Zeitungen | © Georges Scherrer
Schweiz
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Schweizer Medien zur Umwelt-Enzyklika: Von Lob bis Ablehnung

Zürich, 19.6.15 (kath.ch) Die Pressestimmen in der Schweiz zur Umwelt-Enzyklika «Laudato si» von Papst Franziskus fallen unterschiedlich aus.  Das Schreiben wird gelobt, gewürdigt, aber auch abgelehnt. Dieses wurde am Donnerstag, 18. Juni, im Vatikan veröffentlicht.

Der Italienkorrespondent von Radio SRF, Franco Battel, weist darauf hin, dass sich erstmals eine Enzyklika mit der Umwelt befasst. Der Papst lobe die Umweltbewegungen und kritisiere Wirtschaft und Politik, welche mit den Klimagipfeln bisher keine Fortschritte erziele. «Ein eigentliches Klimaziel mit konkreten Zahlen formuliert Franziskus aber nicht», bemerkt Battel. Auch auf andere Fragen gehe das Dokument nicht ein. So stehe nicht, ob man mit einer effizienten Geburtenkontrolle Umweltprobleme lindern könne, denn Papst und Vatikan lehnten Verhütungsmittel ab. Der Text sage auch nicht, ob es ethisch vertretbar sei, Agro-Diesel (Treibstoff aus Getreide, die Red.) zu verwenden.

Ausführlich kommt auf dem Sender der Provinzial der Schweizer Jesuitenprovinz, Christian Rutishauser, zu Wort. Im «Tagesgespräch» von Radio SRF erklärte er, die neue Enzyklika stelle sich in die Tradition der katholischen Soziallehre, die im 19. Jahrhundert einsetzte, als sich die Kirche während der Zeit der Industriealisierung der «Arbeiterfrage» annahm. Die neue Enzyklika verbinde die Ökologie mit der Flüchtlingspolitik und der Armutsproblematik. «Das ist das Interessante.» Es handle sich nicht um eine «Klimaenzyklika». Der Papst betrachte die Entwicklung vielmehr aus der Perspektive eines Dritt-Welt-Landes, das den negativen Folgen der technischen Entwicklungen ausgesetzt sei. Von der Interviewerin mit der biblischen Aussage «Macht euch die Erde untertan» konfrontiert, erklärte Rutishauser: «Gott will die Schöpfung nicht zerstören.» Der Papst weise auf die «negativen Folgen der neokapitalischen Entwicklung» hin.

Genug kirchlichen Rückhalt?

Rutishauser hinterfragt, ob Papst Franziskus «eine kluge Strategie» fahre, wenn er seinen Einsatz für die Umwelt «pointiert» vertrete. Der Jesuit zweifelt zudem daran, ob der Papst in der Kurie, die er wiederholt «angegriffen» habe, genug Rückhalt geniesst: «Wenn ich einen Betrieb führe, dann muss ich meine Mitarbeiter gewinnen», so der oberste Schweizer Jesuit.

Die Enzyklika nehme die Geburtenkontrolle, welche über Verhütungsmittel geregelt werde, aus, meinte die Interviewerin. Rutishauser erklärte daraufhin, der Papst setze in der Bewältigung der ökologischen Probleme andere Prioritäten wie die «Verteilungsgerechtigkeit» oder die Solidarität .

Aus der Sicht von Print-Online von Radio SRF gibt der Papst die «Beisshemmung» der katholischen Kirche in Sachen Naturwissenschaft auf. «Zum ersten Mal wagt sich ein Papst an die heissen Eisen Klimawandel und Umweltzerstörung.» Traditionell habe die katholische Kirche seit dem Desaster um die Verurteilung von Galileo Galilei im 17. Jahrhundert bei naturwissenschaftlichen Themen eine Beisshemmung. Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio sei zwar kein Befreiungstheologe, er sei aber mit der Situation der Armen aus seiner Heimat vertraut. Mit seinen «Öko-Belehrungen» ziehe der Papst den Ärger konservativer Katholiken insbesondere in den USA auf sich. Sie beschieden dem Kirchenführer, er solle die Wissenschaft den Wissenschaftlern überlassen.

Wohlwollend berichtet die Neue Zürcher Zeitung über die zum Teil in «lyrischem» Ton gehaltene Enzyklika. Die NZZ nimmt die Klage des Papstes über die Verdreckung und Verknappung des Wassers, die Verschwendung von natürlichen Ressourcen und die Produktion von täglich Millionen Tonnen Abfall auf. Er fordere insbesondere die Industriestaaten zum Handeln auf und ermuntere zudem «seine Leser, sich im Sinne einer ‘ganzheitlichen Ökologie’ neue Gewohnheiten zuzulegen». Die wirtschaftsnahe Zeitung geht in ihrem Kommentar jedoch nicht auf konkrete Bezüge zu Politik und Ökonomie ein. Die Neue Luzerner Zeitung schreibt: Der Papst «fordert insbesondere die Industriestaaten zum Handeln auf». Er rufe «die Menschheit» auf, ihr Verhalten zu überdenken. Er rechne nicht nur mit der herrschenden «Wegwerfkultur» der Reichen ab, sondern auch mit dem «irrationalen Vertrauen auf den technischen Fortschritt» und dem «Glauben an einen vergötterten Markt».

Geht uns nichts an!

Aus Sicht der in Basel erscheinenden «Weltwoche»wendet sich der Papst mit der Enzyklika «an seine Bischöfe». Diese sei «das Amen zu den Reporten des Weltklimarates IPCC und den Traktaten von Kapitalismuskritikern wie Naomi Klein». Klein ist eine kanadische Globalisierungskritikerin.

Die Zeitung stellt die vom Papst angeprangerten Umweltveränderungen in Frage: «Die Temperaturen steigen seit bald zwanzig Jahren nicht mehr und liegen deshalb unter allen Prognosen des IPCC», schreibt die Zeitung und schliesst ihren Text mit den Worten: «Und irgendwo grinst Galileo Galilei: Der gläubige Katholik wollte eigentlich seine Kirche nur vor einem Irrtum bewahren. Jetzt ist die Wissenschaft vom Klimawandel endgültig Glaubenssache.» (gs)

Medienstimmen aus dem Ausland

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Kraftwerk | © Foto Hiero / pixelio.de
Die Pressestimmen in der Schweiz zur Umwelt-Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus fallen unterschiedlich aus.  Das Schreiben wird gelobt, gewürdigt, aber auch abgelehnt.
Die Pressestimmen in der Schweiz zur Umwelt-Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus fallen unterschiedlich aus. Das Schreiben wird gelobt, gewürdigt, aber auch abgelehnt.
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