Schwyz kritisiert Churer Priesterkreis: Graf und Imhof ist das Kirchenrecht wichtiger als das Evangelium
Der Arzt Jürg Wyrsch hat im Kantonskirchenrat Schwyz den Churer Priesterkreis scharf kritisiert – und erhielt dafür grossen Applaus. Er stört sich daran, dass Priester wie Roland Graf und Franz Imhof Stimmung gegen den neuen Verhaltenskodex machen: «Leider liegt wieder Staub auf den Altären.»
Raphael Rauch
Am Freitag tagte der Kantonskirchenrat. Was genau haben Sie gesagt?
Jürg Wyrsch*: Der Präsident der Kantonalkirche, Lorenz Bösch, hat auf den Verhaltenskodex und seine Bedeutung, ja Wichtigkeit hingewiesen. Ich habe kritisiert, dass der Churer Priesterkreis gross medial aufgetrumpft ist – ohne das Angebot des Bischofs zum Gespräch zu nutzen, abzuwarten und zuerst zu sprechen. Ich erwähnte, das sei aus meiner Sicht unchristlich, da man doch gegenseitig Respekt haben müsse und nicht öffentlich wegen fünf Prozent Meinungsdifferenz einen medialen Streit vom Zaun brechen sollte.
Was genau kritisieren Sie am Verhalten der Domherren Franz Imhof und Roland Graf?
Wyrsch: Die emotionale, mediale sofortige Aktion, in der mehrheitlich nur auf das Kirchenrecht verwiesen wird. Offensichtlich ist das Kirchenrecht für diese Priester wichtiger als das Evangelium.
Wie hat Roland Graf auf Ihre Kritik reagiert?
Wyrsch: Es gab für mich einen grossen Applaus und beim Apero auch viele zustimmende Kantonskirchenräte. Ich wollte ja Roland Graf herausfordern, da er auf die Worte von Lorenz Bösch nicht reagiert hatte. Ein Jurist kritisierte dann meine Aktion, sie sei zu scharf ausgefallen. Roland Graf meinte dann, sie seien über die mediale Botschaft aus Chur sehr enttäuscht, da man mit ihnen, den Priestern, vorher nicht gesprochen hätte, sondern einfach an die Öffentlichkeit getreten sei.
Hat Sie Grafs Erwiderung überzeugt?
Wyrsch: Nein. Für mich ist das Thema Verhaltenskodex und Missbrauch als pensionierter Arzt enorm wichtig – auch wegen meiner früheren Funktionen als Schulpräsident, Gemeindepräsident und als Kirchenratspräsident in Tuggen. Die Missbrauchsfälle schaden dem Ansehen der Kirche enorm. Der Kodex ist aus meiner Sicht sehr gut und der Priesterkreis weist ja auch darauf hin, dass sie mit 95 Prozent einverstanden seien. Da müsste man zuerst sprechen und diskutieren, um die restlichen fünf Prozent zu klären oder allenfalls abzuschwächen.
Wie geht’s nun weiter?
Wyrsch: Ich habe beim Apero mit Roland Graf angestossen und wir sind neu per Du. Für mich ist die Sache damit erledigt. Ich kenne Roland Graf seit vielen Jahren als sehr konservativen Priester. Ich bin staatsphilosophisch ein liberaler Mensch und wurde während meinen acht Jahren am Kollegium Engelberg von den sehr offenen, liberalen Benediktinern so geprägt. Aber aus meiner persönlichen Sicht zieht das gläubige, pilgernde Volk Gottes weiter und die Kirche bleibt einfach stehen. Das ist keine gute Sache für die Kirche. Wie haben wir damals in Engelberg mit fast allen Patres beim Zweiten Vatikanum geeifert und uns am Aufbruch gefreut. Selbst mein Vater freute sich und meinte, endlich herrscht Durchzug in der Kirche und bläst allen jahrhundertealten Staub von den Altären. Heute sind wir viele Schritte rückwärtsgegangen. Leider liegt wieder Staub auf den Altären. Die Fragen der Frauenordination, des Pflichtzölibats und anderes mehr kommen nicht voran.
* Der Arzt Jürg Wyrsch aus Tuggen ist Mitglied des Kantonskirchenrates Schwyz.
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