Kathedrale von Sitten
Schweiz

Sexueller Missbrauch im Wallis: Bislang haben sich zehn Opfer auf Audit der Diözese gemeldet

Um Licht in den Umgang mit Missbrauch in der katholischen Kirche im Wallis zu bringen und um das Vertrauen innerhalb der Kirche wiederherzustellen, hat die Diözese Sitten ein externes Audit in Auftrag gegeben. Die Diözese gibt nun ein erstes Zwischenfeedback und erneuert den Aufruf an die Opfer. Bislang haben sich zehn Missbrauchsbetroffene gemeldet.

Im Rahmen des externen Mandats, das der Kanzlei Vicario Consulting im November 2023 erteilt wurde, folgen die Ermittlungen dem festgelegten Zeitplan, wie die Diözese Sitten in einer Medienmitteilung versichert.

Stéphane Haefliger, der verantwortliche Projektleiter von Vicario Consulting, erklärt, dass er «zehn Personen, die im kirchlichen Kontext des Wallis Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind», empfangen habe.

Opfer haben sich spontan gemeldet

Diese Opfer haben sich spontan gemeldet, so Haefliger, nachdem die Diözese am 1. November 2023 eine Pressemitteilung herausgegeben hatte. «Auf den ersten Blick handelt es sich bei allen diesen Situationen um alte, der Diözese bekannte Fälle. Die Betroffenen konnten in aller Freiheit und auf ihre eigene Weise über die erlebten Leiden berichten.»

Missbrauch (Symbolbild)
Missbrauch (Symbolbild)

Die Betroffenen konnten anscheinend auch detailliert darlegen, wie ihre jeweilige Situation von den Verantwortlichen der Diözese berücksichtigt wurde. «Es ist noch zu früh, um endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen», sagt Stéphane Haefliger, aber es scheine sehr klar zu sein, dass «das Bedürfnis der Opfer nach Anerkennung und ihre verschiedenen Erwartungen an die Kirche bei weitem nicht vollständig erfüllt wurden».

Akten im Geheimarchiv analysieren

Um die Analysen zu verfeinern, müssten die Zeugenaussagen ergänzt und in einen Zusammenhang gestellt werden, indem die Akten im Geheimarchiv der Diözese analysiert würden.

«Durch die Gegenüberstellung von Erfahrungsberichten und ihrer administrativen Behandlung durch die Kirche können die Praktiken der Diözesen objektiviert und qualifiziert werden», erklärt Stéphane Haefliger. Insbesondere werde zu prüfen sein, ob die 2019 veröffentlichten Richtlinien der Schweizer Bischofskommission für die jüngsten Fälle eingehalten wurden.

Zwei spezielle Fälle

Was die Opferaufrufe angeht, sind diese zu zwei speziellen Fällen lanciert worden, so die Diözese. Erstens gehe es um einen 1977 verstorbenen Vikar einer Pfarrei in Sitten, der aus Frankreich stammte und in Frankreich inkardiniert war. Er soll mehrere Jahre lang mehrere Kinder missbraucht haben.

Die zwei Burghügel von Sitten, mit dem Schloss Tourbillon (l.) und dem Schloss und der Basilika Valeria (r.).
Die zwei Burghügel von Sitten, mit dem Schloss Tourbillon (l.) und dem Schloss und der Basilika Valeria (r.).

Zweitens soll ein Pfarrer einer Pfarrei im französischsprachigen Teil der Diözese, der 48 Jahre lang in dieser Pfarrei tätig war und 1983 verstarb, mehrere Personen, Erwachsene und Kinder, missbraucht haben. (woz)

Mehrere Fachstellen eingebunden

Aus methodischer Sicht hat sich die Kanzlei Vicario dafür entschieden, auch mit dem Vorsitzenden der Kommission ASCE (Sexueller Missbrauch im kirchlichen Kontext, neutrale und unabhängige Kommission), mit mehreren Mitgliedern der SAPEC-Gruppe (Unterstützung für Personen, die in einer Beziehung religiöser Autorität missbraucht wurden) zu sprechen.

Ebenso mit der Leitung der CECAR (Kommission für Anhörung, Schlichtung, Schiedsgerichtsbarkeit und Wiedergutmachung) sowie mit Forschenden, die an der Erstellung des Zürcher Berichts «zum Pilotprojekt zur Geschichte des sexuellen Missbrauchs im Kontext der römisch- katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts» mitgewirkt haben. (woz)

Anlaufstellen für Missbrauchsbetroffene

Eine Liste mit kirchlichen und weiteren Anlaufstellen für Missbrauchsbetroffene finden Sie hier.

Für eine unabhängige Beratung können Sie sich an die «Opferhilfe Schweiz» wenden.

Wer die eigene Geschichte öffentlich machen möchte, kann sich an die Redaktion von kath.ch wenden. Diese betreibt einen kritischen und unabhängigen Journalismus. Die Redaktions-Mailadresse lautet redaktion@kath.ch.

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Kathedrale von Sitten | © Jacqueline Straub
25. Januar 2024 | 16:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
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