Reto Stalder von «Der Bestatter»: «Ich habe wenig Lust, von Würmern gefressen zu werden»
Dreharbeiten im Engadin: Reto Stalder spielt in der SRF-Kultserie «Der Bestatter» den Praktikanten Fabio Testi. Ein Gespräch über das Leben, den Tod – und warum er nicht im Sarg bestattet werden möchte.
Jacqueline Straub
Sie spielen den Praktikanten beim «Der Bestatter». Haben Sie sich vor dieser Rolle mit dem Tod auseinandergesetzt?
Reto Stalder*: In meinem Umfeld war das kein grosses Thema. Einzig mein Grossvater ist zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben gewesen.
Damals sagten mir meine Eltern, dass ich ihn so in Erinnerung behalten soll, wie er war – und nicht in den Sarg schauen soll. Erst als die Anfrage für die Rolle kam, habe ich mich mit dem Thema Tod und Sterben näher auseinandergesetzt.
Wie haben Sie früher Beerdigungen wahrgenommen?
Stalder: Ich habe nicht so richtig verstanden, warum man Abdankungen macht. Heute weiss ich, dass es vor allem für die Angehörigen ist, um sich zu verabschieden und ihre Trauer in Worte zu fassen. Das finde ich sehr wichtig.
Was hat sich für Sie durch Ihre Rolle beim «Bestatter» geändert?
Stalder: Heute weiss ich, was ein Bestatter macht und dass es viele verschiedene Bestattungsformen gibt. Ich habe für mich beschlossen, dass ich einmal eine Urnenbestattung möchte.
«Mit einer Urne ist es abgeschlossen.»
Warum möchten Sie keinen klassischen Sarg?
Stalder: Ich stelle es mir komisch vor, in einem Sarg zu liegen und in ein Loch heruntergelassen zu werden. Auch habe ich wenig Lust, von Würmern gefressen zu werden. Mit einer Urne ist es abgeschlossen.
Haben Sie sich auch Gedanken darüber gemacht, wie Ihr Grab später mal aussehen soll?
Stalder: In Bern habe ich mir einen sehr innovativen Friedhof angeschaut. Dort gibt es ein Gemeinschaftsgrab mit grösseren Vierecken, die zu den vier Jahreszeiten unterschiedlich bepflanzt werden. Die Sommerbepflanzung finde ich am schönsten.
Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie Ihre Bestattung ablaufen soll?
Stalder: Eine spezielle Auswahl an Liedern und Texten ist mir nicht wichtig. Das dürfen meine Hinterbliebenen so gestalten, wie es für sie passt. Wichtig ist aber, das frühzeitig zu kommunizieren. Meine Grossmutter etwa wusste ganz genau, was sie bei ihrer Beerdigung tragen möchte. Sie hatte klare Vorstellungen.
Ihre Grossmutter ist während der Dreharbeiten für die erste «Bestatter»-Staffel gestorben. Wie war das für Sie?
Stalder: Alles andere als einfach. Vormittags habe ich sie noch im Spital besucht, nachmittags war ich auf dem Drehset. Das war nicht ganz einfach.
«Ich möchte das Leben geniessen, so lange es geht.»
Was haben Sie über den Tod gelernt?
Stalder: Es ist wichtig, dass man sich vorher schon damit auseinandersetzt. Ich schätze das Leben. Es ist ein Geschenk, dass man hier sein darf. Ich möchte das Leben geniessen, so lange es geht.
Viele Menschen haben Angst vor dem Tod. Sie auch?
Stalder: Nein, ich habe keine Angst.
Was wünschen Sie sich im Umgang mit Sterben und Tod von der Gesellschaft?
Stalder: Früher war es ein Tabu, darüber zu sprechen. Es ist gut, dass wir heute darüber offener sprechen können. Von daher bin ich ganz zufrieden mit der jetzigen Situation.
* Reto Stalder (36) ist spielt in der SRF-Serie «Der Bestatter» einen Praktikanten.
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