Hat künftig weniger Sendezeit: Judith Wipfler, Teamleiterin der Religionsredaktion von Radio SRF.
Schweiz

SRF-Sparmassnahmen: Maulkorb bei «Blickpunkt Religion»?

Das Tessiner Radio RSI und der welsche Sender RTS haben über die Kürzungen bei den SRF-Religionssendungen berichtet. Nicht aber «Blickpunkt Religion». Gab es einen Maulkorb? Die Pressestelle schweigt.

Raphael Rauch

Das Wort Maulkorb nimmt niemand in den Mund. Doch die Stossrichtung der SRF-Spitze scheint eindeutig zu sein. Bloss keine schlafenden Hunde wecken!

«Kaum kritisch über SRF-Themen berichten»

Das heisst: So wenig wie möglich über das Streichkonzert im SRF-Kulturangebot zu berichten. Von den Sparmassnahmen betroffen sind unter anderem die beliebten Religionssendungen «Blickpunkt Religion» und «Zwischenhalt».

SRF-Direktorin Nathalie Wappler
SRF-Direktorin Nathalie Wappler

Elena Obreschkow vertritt die Interessen von SRF-Journalisten im Schweizer Syndikat Medienschaffender SSM. Laut ihr sind die SRF-Redaktoren «angehalten, mit Zurückhaltung und Vorsicht über interne Themen zu berichten – und gegebenenfalls Berichte der Chefredaktion vorzulegen. Das führt natürlich dazu, dass insgesamt kaum kritisch über SRF-Themen berichtet wird.»

RSI und RTS berichten mutiger

Die Berichterstattung von SRF fällt im Vergleich mit der lateinischen Schweiz umso mehr auf. RSI hatte über die Kürzungen der Religionssendungen ebenso berichtet wie RTS. Nicht aber die Sendung «Blickpunkt Religion».

Obreschkow überrascht das wenig: «SRF berichtet eigentlich nicht kritisch über RTS und RSI, wohl aus demselben Grund. RTS hatte auch in der Vergangenheit bereits kritischer berichtet.»

Gute Miene zum bösen Spiel? Susanne Wille, Abteilungsleiterin von SRF Kultur.
Gute Miene zum bösen Spiel? Susanne Wille, Abteilungsleiterin von SRF Kultur.

Mutige Tessiner und Romands, zaghafte Deutschschweizer? Wer vergangenen Sonntag den «Blickpunkt Religion» gehört hat, hat nichts von Nathalie Wapplers Sparplänen erfahren. Und auch nichts über die Aktion von Christen, Juden, Muslimen und Aleviten, die dagegen protestieren. Innert weniger Tage haben über 1600 Menschen eine Petition unterschrieben. Unter anderem die NZZ hatte über die Petition berichtet.

Pressestelle antwortet nicht auf Anfrage

All das scheint bei SRF keinen Eindruck zu machen. Zwar stand SRF-Kulturchefin Susanne Wille am Dienstagmorgen SRF-Moderatorin Patricia Moreno Rede und Antwort. Allerdings war die Frage kein Thema, wie der Sender über die unliebsamen Entschiede berichtet.

Eine Anfrage vom Montag, ob den vier Radio-Religionsredaktorinnen ein Maulkorb verpasst wurde und welche Weisung Nathalie Wappler erteilt hat, liess das SRF auch am Dienstag unbeantwortet. Bis zu diesem Tweet um 19.59 Uhr:

Die Frage, warum die Religionssendungen von RTS und RSI über die Sparmassnahmen berichtet haben, nicht aber die quotenstarke Sendung «Blickpunkt Religion», beantwortete Susanne Wille nicht.


Hat künftig weniger Sendezeit: Judith Wipfler, Teamleiterin der Religionsredaktion von Radio SRF. | © Regula Pfeifer
13. Oktober 2020 | 18:29
Lesezeit : ca. 2  Min.
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Petition gegen Streichkonzert

«Wir machen uns grosse Sorgen um den Service public», sagt Odilo Noti. Er ist Präsident des Trägervereins Katholisches Medienzentrum. «Wir leben in Zeiten, in denen Extremisten, Verschwörungstheorien und religiöse Scharlatane Konjunktur haben. Bei Religionssendungen zu kürzen, ist gefährlich.»

Odilo Noti hat zusammen mit 38 Mitstreiterinnen und Mistreitern eine Online-Petition lanciert. Zu den Unterstützern gehören Christen, Juden, Muslime und Aleviten. Darunter etwa der Basler Bischof Felix Gmür, Medienbischof Alain de Raemy, RKZ-Präsidentin Renata Asal-Steger und RKZ-Vize Roland Loos, die reformierten Kirchenpräsidenten von Zürich und Basel, Michel Müller und Lukas Kundert, der Rabbiner Tovia Ben-Chorin, die muslimischen Professoren Amir Dziri und Elham Manea sowie die alevitische Nationalrätin Sibel Arslan. Innert weniger Tage haben über 1.600 Menschen die Petition unterzeichnet. (rr)