Der Schweizer Kardinal Gilberto Agustoni, aufgenommen 1998 | © KEYSTONE
Schweiz
Der Schweizer Kardinal Gilberto Agustoni, aufgenommen 1998 | © KEYSTONE

Schweizer Kardinal Gilberto Agustoni mit 94 Jahren gestorben

Rom/Freiburg i.Ü., 14.1.17 (kath.ch) Der emeritierte Schweizer Kurienkardinal Gilberto Agustoni ist am Freitag im Alter von 94 Jahren gestorben. Das teilte der Vatikan am Samstag ohne weitere Einzelheiten mit. Der in Schaffhausen geborene Agustoni leitete von 1992 bis 1998 im Vatikan das höchste Gericht der katholischen Kirche, die Apostolische Signatur. Bis zuletzt behielt er seinen Wohnsitz in Rom in unmittelbarer Nachbarschaft zum Apostolischen Palast.

Der Tessiner Gilberto Agustoni wurde am 26. Juli 1922 in Schaffhausen geboren. Dort wuchs er zusammen mit vier Geschwistern auf. Sein Vater war als Zöllner aus Lugano weg an die nördliche Grenze der Schweiz versetzt worden, wo er als Zollvorsteher in Schaffhausen arbeitete. Agustoni besuchte in Lugano das Gymnasium, das Kollegium und das Priesterseminar, heisst es auf der Homepage der Schweizer Bischofskonferenz. Er studierte in Freiburg (Schweiz) Theologie sowie Kirchenrecht in Rom. Bereits im Alter von 23 Jahren wurde er 1946 von Bischof Angelo Jelmini zum Priester geweiht. Zwei seiner Brüder wurden ebenfalls Priester.

Mit 27 im Dienst des Heiligen Stuhls

Im Alter von 27 Jahren trat Agustoni 1950 mit besonderer Genehmigung von Papst Pius XII. (1939-1958) in den Dienst des Heiligen Stuhls ein. Der spätere Kardinal Alfredo Ottaviani, der damals Assessor im Heiligen Offizium war, dem Vorläufer der heutigen Glaubenskongregation, hatte den für eine Tätigkeit in dieser Kurienbehörde aussergewöhnlich jungen Priester angefordert.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) wirkte Agustoni als Berater an der Umsetzung der Liturgiereform mit. Von 1970 bis 1986 wirkte er als Richter an der Römischen Rota, die sich hauptsächlich mit Eheannullierungen befasst. Anschliessend wechselte er auf den zweithöchsten Posten in der vatikanischen Kleruskongregation. Von 1992 bis 1998 leitete der Schweizer im Vatikan das höchste Gericht der katholischen Kirche, die Apostolische Signatur. Die Kardinalswürde erhielt Agustoni 1994 von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zusammen mit 29 weiteren Männern. Internationales Interesse fand der Kardinal durch seine deutlichen Absagen an alle Vorschläge, den Zölibat abzuschaffen und verheiratete Männer (viri probati) zur Priesterweihe zuzulassen.

Charles Morerod, der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg, habe mit Betroffenheit die Nachricht vom Hinschied des Kardinals vernommen, teilte die SBK am Samstag mit. Papst Franziskus würdigte den Verstorbenen in einem Beileidstelegramm als «aufrichtigen und pflichtbewussten Mitarbeiter des Heiligen Stuhls». Am Dienstag findet im Petersdom eine Messe für Agustoni statt, die von Kardinaldekan Angelo Sodano zelebriert wird. Anschliessend spricht Franziskus ein Totengebet.

Noch zwei Schweizer Kardinäle

Nach Agustonis Tod beträgt die Zahl der Kardinäle 226. Von ihnen haben 120 das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet und dürften somit an einer Papstwahl teilnehmen. Agustoni war der drittälteste Kardinal der Weltkirche. Mit Kurt Koch, derzeit Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, und Henri Schwery, emeritierter Bischof von Sitten, gibt es derzeit noch zwei Schweizer Kardinäle. (cic/bal)

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