In einem Pfadilager soll es zu Berührungen gekommen sein. | © pixabay.com
Schweiz
In einem Pfadilager soll es zu Berührungen gekommen sein. | © pixabay.com

Rom hebt vorläufige Suspendierung eines Schweizer Priesters auf

Freiburg, 25.11.18 (kath.ch) Ein heute 84-jähriger Priester aus Freiburg soll vor über 50 Jahren sexuelle Übergriffe an Minderjährigen begangen haben. Das berichtet der «Tages-Anzeiger» (TA, 24. November). Als provisorische Massnahme hatte Ortsbischof Charles Morerod den Priester all seiner Ämter enthoben und ein kanonisches Verfahren eingeleitet, wie Morerod auf Anfrage bestätigte. Laut TA hat der Vatikan diese Massnahme nun nicht bestätigt.

Laut TA wurde der Geistliche 2016 durch Charles Morerod wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger von all seinen Ämtern suspendiert. Morerod habe daraufhin eine kanonische Untersuchung durch die Glaubenskongregation in Rom angeordnet. Diese habe die Suspendierung nun aufgehoben mit der Begründung, bei einem alten Priester hebe man bei sexuellen Übergriffen die Verjährung nicht auf. Die Zeitung beruft sich als Quelle auf ein Mail von Morerod an die Opfer des Priesters.

Bei Verdacht muss Verfahren eingeleitet werden

Bischof Charles Morerod bestätigte den Fall auf Anfrage, ohne allerdings ins Detail zu gehen, zumal die Unschuldsvermutung gelte. Er präzisierte jedoch: «Wenn einem Priester verschiedene Formen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen, einschliesslich Berührungen, vorgeworfen werden, muss ich ihn bis zum Verfahren suspendieren.» Das kanonische Verfahren hänge allerdings von Rom und nicht von ihm als Ortsbischof ab. Es handle sich also bei der Suspendierung um eine provisorische Massnahme. Der nachfolgende Entscheid aus Rom sei somit keine Widerrufung der provisorischen Massnahme. Auf die Begründung aus Rom ging Morerod in seiner Antwort an kath.ch nicht ein.

«Alle betroffenen Parteien unzufrieden»

Dennoch verhehlt der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg nicht, dass in diesem Fall «alle betroffenen Parteien» unzufrieden gewesen seien, nachdem er ihnen die Entscheidung aus dem Vatikan mitgeteilt hatte. Laut Zeitung ist der Priester im Ruhestand als Aushilfe tätig.

Der TA erwähnt ausserdem, die Freiburger Justizbehörden hätten festgestellt, dass die Übergriffe mehr als 50 Jahre zurückliegen würden. Daher sei kein staatliches Gerichtsverfahren mehr möglich.

Entmutigung mutiger Amtsträger

Jacques Nuoffer, Präsident der Westschweizer Opfervertretergruppe Sapec, ist der Fall nicht bekannt. Er zeigt sich auf Anfrage sehr beunruhigt über die Reaktion aus dem Vatikan: Es sei «entsetzlich», dass die Glaubenskongregation die Bischöfe in diesem Bereich nicht unterstütze.

Eine solche Entscheidung, zumal in Europa, könne «mutige Amtsträger entmutigen». Dies gelte insbesondere für Amtsträger in so genannten Entwicklungsländern, «die ohnehin sehr zögerlich sind, aktiv gegen sexuellen Missbrauch vorzugehen». (sys)

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