Ausgedruckte "Epstein-Files" mit Foto des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, 10. Februar 2026.
International

Sexualstraftäter Epstein mischte in «Anti-Franziskus»-Kampagne mit

Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat mit dem rechtsextremen US-Katholiken Steve Bannon Strategien besprochen, wie Papst Franziskus geschädigt werden könnte. Dies zeigen die von der amerikanischen Justiz veröffentlichten «Epstein-Files». Offenbar gab es eine Art Bündnis zwischen Gegnern des verstorbenen Papstes aus verschiedenen Kreisen.

(cath.ch) «Wir werden Franziskus zu Fall bringen (…) Die Clintons, Xi, Franziskus, die EU… Los, mein Bruder.» So lautet ein Auszug aus den Nachrichten, die Steve Bannon an Jeffrey Epstein geschickt hat und die in den «Epstein-Files» gefunden wurden, wie die amerikanische Zeitung «National Catholic Reporter» (NCR) am 12. Februar 2026 berichtet.

Ein «Sodoma»-Film als Fallstrick

Die betreffende E-Mail wurde in Zusammenhang mit einem Film geschrieben, den Steve Bannon nach dem Buch «Sodoma» (2019) von Frédéric Martel drehen wollte. Das Werk des französischen Journalisten untersucht die Kultur der Geheimhaltung und Heuchelei, die angeblich die Homosexualität im Vatikan umgibt.

Der ehemalige Berater von Donald Trump glaubte offenbar, dass ein solcher Film Papst Franziskus zum Rücktritt hätte bewegen können. Film-Produzent sollte Jeffrey Epstein sein.

"Sodoma"-Autor Frédéric Martel ist heute Professor für "Creative Economies" an der ZHdK
"Sodoma"-Autor Frédéric Martel ist heute Professor für "Creative Economies" an der ZHdK

«Sodoma»-Autor Frédéric Martel gab gegenüber dem «Religion News Service» (RNS) zu, Steve Bannon mehrmals getroffen zu haben. Dieser habe ihm von seinen Filmplänen erzählt. Der Journalist stellte jedoch klar, dass er das Angebot von Steve Bannon nie angenommen habe. Auch habe er keine Zahlungen von ihm erhalten, da sein französischer Verleger die Rechte an dem Buch kontrolliere. Ausserdem betont Frédéric Martel, keinen Kontakt zu Jeffrey Epstein gehabt zu haben.

Eine orchestrierte Kampagne?

Das gescheiterte Filmprojekt ist nur ein Detail einer grösseren Darstellung, die aufzeigt, dass sich ein ganzes Netzwerk einflussreicher Personen gebildet hatte, um den argentinischen Pontifex zu diskreditieren. «Es gibt eindeutig eine orchestrierte Kampagne mehrerer traditionalistischer Persönlichkeiten und Institutionen, die darauf abzielt, Franziskus zu stürzen», versichert Austen Ivereigh, Biograf des verstorbenen Papstes, gegenüber NCR.

Carlo Maria Viganò, 2020
Carlo Maria Viganò, 2020

Laut dem britischen Journalisten wurde diese Kampagne im Namen einer Art «Säuberung» der Kirche geführt. Sie gipfelte demnach 2018 in den Anschuldigungen von Carlo Viganò, Jorge Bergoglio habe den sexuellen Missbrauch durch den ehemaligen Kardinal Theodore McCarrick vertuscht. Diese Behauptungen wurden später vom Vatikan widerlegt.

Epsteins Obszönitäten über Papst Franziskus

Für Austen Ivereigh zeigen die neuen Daten aus den «Epstein-Files», dass diese verschiedenen Akteure eine Art Allianz gebildet hatten. Sie machen jedenfalls klar, dass sich Jeffrey Epstein und Steve Bannon in ihrer Abneigung gegen den 2025 verstorbenen Pontifex einig waren. In ihrem E-Mail-Austausch von 2018 beklagen die beiden Männer den Kampf des Vatikan gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Populismus sowie die Beziehungen des Heiligen Stuhls zu China.

In der Korrespondenz, die Anfang 2026 vom US-Justizministerium veröffentlicht wurde, zeigt sich Jeffrey Epstein oft abfällig gegenüber dem Papsttum und Franziskus. Als Franziskus 2015 in die Vereinigten Staaten reiste, bemerkte der Milliardär, dass der Papst in der Nähe seines Wohnsitzes in New York wohnte. «Ich habe überlegt, ihn zu einer Massage einzuladen», schrieb er in einer E-Mail an seinen Bruder Mark Epstein, die mit obszönen Bemerkungen gespickt war.

Keine Zeichen von Verbrechensbeteiligung

Nach der Verurteilung von Jeffrey Epstein wegen Prostitution mit Minderjährigen im Jahr 2008 soll Steve Bannon diesen beraten haben, wie er seinen Ruf wiederherstellen und sein Image steuern könnte, schreiben amerikanische Zeitungen. Der Finanzier wurde 2019 in New York erneut aus denselben Gründen verhaftet. Einige Monate später wurde er in seiner Zelle erhängt aufgefunden.

Es bleibt hier anzumerken, dass die Epstein-Akten die Namen zahlreicher Persönlichkeiten enthalten. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass Steve Bannon in die Verbrechen von Jeffrey Epstein verwickelt war.

Bannon und Viganò teilen Ansichten

Es gibt auch keine Beweise für konkrete Verbindungen zwischen Steve Bannon und Carlo Viganò. Der Berater und der ehemalige Nuntius teilen jedoch viele Ansichten über die Kirche und das Papsttum. Im Jahr 2022 interviewte Steve Bannon Carlo Viganò auf dem Blog «Stilum Curiae». In diesem Gespräch wurden viel Kritik an Franziskus geäussert und Verschwörungstheorien aufgestellt. (Übersetzung und Adaption: Regula Pfeifer)

Anzeige ↓ Anzeige ↑

Ausgedruckte «Epstein-Files» mit Foto des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, 10. Februar 2026. | © Keystone/EPA Christobal Herrera-Ulashkevich
23. Februar 2026 | 15:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!