Bischof Markus Büchel weiht vier Diakone | © Bistum St. Gallen
Schweiz
Bischof Markus Büchel weiht vier Diakone | © Bistum St. Gallen

St. Galler Diakone fordern Frauendiakonat

St. Gallen, 27.6.18 (kath.ch) Die Diakone des Bistums St. Gallen fordern das Diakonat für Frauen. In einem Positionspapier begründen sie, weshalb Frauen längst zu diesem Amt zugelassen sein müssten.

Die Zulassung von Frauen zum Diakonat sei «überfällig», heisst es in dem Positionspapier, das am 15. Mai verabschiedet und am Mittwoch erstmals im St. Galler Pfarrblatt «Pfarrei-Forum» veröffentlicht wurde. Mit dem Papier möchte man den Finger in eine offene Wunde legen, sagte Diakon Carsten Wolfers gegenüber dem «Pfarrei-Forum» (7/2018).

Theologisch betrachtet seien die Argumente für die Zulassung von Frauen zum Diakonat «stichhaltig und theologisch fundiert», schliesslich werde seit 50 Jahren darüber geforscht. «Leider fällt die kirchliche Realität hinter ihre eigene Theologie zurück», heisst es im Papier, das auch kath.ch vorliegt.

Mangelnder Wille seitens der Kirche

Die gleiche Würde von Mann und Frau sei «schöpfungstheologisch begründet», ebenso habe das Zweite Vatikanische Konzil sich gegen jede Diskriminierung ausgesprochen und die Gleichheit aller Getauften hervorgehoben. Für die St. Galler Diakone «mangelt es am Willen, diese göttliche Vorgabe umzusetzen».

Wenn Frauen zur Diakonatsweihe zugelassen würden, könnte sich die Kirche im Bereich «Diakonie» (Dienst am Menschen im kirchlichen Rahmen) neu profilieren, zumal dieses Amt den dienenden Charakter der Kirche unterstreiche. Bislang würden Diakone zu oft als Ersatz für fehlende Priester eingesetzt, schreibt der Diakonenkreis.

Biblisch und historisch begründet

Schon die Bibel kenne Frauen in der Verantwortung der Kirche, heisst es im Papier mit Hinweis auf einen Brief des Apostels Paulus an die Römer, in welcher er auf Phoebe verweist, «die den Dienst an der Gemeinde von Kenchreä versieht» (Römerbrief, Kapitel 16,1). Die Kirche habe das Frauendiakonat bis ins 11. Jahrhundert gekannt, auch wenn dieser in den einzelnen Ortskirchen unterschiedlich beheimatet gewesen sei.

Im Bistum St. Gallen gebe es 32 aktive und sieben pensionierte Diakone, heisst es in einem Beitrag des «Pfarrei-Forums» zum Positionspapier. Diese hätten sich mehrheitlich für die Erarbeitung des Papiers ausgesprochen, sagte Carsten Wolfers gegenüber dem Pfarrei-Forum. Einzelne Stimmen hätten gefragt, wie sinnvoll dies sei, zumal man damit nichts erreiche.

«Eine Stimme unter den vielen»

Das Papier soll «eine Stimme unter den vielen sein, die sich inzwischen zum Frauendiakonat geäussert haben», sagt Diakon Franz Kreissl, der das Papier zusammen mit den Diakonen Carsten Wolfers und André Böhnig erarbeitet hat, gegenüber kath.ch. Einen eigentlichen Adressaten habe es daher nicht. «Viele Frauen erfüllen bereits diakonale Dienste in der Kirche.» Die Diakone des Bistums St. Gallen verdeutlichten mit diesem Papier, dass einer Diakoninnenweihe aus ihrer Sicht nichts entgegenstünde.

«Ein Versuch, den Spiess umzudrehen»

«Natürlich treffen viele der Argumente auch auf das Priestertum zu», sagt Diakon Wolfers gegenüber dem «Pfarrei-Forum», aber als Diakone wollten sie sich auf dieses Amt beschränken. Für ihn ist das Papier ein Versuch, den Spiess umzudrehen: «Es sind nicht diejenigen schräg, die ein altes Thema immer und immer wieder ansprechen, sondern jene, die ausblenden, dass die theologischen Argumente eine deutliche Sprache sprechen: Wir haben den Eindruck, dass Gott kein Interesse daran hat, Frauen zu diskriminieren», sagt der Diakon gegenüber dem Pfarrei-Forum.

Im Februar hatte sich der Seelsorgerat des Kantons Zürich, das Beratungsgremium des Generalvikariats, mit derselben Forderung an die Öffentlichkeit gewandt. Damit sollten die Kirchenverantwortlichen geweckt werden. (sys)


Zürcher Seelsorgerat fordert Diakoninnenweihe

Diakonenweihe im Bistum St. Gallen | © Bistum St. Gallen
Diakonenweihe im Bistum St. Gallen | © Bistum St. Gallen
Bei den Christkatholiken möglich: Weihe von Diakoninnen | © kna
Bei den Christkatholiken möglich: Weihe von Diakoninnen | © kna

Diakon

Das Wort «Diakon» stammt aus dem Griechischen und bedeutet «Diener». Entsprechend wurde dem Diakon schon in der frühen Kirche, wie die Apostelgeschichte berichtet, die Armenpflege übertragen. Seit dem fünften Jahrhundert verlor das Amt spürbar an Bedeutung. Im Gegensatz zur orthodoxen Kirche wurde in der katholischen Kirche das Diakonat lediglich zur Durchgangsstufe für die Priesterweihe.

Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde das Diakonat als Weiheamt wiederbelebt. Seit 1968 können auch verheiratete Männer zum ständigen Diakon geweiht werden. Das Wort «ständig» weist darauf hin, dass das Diakonat für Lebzeiten übernommen wird.

Wer den Beruf des Diakons anstrebt und sich zum Zölibat verpflichtet, kann mit 25 Jahren die Diakonatsweihe empfangen, verheiratete Männer müssen bis zum 35. Lebensjahr warten und werden nur dann zur Weihe zugelassen, wenn die Ehefrau zustimmt.

Diakone dürfen taufen, bei der Trauung assistieren, beerdigen und predigen, nicht aber Eucharistie feiern und Beichte hören. Auch kann ein Diakon durch den Bischof in der Sonderseelsorge eingesetzt werden. Von jenen, denen es um eine bessere Präsenz der Frau in der Kirche geht, wird das Diakonat für Frauen angestrebt, für das es biblische Vorbilder gibt. Die Kirchenleitung zögert jedoch, weil dies als ein erster Einstieg in das Priesteramt der Frau verstanden würde. (sys

News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum