Schweizer Kirchen und Hilfswerke fordern ein Ende der Gewalt in Gaza
Die Spitzen der römisch-katholischen und evangelisch-reformierten Kirchen zeigen sich besorgt über «die katastrophale humanitäre Lage im Gazastreifen». Sie appellieren an die internationale Politik, auf ein Ende der Gewalt und auf Versöhnung hinzuarbeiten. Auch die Hilfswerke schalten sich ein.
Regula Pfeifer
Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) zeigt sich «zutiefst besorgt über die katastrophale humanitäre Lage im Gazastreifen», heisst es in einer Mitteilung. Sie schliesse sich «dem eindringlichen Appell von Papst Leo XIV. an».
Bischöfe beklagen «unschuldige Opfer»
Deshalb fordert die pastorale Kirchenspitze: «Die dringend benötigte humanitäre Hilfe muss rasch zu den notleidenden Menschen gelangen. Die Gewalt, die täglich weitere unschuldige Opfer fordert – insbesondere unter Kindern, alten und kranken Menschen – muss endlich ein Ende finden.»
Die Bischöfe rufen die Politik und die gesamte Staatengemeinschaft dazu auf, ihre politische und menschliche Verantwortung wahrzunehmen, so die Mitteilung. Die internationalen Übereinkünfte seien einzuhalten, besonders auch angesichts des grassierenden Antisemitismus, der eben neue Opfer gefordert habe.
Freilassung der Gefangenen
Ausserdem fordern sie die politischen Akteure auf, «auf die sofortige Freilassung der sich noch in Gefangenschaft befindenden Geiseln zu pochen». Und sie verurteilen «jeglichen Terrorismus erneut aufs Schärfste».
Auch an die Gläubigen wenden sich die Schweizer Bischöfe. Sie rufen alle dazu auf, «mit grossem Ernst für den Frieden unter den Völkern zu beten».
Der Rat der Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) beobachtet ebenfalls «mit grosser Sorge die anhaltende humanitäre Katastrophe im Gazastreifen und die eskalierende Gewalt im Nahen Osten», wie sie mitteilt. «Der Krieg, der auf den Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 folgte, hat inzwischen zu einer humanitären Lage geführt, die nicht anders als katastrophal bezeichnet werden kann.»
Reformierte engagieren sich für Menschenleben
«Wir nehmen Partei für das Leben», schreibt die EKS. Sie gibt ihrer Trauer für die Opfer auf beiden Seiten dieses Kriegs Ausdruck: für die israelischen Geiseln und Getöteten vom 7. Oktober ebenso wie für die palästinensischen Zivilistinnen und Zivilisten, die seither in unvorstellbarem Ausmass ihr Leben verloren haben.
Gleichzeitig fordert sie einen sofortigen, umfassenden humanitären Zugang für die Zivilbevölkerung in Gaza und eine klare Absage an jegliche Form kollektiver Bestrafung. Weiter verlangt sie von der Schweizer Regierung, dass die Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht im Nahen Osten benenne. Der Schutz der Zivilbevölkerung sei «eine rechtliche Verpflichtung». Die internationale Gemeinschaft müsse diese Verantwortung übernehmen.
Auch die evangelische Kirche arbeite auf Frieden hin, heisst es weiter. Indem die Christinnen und Christen für eine Lösung beten, «die nicht auf dem Sieg einer Seite, sondern auf Gerechtigkeit und Sicherheit für beide Völker beruht». In diesem Sinne unterstütze sie Friedensinitiativen kirchlicher zivilgesellschaftlicher Akteure im Nahen Osten.
Kraft der Versöhnung
In der Schweiz bemühe sie sich unter anderem um eine gute Zusammenarbeit mit religiösen Partnern und um freie Meinungsäusserung im kirchlichen Umfeld.
«Menschlichkeit kennt keine Seite», betont der Rat der EKS. «Als Christinnen und Christen glauben wir an die Kraft der Versöhnung; dass Versöhnung mit der Wahrheit und Wahrheit mit dem Hinschauen beginnt.»
Hilfswerke rufen Bundesrat zum Handeln auf
Auch die Schweizer Entwicklungsorganisationen fordern den Bundesrat dazu auf, sich der gemeinsamen Erklärung von über 20 Staaten anzuschliessen und unverzüglich alles daran zu setzen, dass die humanitäre Hilfe uneingeschränkt und unparteiisch geleistet werden kann. Unterzeichnet haben den Hilfswerks-Aufruf die katholische Organisation Caritas Schweiz, ihr reformiertes Pendant Heks (Hilfswerk evangelischer Kirchen der Schweiz) sowie Terre des Hommes und die Dachorganisation Alliance Sud.
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