Die Schoggihasen lachen einen Wochen vor Ostern aus allen Regalen im Supermarkt an.
Schweiz

So fasten Seelsorgende: «Durchs Fasten werden meine Sinne offener»

Es ist Fastenzeit. Seit Aschermittwoch sind katholische Gläubige aufgerufen, enthaltsam zu leben. Wie fasten eigentlich Seelsorgende? Zwei Beispiele zeigen: Fasten ist nicht nur Askese, sondern kann auch Freude und Bereicherung für die einzelne Person sein. Man empfinde sogar «himmlische Momente» beim Fasten.

Wolfgang Holz

«Seit ein paar Jahren freue ich mich jeweils sehr auf die Fastenzeit», bekennt Charlotte Küng-Bless, Seelsorgerin in Goldach der Katholischen Kirche Region Rorschach, im Kanton St. Gallen, gegenüber kath.ch. Die Fastenzeit sei für sie eine Zeit der bewussten Wahrnehmung ihrer Selbst und der Umgebung, in der sie sich bewege.

Charlotte Küng-Bless am Ambo der katholischen Kirche Goldach SG
Charlotte Küng-Bless am Ambo der katholischen Kirche Goldach SG

«Ich beobachte, dass ich dabei jedes Jahr etwas gelassener und ruhiger werde in der Gewissheit, meinem Körper und meiner Seele etwas Gutes zu tun. Bevor diese Zeit beginnt, überlege ich mir, worauf ich in diesem Jahr verzichten möchte und kann», erklärt Küng-Bless.

«Keinen Frust aufbauen»

Die mentale Vorbereitung auf das weniger oder vielmehr das bewusste Konsumieren sei für sie zentral. «Dazu gehören die Vorfreude und das Zutrauen, dass ich meinen Verzicht mit Bedacht gewählt habe und Ausdauer habe, ihn durchzuziehen. Es mag wenig überraschen, dass ich mit drei kleineren Kindern meinem Fastenideal hinterherhinke. Damit verbunden ist für mich eine weitere wichtige Erkenntnis: Es geht in der Fastenzeit nicht nur darum, Verzicht zu üben, sondern auch die eigenen Grenzen akzeptieren zu lernen, ohne dabei Frust aufzubauen.»

«Aus diesem Grund nehme ich mir auch vor, liebevoll mit mir umzugehen, wenn ich einen meiner Vorsätze nicht einhalte.»

Charlotte Küng-Bless, Seelsorgerin Goldach

Frustration und das Gefühl, nicht zu genügen, binde nämlich Energie, ist die Seelsorgerin überzeugt. Diese Energie investiere sie lieber in andere Gefühle und Tätigkeiten.

Kein Fleisch, keine Süssigkeiten, wenig Social Media – mehr Schlaf

«Aus diesem Grund nehme ich mir auch vor, liebevoll mit mir umzugehen, wenn ich einen meiner Vorsätze nicht einhalte. Ich habe mir vorgenommen, ganz auf Fleisch und Süssigkeiten zu verzichten und Social Media nur dosiert zu nutzen. Und ich gönne mir mehr Schlaf als sonst!»

Auch David Rüegsegger, Diakon, Pastoralraum- und Gemeindeleiter der Katholischen Kirche Emmen-Rothenburg im Kanton Luzern, hat eine Familie mit drei Kindern und nimmt das Fasten ernst. Gleichzeitig empfindet er Freude und Stolz.

Eine Familie zuhause und in der St. Barbara-Kirche in Rothenburg: Diakon David Rüegsegger und seine Kinder.
Eine Familie zuhause und in der St. Barbara-Kirche in Rothenburg: Diakon David Rüegsegger und seine Kinder.

«Wir leben in einer Zeit des Überflusses. Wenn ich bewusst für gewisse Zeit auf etwas verzichte, also faste, schätze ich es dafür wieder umso mehr, wenn ich es wieder geniessen kann», ist Rüegsegger überzeugt. Auch aus Solidarität mit all jenen, die das ganze Jahr fasten müssen.»

«Es macht einen stolz, wenn man auf etwas verzichten kann.»

David Rüegsegger, Diakon Rothenburg

«Durch das Fasten werden meine Sinne offener, und ich gehe bewusster durchs Leben. Ich sehe so auch Dinge, die ich sonst eher übersehe.» Auch aus gesundheitlichen Gründen fastet er – um den Körper zu reinigen. «Es macht einen stolz, wenn man auf etwas verzichten kann.»

Weniger Arbeit, mehr Zeit für sich

Konkret verzichtet der Diakon von Aschermittwoch bis zur Osternacht grundsätzlich auf Süsses. Er isst weniger und versucht, auch sonst der einen oder anderen Versuchung des Alltags zu widerstehen.

«Ich versuche, so gut es geht, auch etwas weniger zu arbeiten, um auf diese Weise mehr Zeit für mich zu haben.» Das persönliche Highlight sei für ihn, nach der Osternachtsfeier erstmals wieder ein kleines Schoggiei zu geniessen. «Das ist für mich ein Moment vom Himmel auf Erden.»

Diakon David Rüegsegger mit Ehefrau Priska auf der Terrasse des Pfarrhauses
Diakon David Rüegsegger mit Ehefrau Priska auf der Terrasse des Pfarrhauses

David Rüegsegger verhehlt aber nicht, dass der Anfang der Fastenzeit jeweils schwer sei. «Ich würde lieber so weiterleben wie bisher. Aus Routine und Gewohnheit. Mit der Zeit geht es aber immer besser, und man kommt hinein. Die Lust auf Süsses vergeht mit der Zeit.»

Mit Familie geht Fasten leichter

Nicht zuletzt hilft ihm seine Familie beim Fasten. «Zusammen macht alles mehr Freude, und es spornt an, miteinander zu fasten. Die Gspändli unserer Kinder staunen. Gemeinsam lesen wir auch den Kalender der Fastenaktion wie auch einen Begleiter mit spirituellen Impulsen,» lässt der Rothenburger Seelsorger wissen.

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Nicht zu vergessen: Bei der Familie Rüegsegger steht ein Fastensäckli auf dem Tisch. «Dieses füllen wir durch den bewussten Verzicht miteinander. Da kommt bis an Ostern einiges zusammen!», sagt der Diakon und lacht.


Die Schoggihasen lachen einen Wochen vor Ostern aus allen Regalen im Supermarkt an. | © Wolfgang Holz
17. Februar 2024 | 15:00
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