Teilnehmende der Feier zum Abschluss der diözesanen Phase des Seligsprechungsverfahrens für Kardinal Gilberto Agustoni, 1. Juni 2025.
Schweiz

Seligsprechungsverfahren für Tessiner Kardinal Gilberto Agustoni einen Schritt weiter

In Apulien ist 2022 ein Seligsprechungsverfahren für den 2017 verstorbenen Tessiner Kardinal Gilberto Agustoni eröffnet worden, der in Rom Karriere gemacht hatte. Nun ist die Untersuchung im Bistum Ugento-Santa Maria di Leuca abgeschlossen worden. Bei einer Zeremonie vertrat Nicola Zanini das Bistum Lugano.

Barbara Ludwig

Am Sonntag ist in der Wallfahrtsbasilika Santa Maria di Leuca in Apulien der Abschluss der diözesanen Untersuchung zur Seligsprechung von Gilberto Agustoni (1922-2017) gefeiert worden. Dies berichtete das Tessiner Newsportal catt.ch am Dienstag. Der Tessiner Kurienkardinal unterhielt enge Beziehungen zu den Schwestern der Kongregation «Figlie di Santa Maria di Leuca», die in Apulien entstand.

Der Schweizer Kardinal Gilberto Agustoni, 1998.
Der Schweizer Kardinal Gilberto Agustoni, 1998.

Die Zeremonie wurde von Vito Angiuli geleitet, dem Bischof von Ugento-Santa Maria di Leuca. Dabei versiegelte er die Kisten mit den Dokumenten des Seligsprechungsverfahrens, die nach Rom gehen. Bei der Feier vertrat Nicola Zanini den Apostolischen Administrator des Bistums Lugano, Alain de Raemy.

Botschaft von Alain de Raemy

Zanini verlas dem Bericht zufolge eine Botschaft von Weihbischof Alain de Raemy, in der dieser seine Freude und Dankbarkeit gegenüber dem Ortsbischof, dem Postulator sowie der Generaloberin der Schwestern der Heiligen Maria von Leuca zum Ausdruck brachte. Darin betonte de Raemy die Verbindung zwischen der Kirche von Lugano und dem Leben des Kardinals, der «in seinem langen und treuen Dienst an der Weltkirche die geistliche, liturgische und kulturelle Prägung unseres Landes mitgebracht hat».

Chef des obersten Kirchengerichts in Rom

Der Bischof von Ugento-Santa Maria di Leuca versiegelt die Kisten mit den Dokumenten des Seligsprechungsverfahrens für Kardinal Gilberto Agustoni, 1. Juni 2025.
Der Bischof von Ugento-Santa Maria di Leuca versiegelt die Kisten mit den Dokumenten des Seligsprechungsverfahrens für Kardinal Gilberto Agustoni, 1. Juni 2025.

Damit nahm er Bezug auf die lange Karriere von Gilberto Agustoni im Zentrum der Weltkirche. Der Tessiner wirkte während 67 Jahren in Rom, bis zu seinem Tod am 13. Januar 2017 im Alter von 94 Jahren. 1987 wurde Agustoni von Papst Johannes Paul II. zum Bischof geweiht. Derselbe Papst ernannte ihn 1994 zum Kardinal. Von 1992 bis 1998 leitete er als Präfekt die Apostolische Signatur, das höchste Gericht der katholischen Kirche. Der Kardinal lebte während seiner Zeit in Rom bei den Schwestern der Kongregation «Figlie di Santa Maria di Leuca».

Geboren wurde Agustoni allerdings in Schaffhausen, wo er auch einen Teil seiner Kindheit und Jugend verbrachte. In Lugano besuchte er das Gymnasium, das Kollegium und das Priesterseminar. Er studierte in Freiburg (Schweiz) Theologie sowie Kirchenrecht in Rom. 1946 wurde er vom damaligen Bischof von Lugano, Angelo Jelmini, zum Priester geweiht. Bereits vier Jahre später startete er seine Karriere in Rom. Da war er erst 27 Jahre alt.

Tessiner konnten sich beteiligen

Auch Tessiner konnten sich in der ersten Etappe des Seligsprechungsverfahrens beteiligen, das am 19. November 2022 eröffnet worden war. Im November 2022 publizierte das Bistum Lugano auf seiner Webseite ein Edikt des Bischofs von Ugento-Santa Maria di Leuca. Darin rief Vito Angiuli die Gläubigen auf, Informationen über Gilberto Agustoni bei der Generaloberin der Ordensgemeinschaft oder dem Postulator des Seligsprechungsverfahrens einzureichen.

Nach Abschluss der diözesanen Phase des Seligsprechungsverfahrens liegt der Ball nun bei Rom, konkret bei der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse.

Kirchliche Untersuchung

Bei einer Seligsprechung stellt die katholische Kirche durch Urteil des Papstes fest, dass ein gestorbener Mensch vorbildlich aus dem Glauben gelebt hat und Christus in besonderer Weise nachgefolgt ist. Daraus ergibt sich die offizielle Empfehlung, diese Person als Vorbild und Fürsprecher bei Gott anzunehmen. Selige werden im Gegensatz zu Heiligen nur regional verehrt. Der Seligsprechung kann aber eine Heiligsprechung und damit die weltweite Verehrung der betreffenden Person folgen.

Der Seligsprechung geht ein kirchliches Untersuchungsverfahren voraus. Dazu muss das jeweilige Heimatbistum Informationen über Leben und Sterben der Person sammeln und ein Wunder oder den Märtyrertod sowie Tugendhaftigkeit und den «Ruf der Heiligkeit» nachweisen.

Nach Abschluss des Verfahrens werden die Akten der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse zugeleitet. Sie prüft die Echtheit der Dokumente und Zeugenaussagen und holt gegebenenfalls Gutachten über Wunder auf Vermittlung des Kandidaten ein. Am Ende entscheidet der Papst. (kna)

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Teilnehmende der Feier zum Abschluss der diözesanen Phase des Seligsprechungsverfahrens für Kardinal Gilberto Agustoni, 1. Juni 2025. | © catt.ch
4. Juni 2025 | 17:00
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