Kirchenhistoriker: Papstamt ist kein «Job» wie jeder andere

Freiburg, 16.4.15 (kath.ch) Der Münsteraner katholische Kirchenhistoriker Hubert Wolf befürchtet, dass das Papstamt Schaden nehmen könnte, wenn Papstrücktritte zum «Normalfall» werden sollten. «Zurückgetretene Päpste stehen eben auf einem ganz anderen Blatt als emeritierte Bischöfe oder pensionierte Oberstudienräte», schreibt Wolf in der in Freiburg erscheinenden «Herder Korrespondenz». Das Papstamt drohe zu einem gewöhnlichen «Job» zu werden und somit «seine Einmaligkeit als Identitätspunkt der katholischen Kirche zu gefährden».

Der Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. 2013 habe gezeigt, so Wolf, dass die katholische Kirche auf einen solchen Fall nicht vorbereitet ist. So sei unklar gewesen, welchen Titel der Zurückgetretene führen solle und ob er weiterhin weisse Gewänder tragen dürfe. Ein Problem bestehe auch in der möglichen kirchenpolitischen Instrumentalisierung des zurückgetretenen Papstes gegen dessen Nachfolger. Mit Blick auf Äusserungen von Papst Franziskus, wonach auch dieser für sich einen Amtsverzicht für möglich hält, warnte Wolf in dem Sonderheft zum «Phänomen Franziskus» (April 2015), den Rücktritt zum Regelfall erklären zu wollen. Dies sei ein «Spiel mit dem Feuer» und rüttle an den Grundfesten der katholischen Kirchenlehre. (kna)

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