Pfarrer gegen die DSI: Verena Mühlethaler (3. v. l.), Christoph Sigrist (3. v. r.) | © Sonja Keller
Schweiz
Pfarrer gegen die DSI: Verena Mühlethaler (3. v. l.), Christoph Sigrist (3. v. r.) | © Sonja Keller

Mit Flyern gegen Durchsetzungs-Initiative: Pfarrer zufrieden

Zürich, 11.2.16 (kath.ch) Acht reformierte Pfarrerinnen und Pfarrer haben am Mittwochmorgen am Zürcher Hauptbahnhof Flyer gegen die Durchsetzungsinitiative verteilt. Mehrere Leute hätten positiv darauf reagiert, sagt Christoph Sigrist, Pfarrer am Zürcher Grossmünster.

Regula Pfeifer

Das, was er jetzt erzähle, habe er mehrfach an der Flyeraktion vom Mittwochmorgen, 10. Februar, erlebt, sagt Sigrist auf Anfrage von kath.ch und erzählt: Ein Mann kam ihm entgegen. Sigrist stellte sich als Grossmünsterpfarrer vor und erzählte kurz von der Flyeraktion der reformierten Kirche gegen die Durchsetzungsinitiative. «Jetzt habe ich Glück oder Pech», sagte Sigrist dann und meinte damit, ob er sein Gegenüber mit dieser Aktion nun zum Kirchenaustritt bewege oder eben nicht.

«Im Gegenteil», habe der Mann geantwortet. Er habe sich in den letzten Tagen überlegt, ob er austreten solle – wolle nun aber doch in der Kirche verbleiben. Denn genau das erwarte er von der reformierten wie der katholischen Kirche: dass sie Stellung nehmen.

Im Flyer erklärten die reformierten Pfarrer Zürichs mit sieben Nein-Argumenten, weshalb sie gegen die Durchsetzungsinitiative sind. Die Initiative sei ein Angriff auf die Jugendlichen, insbesondere auf Secondos, heisst es da. Sie zerstöre Familien, schwäche die KMU, führe zu einer archaischen Zweiklassenjustiz, zu einer barbarischen Justiz, zur Verletzung des Völkerrechts und zu einem Missbrauch der Demokratie. Juristische und rechtliche Argumente führen die Pfarrer ins Feld.

Mit Menschenrechten argumentiert

«Am Bahnhof argumentieren wir mit den Menschenrechten, in der Kirche mit christlichen Werten», erklärt Sigrist. Dabei gehe es im Grunde um dasselbe: Darum, niemanden auszuschliessen. Die Menschenrechte seien schliesslich aus den christlichen Werten heraus entstanden.

«Man hätte sicher expliziter christlich argumentieren können», sagt Verena Mühlethaler, reformierte Pfarrerin an der Zürcher Citykirche Offener St. Jakob. Sie hätten den Flyer von den reformierten Pfarrern von Bern übernommen und nur leicht angepasst. Vor ihrer Kirche hingegen sei ein Banner mit dem Bibelzitat aufgestellt: «Gott hat die Fremden lieb».

Verstösse gegen biblische Gebote

Auch sonst liesse sich die Aktion gegen die Durchsetzungsinitiative problemlos biblisch begründen, sagt Mühlethaler. Dass auf alle dasselbe Recht angewandt werden müsse, stehe in den Büchern Mose. Und auch die wichtige Rolle der Familie und der Sippschaft sei in der Bibel festgehalten. Gegen alle diese biblischen Gebote verstosse die Durchsetzungsinitiative, so Mühlethaler.

Mühlethaler hat die Flyer am Hauptbahnhof bei einer Rolltreppe verteilt. Da sei es kaum zu Diskussionen gekommen, sagt sie. Die Leute waren auf dem Weg zur Arbeit in Eile und nahmen den Flyer einfach mit. «Einige blickten dabei etwas erstaunt auf unseren Talar», sagt sie. Sie trug die Pfarrbekleidung, um als Kirchenvertreterin auf den ersten Blick erkannt zu werden. Andere an der Aktion beteiligte Pfarrerinnen oder Pfarrer traten in gewöhnlichen Kleidern auf. (rp)

Christliche Antwort auf die Durchsetzungsinitiative heisst Nein

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