der Netzwerke und Diözesen Teil des synodalen Prozesses sein.

Carettoni: Die Pfarreirunde sollte nicht das Endziel sein, sondern der erste Arbeitskreis. Das Erlernte kann in den Pastoralnetzwerken, in den Räten, in den Arbeitsgruppen, in den diözesanen Gremien und in den verschiedenen Etappen des synodalen Weges von Nutzen sein. Für das Bistum Lugano könnte dies eine grosse Chance sein.

In diesen Transformationsprozessen können Moderatoren zu wertvollen Helfern werden, dies nicht als kleine Elite von Spezialisten, sondern als Multiplikatoren eines erneuerten kirchlichen Stils. (Übersetzt, gekürzt und adaptiert: Regula Pfeifer)

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Andere Moderatoren

Das Bistum Lugano führt die synodalen Moderatoren als neue Rolle im synodalen Prozess ein. Dies ist allerdings keine Erfindung der Tessiner Kirche. Bereits in anderen Bistümern – etwa im Bistum Basel – kamen solche Gesprächsvermittler im synodalen Prozess zum Zug. Ebenso bei den Treffen der Weltsynode in Rom. Dort moderierte mit Claire Jonard auch eine Westschweizerin mehrfach eine Gesprächsrunde. (rp)


Sergio Carettoni, Pfarrer und Koordinator der Konsultationen zum Synodalen Prozess im Tessin | © Youtube/Caritas Ticino
22. September 2026 | 16:00
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