Junge Menschen nehmen am "Tag der Firmlinge" in Genf teil.
Schweiz

Riesiges Interesse an Firmung: Über 500 Personen nehmen an Treffen in Genf teil

Über 500 vorwiegend junge Menschen haben am Samstag am «Tag der Firmlinge» in der Pfarrei Ste-Clotilde in Genf teilgenommen. Eine rekordhohe Zahl, die das stark gestiegene Interesse an der Firmung offenbart. Die Genfer Kirche zeigt sich überrascht.

Raphael Zbinden, cath.ch / Adaption: bal

Die Frühlingssonne scheint kräftig, die Temperaturen in Genf sind fast schon sommerlich. «Ihr habt Glück, zum ersten Mal regnet es nicht am Tag der Firmlinge», ruft eine Animatorin den Menschen zu, die sich vor dem Gemeindesaal der Pfarrei Ste-Clotilde versammelt haben. Über 500 Personen, die sich firmen lassen wollen, sind gekommen.

Firmlinge verbinden

Die Veranstaltung mit dem Titel «Journée des confirmands» wird jeden Frühling von der Dienststelle Katechese und der Jugendpastoral der römisch-katholischen Kirche Genf (ECR) organisiert. Sie ermögliche es, eine Dynamik und Verbindungen zwischen den jungen und älteren Menschen zu schaffen, die im Laufe des Jahres das Sakrament der Firmung empfangen, erklärt Miles Fabius, Leiter der Jugendpastoral, gegenüber cath.ch.

Grosses Interesse am "Tag der Firmlinge" in Genf.
Grosses Interesse am "Tag der Firmlinge" in Genf.

27 Gruppen, darunter auch eine mit erwachsenen Firmlingen, haben sich angemeldet. Sie werden rund um die Sprachmissionen und die Pfarreien oder Seelsorgeeinheiten gebildet.

«Die Heilig-Geist-App kann nicht gelöscht werden.»

Die erste Aktivität wird treffend als «brise-glace» bezeichnet, auf Deutsch: Eisbrecher. Sie ermöglicht den Teilnehmenden, erste Kontakte zu knüpfen. Dazu werden die Jugendlichen von den Animatorinnen und Animatoren aufgefordert, vier Reihen zu bilden.

Beim «Speed-Dating» geht es dann darum, die Person, die einem gegenübersitzt, durch Fragen kennen zu lernen. «Wie heisst du mit Vornamen, was ist dein Lieblingsessen, dein Traumberuf?» Die Fragen purzeln wild durcheinander, doch das Gelächter in der Menge zeigt: Das Eis ist gebrochen.

Das Team, das den Tag organisiert hat,  Miles Fabius (rechts).
Das Team, das den Tag organisiert hat, Miles Fabius (rechts).

Anschliessend geht es weiter mit einer Liturgie in der St.-Clotilde-Kirche, wo durch das gemeinsame Singen eine warme Stimmung entsteht. Anwesend ist auch Jugendbischof Alain de Raemy. «Die Heilig-Geist-App, die ihr herunterladen werdet, kann nicht gelöscht werden», sagt der Weihbischof. «Denn das Zeichen des Kreuzes ist eine Liebe, die nie ausgelöscht wird.»

Auf den Spuren der Jünger von Emmaus

Nach der Feier verteilen sich die Teilnehmenden in ganz Genf, wo neun Punkte an verschiedenen Orten auf sie warten, hauptsächlich in Kirchen und Tempeln. «Es ist eine Möglichkeit, den Jugendlichen die Stadt zu zeigen und sie gleichzeitig dazu zu bringen, über den Glaubensschritt nachzudenken, den sie im Begriff sind zu gehen», sagt Miles Fabius.

Mit den verschiedenen Punkten des «Emmaus-Weges» versuchen die Verantwortlichen möglichst gut auf die Anliegen der Jugendlichen einzugehen. Die erste Etappe etwa führt sie zu der Frage: «Wie begegne ich Jesus, wenn ich mich traurig fühle?» und dann «Wie reagiere ich, wenn mir eine gute Nachricht verkündet wird?» Diese Themen werden diskutiert, ausgetauscht und meditiert, wobei die Erfahrungen der Emmaus-Jünger aus der Bibel immer mitbedacht werden.

