Luzerner Ratsmitglieder loben Bischof Joseph Bonnemain für Verhaltenskodex
Als einzige Schweizer Diözese hat das Bistum Chur einen Verhaltenskodex verabschiedet. Dafür gibt’s auch Lob von ausserhalb: Luzerner Katholikinnen und Katholiken würdigen das Engagement für eine angstfreie Kirche. Sexuelle Orientierung habe nichts mit dem Glauben zu tun, heisst es in einem offenen Brief.
Eva Meienberg und Raphael Rauch
Der Grosse Kirchenrat der Stadt Luzern hat einen offenen Brief an den Churer Bischof Joseph Bonnemain geschrieben. Der Brief ist von Markus Trüeb und Mariette Zurbriggen verfasst und von 22 Ratsmitgliedern mitunterzeichnet.
«Eine wichtige Botschaft»
Im Brief findet der Grosse Kirchenrat lobende Worte für den verbindlichen Verhaltenskodex zum Umgang mit Macht, der im Bistum Chur in Kraft getreten ist. Dies sei ein «notwendiges und ermutigendes Zeichen», heisst es in dem Brief.
Für die von Machtmissbrauch Betroffenen, aber auch für die katholische Kirche sei es eine wichtige Botschaft, dass Fehlverhalten in der Kirche nicht mehr toleriert werde und eine Bereitschaft zum Wandel bestehe.
Das Bistum Chur geht weiter als das Bistum Basel
Auch die katholische Kirche in Luzern kenne eine Selbstverpflichtung zum Thema sexuelle Übergriffe und führe Weiterbildungen durch. Die Erfahrungen seien gut. Doch das Bistum Chur gehe mit dem umfassenden Verhaltenskodex weiter.
«Wir begrüssen das Bestreben, mit einer erweiterten Prävention von spirituellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung, die der Churer Kodex zum Ziel hat, eine, angstfreie Kirche zu ermöglichen, in der alle vertrauensvoll ihren Glauben leben können», heisst es in dem Schreiben.
Jesus als Vorbild
Die sexuelle Orientierung habe nichts mit dem Glauben an Gott zu tun. «Wenn wir hören und lesen, wie Jesus gewirkt hat, dann ist das für uns der Weg, den wir mitgehen möchten, auch wenn der Weg oft steinig, nicht immer geradlinig und auch mit eigenen, inneren Hürden gesäumt ist», schreiben die Luzerner Ratsmitglieder an den Bischof von Chur, und danken ihm für sein Engagement.
Luzern gehört zum Bistum Basel. Im Vergleich zum Bistum Chur hinkt das Bistum Basel in der Präventionsarbeit hinterher. Erst letzte Woche war bekannt geworden, dass wegen «unterschiedlicher Erwartungen» die Präventionsbeauftragte Christiane Weinand und das Bistum Basel als Präventionsbeauftragte getrennte Wege gehen.
Das Bistum Basel hat nur 20 Stellenprozente für die Präventionsarbeit
Das Bistum Chur hat mit Karin Iten und Stefan Loppacher zwei Präventionsbeauftragte mit 50-Prozent-Stellen, also insgesamt einem 100-Prozent-Pensum. Das grössere Bistum Basel stellte bislang nur 20 Prozent für die Präventionsarbeit. Wie es im Bistum Basel weitergeht, ist unklar. «Die Nachfolge wird derzeit organisiert», teilte das Ordinariat letzte Woche mit.
Kritik an «Luzerner Zeitung»
Der Chefredaktor der «Luzerner Zeitung», Jérôme Martinu, hatte letzte Woche das Verhalten von Bischof Joseph Bonnemain kritisiert. Dieser solle stärker auf die Kritiker des Verhaltenskodexes zugehen, forderte Martinu, und titelte: «Missbrauchsprävention – das Bistum Chur hat sich verrannt.»
Wie Luzerner Ratsmitglieder gegenüber kath.ch versicherten, habe es bereits vor dem Kommentar in der «Luzerner Zeitung» die Absicht gegeben, Bonnemain in einem offenen Brief zu danken. Der «irritierende Kommentar» in der «Luzerner Zeitung» habe viele in ihrem Vorhaben bestärkt.
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