Schweiz

Sie will die Bischöfe über China ins Bild setzen

Was heisst es, in einem Land wie China Christ zu sein? Dieses Thema beschäftigt Brigitte Fischer Züger seit Jahren. Künftig will sie die Bischöfe fürs Thema sensibilisieren.

Ueli Abt

Sie sind seit letztem Herbst die Ansprechsperson der Schweizerischen Bischofskonferenz für China-Fragen. Wie kamen Sie zu diesem Posten?

Brigitte Fischer Züger: Seit vielen Jahren engagiere ich mich in der ökumenischen Gesellschaft Schweiz-China. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass Kirchenvertreter über die Lage der Christen und Kirchen in China informiert sind. Nachdem der katholische Missionsrat aufgelöst wurde, hat die ökumenische Gesellschaft den direkten Kontakt zur Bischofskonferenz gesucht und darum gebeten, eine Ansprechperson zu ernennen, welche zugleich das katholische Co-Präsidium der Gesellschaft übernimmt. Die Wahl fiel auf mich, da ich mehrere Jahre in Taiwan gelebt und gearbeitet habe und danach jahrelang bei der Bethlehem Mission Immensee tätig war.

Brigitte Fischer Züger wohnt im Pfarramt in Altendorf am Obersee.

Welche konkreten Fragen haben denn die Bischöfe?

Fischer Züger: Im Moment reist der eine oder andere Bischof höchstens aus privaten Gründen nach China. Wir hoffen, dass sich das ändert. Das Thema China hat aktuell für die Schweizer Bischöfe nicht höchste Priorität.  Doch wir hoffen, dass es vielleicht einmal eine offizielle Reise der Bischöfe nach China gibt. Oder dass die Bischöfe eine Delegation aus China empfangen. Die Bischöfe sollten sich ein Bild machen können über die Hintergründe des zu erneuernden Abkommens des Vatikans mit China, auch wenn sie dabei nicht involviert sind. In Deutschland gibt es das China-Zentrum und verschiedene Stiftungen, die Kirchen- oder Staatsvertreter vor einer Chinareise briefen.

Wieso gerade China?

Fischer Züger: Schon in den Anfängen der Schweizer Missionstätigkeit war China ein Schwerpunktland. So hat die Missionsgesellschaft Bethlehem erste Stationen in der Mandschurei errichtet. Auch die Ingenbohler Schwestern gingen nach China. Die historischen Bezüge sind somit sehr stark. Durch den Sieg der Kommunisten wurden nach 1949 viele Christen aus China vertrieben, auch Missionare. Noch heute ist die Lage für Christen im kommunistischen Land schwierig. Auch aufgrund der starken wirtschaftlichen Verflechtung der Schweiz mit China finden wir das Thema sehr wichtig. Viele Menschen wissen nicht einmal, dass es im kommunistischen China viele Christen gibt. Sie bilden zwar eine Minderheit, doch in einem so bevölkerungsreichen Land ergibt schon ein kleiner Prozentsatz eine riesige Gemeinschaft.

Was heisst für Sie Mission heute?

Fischer Züger: Sich als Weltkirchengemeinschaft für christliche Werte einzusetzen und die Welt humaner zu machen. Das Christentum kann befreien von staatlichen Zwängen, aber auch etwa von Dämonenglauben.

Die Mission stand auch schon in der Kritik.

Fischer Züger: Natürlich hat man bei der Missionstätigkeit auch Fehler gemacht. Gerade in China gibt es aber auch Anerkennung und Wertschätzung der Mission. Die westlichen Missionare haben zur Entwicklung des Sozialwesens beigetragen und Spitäler und Schulen in entlegene Gegenden gebracht. Auch sind es in erster Linie religiöse Organisationen, die sich in China den Menschen mit Behinderungen angenommen und auch Altersheime gegründet haben. Ich setze mich für eine Weltkirche ein, die kulturelle Unterschiede anerkennt und begrüsst. Mission darf nie vereinnahmend sein. Allerdings haben evangelikale Gruppen aus den USA in den letzten Jahren in China Fuss gefasst. Diese haben Geld gebracht und verkörpern auch den American dream. Mir hingegen sind Respekt vor der Andersartigkeit und Förderung der Eigenständigkeit wichtig.

Brigitte Fischer Züger auf der Terrasse an ihrem Wohnort in Altendorf.

Was sind die Herausforderungen der Kirchen Chinas?

Aktuell hören wir von Kirchenvertretern aus China, dass vielerorts die Möglichkeiten zur theologischen Bildung fehlen. Man muss sich zudem bewusst sein, dass Katholiken in einem Land, das atheistische Werte vertritt, in ethischen Fragen immer wieder mit dem Staat in Konflikt geraten, so etwa beim Thema Abtreibung. China ist kein demokratischer Staat. Allerdings ist das auch nicht allen Menschen in China so wichtig wie bei uns in der Schweiz.

Weltgebetstag für China
Am 15. Mai 2021 findet in Einsiedeln ein besonderer China-Tag mit Pater Martin Welling vom deutschen China-Zentrum St. Augustin statt. Der Tag steht im Zusammenhang mit dem Weltgebetstag für China, welcher kurz danach am 24. Mai folgt. Ein Vortrag über die aktuelle Lage in China, ein Konventamt mit chinesischen Elementen stehen auf dem Programm, zusammen mit der Generalversammlung der Ökumenischen Gesellschaft Schweiz-China (ÖGSC).

Brigitte Fischer Züger vom Generalvikariat der Urschweiz. | © Ueli Abt
27. August 2020 | 06:00
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Zur Person:

Brigitte Fischer Züger (1958) wuchs im Kanton Glarus auf und interessierte sich schon im Gymnasium für China. Sie studierte Theologie in Rom, Chur und München. Eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn 1988 führte sie erstmals nach China. Während ihres Aufenthaltes konnte sie im Auftrag des Fastenopfers mehrere chinesische Bischöfe treffen. Von 1998 bis 2004 arbeitete sie im Auftrag der Bethlehem Mission Immensee in Taiwan in einem Büro der asiatischen Bischofskonferenzen. Von 2004 bis 2013 war sie Programmverantwortliche der Bethlehem Mission Immensee für die Philippinen, Taiwan und China. Ihre Erfahrungen im Personalbereich gibt sie seit 2013 im Generalvikariat der Urschweiz als Stabsmitarbeiterin für Personal und Pastoralplanung weiter. Die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern lebt mit ihrer Familie im Pfarrhaus Altendorf SZ. (uab)