Jean-Marie Fürbringer (Mitte) trifft in Rom Kardinal Marx (l.) | © Katarzyna Artymiak
Schweiz
Jean-Marie Fürbringer (Mitte) trifft in Rom Kardinal Marx (l.) | © Katarzyna Artymiak

Schweizer Missbrauchsopfer sprach in Rom vor

Rom, 22.2.19 (kath.ch) Bei einer Mahnwache vor der Engelsburg in Rom haben Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche erneut auf ihre Anliegen aufmerksam gemacht. Betroffene aus verschiedenen Ländern berichteten am Donnerstagabend über ihr persönliches Leid durch Missbrauch wie auch durch Abweisung durch Kirchenobere.

Der Schweizer Jean-Marie Fürbringer berichtete dem Korrespondenten in Rom von kath.ch am Rande der Mahnwache, wie er als Elfjähriger von einem Kapuzinerpater missbraucht worden war. Erst habe ihm der Pater Nachhilfe wegen seiner Lese- und Rechtschreibstörung gegeben und ihn dann unter dem Vorwand von Sexualkunde missbraucht. Das sei drei oder vier Monate so gegangen. Jahre später, mit Anfang Dreissig erst, habe er erkannt, wie sehr ihn dies seelisch verletzt und geprägt habe.

Nach staatlichem Recht sei das damals verjährt gewesen. Auf Vermittlung des Kapuzinerordens kam es zu einer Begegnung mit dem Täter Joël Allaz, der auch andere Jungen missbraucht hatte. Dabei habe er diesem einen grossen Stein in die Hand gedrückt und gesagt: «Dies ist jetzt ihr Problem, jetzt müssen Sie damit umgehen.» Vergeben habe er dem Mann noch nicht, auch weil dieser keine angemessene Entschädigung geleistet habe.

«Weg hat zu lange gedauert»

Fürbringer hält es für wichtig, dass aus dem erlittenen Unrecht «sich etwas Positives entwickelt». Die Konferenz im Vatikan ist für ihn und die anderen «eine Gelegenheit, unsere Stimme zu erheben und Gehör zu finden».

Das Treffen hält Fürbringer für einen wichtigen Schritt auf einem «Weg, der zu lange gedauert hat und wohl noch lange dauern werde», aber von Jahr zu Jahr tue sich etwas. Dennoch gebe es noch zu viele Länder, in denen sich nichts tue.

Weitere Opfer

Gestützt von Freunden und unter Tränen erzählte etwa Alessandro Battaglia aus Mailand über den erlittenen Missbrauch durch einen Priester im Jahr 2011. Doch anstatt den Mann anzuzeigen und ihm auch den kirchenrechtlichen Prozess zu machen, sei er vom Bistum nur versetzt worden. Der Täter war im Herbst 2018 zu gut sechs Jahren Haft verurteilt worden.

Weiterhin berichteten Betroffene aus Ecuador, Kanada, Grossbritannien, Polen und Deutschland von erlebtem sexuellem wie spirituellem Missbrauch und körperlicher Misshandlung. Ein Opfer aus der Demokratischen Republik Kongo sprach ein Gebet für die vielen Opfer auf seinem Kontinent. Weitere Redner forderten erneut der derzeitige Krisengipfel der Kirche zum Thema Missbrauch und Kinderschutz im Vatikan müsse entscheidende Fortschritte bringen.  (cic)

 

Fall Allaz: Orden und Kirche haben lange geschwiegen

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