Isolierte Jugend sucht Beziehung

Miles Fabius stellt fest: «Freude, aber auch Traurigkeit sind Dinge, die junge Menschen besonders berühren. Ein Aspekt der heutigen Jugend ist das Gefühl der Isolation. In unserer Gesellschaft ist es schwierig, Kontakte zu knüpfen. Soziale Netzwerke und andere Faktoren tendieren dazu, Menschen von aufrichtigen und wirklich nährenden Beziehungen fernzuhalten. Und junge Menschen leiden besonders darunter.»

Dieses Phänomen ist für den Leiter der Jugendpastoral einer der Faktoren, die den beeindruckenden Anstieg der Anfragen für Firmungen erklären können. «Wir sind selbst überrascht von dem Ausmass», gibt Miles Fabius zu. 525 Personen meldeten sich 2025 an, im Vergleich zu 350 im Jahr zuvor.

Auch mehr freiwillige Helfer

Auch 55 Freiwillige stellten sich zur Verfügung, im Vergleich zu den 30 in früheren Jahren. «Man spürt eine Begeisterung, auch junge Leute wollen sich engagieren.» Es handelt sich hauptsächlich um junge Leute, da sich in diesem Jahr nur etwa 15 Personen angemeldet haben, die älter als 18 Jahre sind.

Miles Fabius spürt daher einen echten Trend in der Jugend, wieder echte Freundschaften und Beziehungen zu pflegen. «Es gibt eigentlich nur wenige Institutionen, die das bieten, ausser der Kirche. Und das ist es wohl, was dem Firmungsprozess derzeit Dynamik verleiht.»

Junge machen bei Organisation mit

Inês, eine Seelsorgerin in der portugiesischen Mission, hat ihrerseits keinen besonderen Anstieg der Anmeldungen festgestellt, eher eine Stabilität. Sie bestätigt jedoch das Interesse der Jugendlichen in der Mission an solchen Tagen. «Sie können sich der Lehre der Kirche auf spielerische Weise nähern. Für die portugiesischsprachigen Jugendlichen ist es sehr bereichernd, Jugendliche aus anderen Missionen und Pfarreien zu treffen und auf Französisch zu beten.»

Junge Firmlinge moderieren das Treffen.
Junge Firmlinge moderieren das Treffen.

Miles Fabius betont, dass eine sehr wichtige Dimension des Treffens darin besteht, die Jugendlichen in die Organisation einzubeziehen. «Sie waren es, die die Moderation übernommen haben, und sie haben es sehr gut gemacht. Ihre Beteiligung hat viele Vorteile. Zunächst einmal werden sie dadurch aufgewertet und können ihre Talente, von denen es viele gibt, einsetzen. Zweitens fühlen sich die anderen Jugendlichen bei ihnen wohler, als wenn wir die Animation machen würden, denn da wir im Alter ihrer Eltern sind, nehmen sie uns eher als Autorität wahr.»

Ein neuer Blick auf die Kirche

Cath.ch hat einige Jugendliche gefragt, warum sie sich firmen lassen wollen – und hat dabei herausgefunden, dass eher soziale und traditionelle und weniger spirituelle Motive eine Rolle spielen. «Ich lasse mich firmen, weil meine Eltern auch gefirmt sind, weil ich dadurch Patin werden und kirchlich heiraten kann», erklärt etwa die 15-jährige Beatrice. Sie hoffe aber auch, dass sie dadurch Gott näher komme.

Béatrice lässt sich firmen, unter anderem weil sie dann kirchlich heiraten kann.
Béatrice lässt sich firmen, unter anderem weil sie dann kirchlich heiraten kann.

Der 16-jährige Gabriel gibt zu, dass er die Firmung vor allem wegen seiner Eltern will und weil er dann Pate werden kann. Allerdings gefällt ihm der gemeinsam verbrachte Tag in Genf, «weil man viele andere Jugendliche kennenlernen kann».

Miles Fabius ist sich bewusst, dass manche Jugendliche den Schritt aus Tradition oder aufgrund einer Gruppendynamik wagen – und ohne spirituelle Motivation. Für ihn ist das in Ordnung. «Es ist normal, dass viele anfangs nicht motiviert sind. Aber diese kleine Erfahrung mit der Kirche wird dennoch einige von ihnen berühren. Veranstaltungen wie die heutige säen trotz allem Samen und verändern den Blick auf die Kirche – sie ist ein Ort, an dem neben der Messe noch viele andere Aktivitäten angeboten werden.»


Junge Menschen nehmen am «Tag der Firmlinge» in Genf teil. | © Raphaël Zbinden
24. März 2025 | 17:00
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