Schweiz

Saint-Maurice: Abschluss Jubiläumsjahr mit Kardinal Koch und 225 Friedenstauben

Saint-Maurice VS, 23.9.15 (kath.ch) Mit einem Festgottesdienst, dem Kurienkardinal Kurt Koch vorstand, wurde das 1500-Jahr-Jubiläum der Abtei Saint-Maurice am Dienstag, 23. September, beendet. Bundesrat Didier Burkhalter vertrat die Eidgenossenschaft. 2500 Personen waren für den Anlass zur Abtei gereist.

Bernard Litzler

Drei Tauben wurden gemeinsam von Abt Jean Scarcella, Alt-Abt Joseph Roduit und Kardinal Koch in die Freiheit entlassen. 222 weitere folgten. Diese stehen für die persönlichen Friedensbotschaften, welche die Abtei aus allen Erdteilen erreichten, sagte Regisseur Cyril Kaiser. Sie seien Zeichen jener Botschaft, die von der Erde zum Himmel getragen werde.

Der Abschluss gestaltete sich festlich: Eine riesige Menschenmenge hatte sich vor der Basilika versammelt. Der friedliche Anlass gliederte sich in das Jubiläumsjahr ein, mit dem des Martyriums des heiligen Mauritius und seiner Gefährten gedacht wurde. Dem Abflug der Tauben war eine Prozession durch die Strassen des Ortes vorausgegangen, während der die Reliquienschreine der Märtyrer mitgetragen wurden.

«Die schlimmste humanitäre Krise»

Vor der Befreiung der Taubenschar wandte sich Didier Burkhalter im Namen einer Gemeinschaft, «die zehn Mal jünger als die Abtei ist», an die Festgemeinde und überbrachte die Grüsse des Bundesrates. Auf spielerische aber auch auf ernste Weise gab der Bundesrat dem heiligen Mauritius die Ehre. Der Politiker bezeichnete den Märtyrer als «den bekanntesten Ägypter unter den Wallisern und den Walliser, der von den Kopten in Ägypten am meisten verehrt werde».

Der Burgunderkönig Sigismund, der die Abtei 515 gründete, erweise sich als ein «Pionier nachhaltiger Entwicklung», sagte Burkhalter im Hinblick auf das ehrwürdige Alter des Klosters. Der Bundesrat schlug einen Bogen zur Aufnahme von Flüchtlingen und verteidigte die Haltung der Schweizer Regierung. Burkhalter sprach von der «schlimmsten humanitären Krise seit dem Zweiten Weltkrieg». Die Welt bedürfe heute der Genfer Konvention zum humanitären Völkerrecht und des Roten Kreuzes «wie noch nie», so der Politiker. Der Magistrat verwies auf das Beispiel der Abtei, die er einen «Ort des Austausches und des Dialogs» nannte. Das Kloster beweise, «dass Gewalt nicht das letzte Wort haben wird».

Eine missionarische Kirche

Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, vertrat an der Feier Papst Franziskus und stand dem Festgottesdienst vor. Rund hundert Priester und Chorherren sowie zwanzig Bischöfe feierten den Gottesdienst mit. Den Weg nach Saint-Maurice hatten unter anderem auch der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Markus Büchel, und der Abt von Hauterive, Marc de Pothuau, gefunden. Vertreter der reformierten Kirchen sowie der orthodoxen und der koptischen Kirche verliehen der Feier eine ökumenische Note. Wegen des grossen Volksandrangs wurde der Gottesdienst über Bildschirme in eine weitere Kirche und auf einen zentralen Platz im Ort übertragen.

Kardinal Koch kommentierte in der Predigt das Wort Jesu «Habt keine Angst». Das Martyrium des heiligen Mauritius und seiner Gefährten finde seine Entsprechung im ursprünglichen Martyrium von Jesus. Dem Zeugnis mangle es nicht an Aktualität: «Wie Papst Franziskus sagt, ist nur eine missionarische Kirche eine glaubwürdige Kirche.» Dieser Auftrag habe von seiner Dringlichkeit in der heutigen Zeit nichts eingebüsst.

Der christliche Glaube, der «nicht in der Schweiz geboren wurde», habe vom Zeugnis von Mauritius und der Legionäre der thebäischen Legion profitiert. Dieser habe «uns gegenüber dem weiten Horizont der christlichen Gemeinschaft geöffnet». In der Kirche gebe es keine Fremden, nur Getaufte, führte der Kardinal aus. Das Beispiel zeige, wie nötig «unser Engagement» für die Neuevangelisierung sei.

Vier Reliquienschreine und gesegnetes Brot

Nach der Feier wurden in einer Prozession die vier Reliquien-Schreine der Märtyrer der thebäischen Legion durch die Strassen des Ortes getragen. Der lange Prozessionszug umfasste die Geistlichen sowie die Vertreter von staatlichen Behörden und Militär. Neben der Freilassung der Tauben unterstrich ein weiteres Zeichen die Gemeinschaft: Abt Scarcella segnete Brote, die unter das Volk verteilt wurden. Der Abt unterstrich dabei: «Wir wollen aus dem Gestern ein Heute machen für das Morgen der Freude.»

Die Schweizer Abtei Saint-Maurice gilt als ältestes Kloster des Abendlandes, das ohne Unterbruch in Betrieb ist. An der engsten Stelle des Rhonetales im Wallis kam es im Jahr 290 unter Kaiser Diokletian zu einem Drama. Der Christ Mauritius, Offizier der Thebäischen Legion, und seine Gefährten wurden der Legende nach in Augunum, heute Saint-Maurice, hingerichtet. Der Name geht zurück auf die keltische Bezeichnung «Acaunum» für Fels. Die Soldaten hatten sich geweigert, Christen zu töten oder, gemäss anderer Überlieferung, an heidnischen Opfern teil zu nehmen.

Gegründet wurde das Kloster am 22. September 515 durch den heiligen Sigismund, den späteren König von Burgund. Im 9. Jahrhundert wurden die Mönche durch Chorherren ersetzt. 1128 übernahmen diese die Augustinusregel. Die Abtei gehört keiner Diözese an. Sie geniesst den Status einer Territorialabtei. Ihr Abt gehört automatisch der Schweizer Bischofskonferenz an. (cath.ch/gs)

 

 

Abschlussgottesdienst 1500-Jahr-Jubiläum Abtei Saint-Maurice mit Kardinal Koch | © 2015 Bernard Hallet
23. September 2015 | 14:29
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