Die Band der Vereinigung ehemaliger Päpstlicher Schweizergardisten marschiert durch Lugano
Schweiz

Schweizergarde-Votum in Lugano: «Es ist eine Familie, die ewig hält»

Mehr als 300 ehemalige Schweizergardisten waren am Wochenende an der dreitätigen «Festa centrale» in Lugano dabei, begleitet von ihren Familien und Freunden – inmitten der Tessiner Bevölkerung. Der Gardedienst bringe viele wieder näher an den Glauben, sagte Alain de Raemy am Anlass. Er ist Ex-Gardekaplan und Apostolischer Administrator von Lugano.

Felicia Baggi, catt.ch

Zum ersten Mal überhaupt war das Tessin an diesem Wochenende Gastgeber des Zentralen Festes der Vereinigung ehemaliger päpstlicher Schweizergardisten. Die Beteiligung und die Begeisterung waren gross.

«Der Papst verbindet sie»

Alain de Raemy, Apostolischer Administrator der Diözese Lugano

Alain de Raemy, ehemaliger Kaplan der Päpstlichen Garde und Apostolischer Administrator der Diözese Lugano, erinnerte während der Sonntagsmesse in der Herz-Jesu-Kirche von Lugano eindringlich an den roten Faden, der jeden Gardisten verbindet: «Das Schönste ist, dass der Papst sie verbindet, einfach der Papst.»

Alain de Raemy
Alain de Raemy

Selbst jene, die mit einer nicht besonders aktiven religiösen Vergangenheit zur Garde kommen, würden durch den Dienst verändert: «Viele fangen an, ohne viel Erfahrung mit der Kirche zu haben, aber alle erleben eine sehr starke Kameradschaft und entdecken den Glauben neu, bis zu dem Punkt, dass sie, wenn sie in die Schweiz zurückkehren, die Messe auf Italienisch besuchen, um die Atmosphäre von Rom wieder zu entdecken.»

De Raemy sprach auch aufrichtig über die «Leere», die viele nach ihrer Rückkehr empfänden: «Von einem totalen Gemeinschaftsleben gelangt man zu einer organisierten Einsamkeit: Hier muss man einen Termin vereinbaren, um einen Freund zu sehen. In Rom gab es zu jeder Stunde jemanden, mit dem man reden konnte.» Aber gerade diese Intensität macht die Erfahrung einzigartig und prägend: «Sie leben als Fremde zusammen, geeint durch eine grössere Sache: die Verteidigung des Papstes.»

Die Musikband der Ex-Gardisten marschieren durch Lugano
Die Musikband der Ex-Gardisten marschieren durch Lugano

Familie, Glaube und Loyalität

Auch der aktuelle Kommandant der Schweizergarde, Christoph Graf, betonte mit Überzeugung den tiefen Wert des Dienstes: «Einmal Gardist, bleibt man es ein Leben lang. Es ist eine Familie, die ewig hält.» Das Treffen im Tessin war nach seinen Worten ein sichtbares Zeichen der Einheit zwischen den Generationen: junge Gardisten und Veteranen, die durch einen gemeinsamen Geist der Freundschaft verbunden sind.

Graf betonte die Rolle der ehemaligen Gardisten als lebendige Zeugen des Glaubens in ihrem Heimatland: «Sie müssen Zeugen der Erfahrung im Vatikan sein, das Gefühl der Zugehörigkeit und der Spiritualität auch denen vermitteln, die es nicht erlebt haben.»

Messe in der Herz-Jesu-Kirche von Lugano
Messe in der Herz-Jesu-Kirche von Lugano

Und an die jungen Leute, die in das Korps eintreten wollen: «Sie brauchen Glauben, Sinn für den Dienst und das Bewusstsein, dass Sie in eine einzigartige Tradition eintreten, die seit über 500 Jahren andauert.»

Lang gehegter Traum wird wahr

Graziano Rossi, der Präsident der Sektion Italienische Schweiz, sprach voller Emotionen über die langen Vorbereitungen und mit grosser Genugtuung darüber, dass es gelungen ist, die Veranstaltung zum ersten Mal ins Tessin zu holen: «Es war seit Jahren ein Traum. Nie zuvor wurde die Festa Centrale südlich der Alpen organisiert. Wir haben die Gelegenheit des Jubiläums genutzt, um das Beste aus unserem Gebiet zu präsentieren.»

Das Programm verband feierliche und gesellige Momente: von der Requiem-Messe in Santa Maria degli Angioli bis zur Parade auf der Piazza Riforma, vom Bandkonzert bis zum Gala-Dinner. Den Höhepunkt bildete am Sonntag der live im Fernsehen übertragene Pontifikalgottesdienst und eine beeindruckende Parade in historischen Uniformen, begleitet von Musikkapellen und Fahnen aus der ganzen Schweiz.

Auftritt vor dem Kulturzentrum LAC von Lugano
Auftritt vor dem Kulturzentrum LAC von Lugano

«Und am Freitagabend wollten wir einen typischen Tessiner Abend anbieten, der Entspannung und lokale Wurzeln verbindet», so Rossi über das Abendessen in den Kellern von Gandria. «Einmal ein Gardist, immer ein Gardist – das ist mehr als ein Slogan. Es ist ein Lebensstil, der auch nach Rom weiterlebt, und heute hatten wir hier in Lugano den konkreten und lebendigen Beweis dafür.»

Historisches Ereignis, gemeinsamer Erfolg

Das Zentralfest, das alle zwei Jahre in der Schweiz stattfindet, und zwar abwechselnd organisiert von einer den dreizehn Sektionen, sah zum ersten Mal eine breite und partizipative Beteiligung der Tessiner Öffentlichkeit. Die Stadt Lugano, das Kulturzentrum LAC, die kirchlichen und zivilen Behörden, die örtlichen Musikkapellen und die Familien der Gardisten trugen dazu bei, dass die Veranstaltung nicht nur ein Treffen ehemaliger Gardisten war, sondern zu einer echten Manifestation der schweizerischen katholischen Identität wurde.

In einer Zeit, in der die Bindungen zerbrechlich erscheinen, hat diese dreitägige Veranstaltung die Stärke eines geistlichen Paktes gezeigt, der nicht im Verlauf der Zeit auseinanderbricht: «Einmal ein Gardist, immer ein Gardist», in der Erinnerung, im Glauben und im Herzen. (übers. rp)

Anzeige ↓     Anzeige ↑

Die Band der Vereinigung ehemaliger Päpstlicher Schweizergardisten marschiert durch Lugano | © Felicia Baggi, catt.ch
23. Juni 2025 | 12:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!