Helmut Sievers (links) und Peter Dettwiler
Schweiz

Reformationsjubiläum lädt zum Austausch und zu neuen Schritten ein

Baar ZG, 28.1.17 (kath.ch) Das Reformationsjubiläum regt zu vielseitigen Debatten und Diskussionen an. Dass es nebst dem Gespräch und dem guten Willen auch konkrete Schritte braucht, wurde bei einer Veranstaltung der Fokolar-Bewegung in Baar diese Woche deutlich.  

«Man kann die Reformation als Spaltung der Kirche und Auslöser für viele Kriege ansehen», sagte der katholische Theologe Helmut Sievers. Er ist langjähriger Leiter des Sekretariats für die weltweiten Kontakte unter Bischöfen verschiedener Konfessionen, die der Fokolar-Bewegung nahestehen. «Man kann aber auch sagen, dass die Reformation dringend notwendige neue theologische Erkenntnisse und Entwicklungen angestossen hat, die heute für alle Kirchen wichtig sind.»

Weg von Wertungen

Der reformierte Theologe Peter Dettwiler, langjähriger Leiter der Ökumene-Fachstelle in der Zürcher Landeskirche, zeigte anhand der Versöhnung zwischen den Reformierten und der Täufer-Bewegung, wie wichtig es ist, die Schuld der Vergangenheit auszusprechen, um zu einer Versöhnung zu gelangen. Lange habe man die Nachteile der anderen Kirche mit den Vorteilen der eigenen Kirche verglichen, um dann überzeugt zu sein, selber den besten Glauben zu besitzen.

Die Reformatoren hätten die Kirche erneuern, nicht spalten wollen, betonte Dettwiler: «Die ökumenische Bewegung führt heute das fort, was die Reformation beginnen wollte: die Erneuerung der Kirche.» Die Annäherung könne auch Ängste auslösen, es sei wichtig, darüber zu sprechen, erklärten die beiden Referenten. «Die Dreifaltigkeit lehrt uns: Die Verschiedenheit ist ein Merkmal Gottes!», meinte Sievers. Die Kirchen müssten aber noch mehr voneinander lernen.

Reformierte brauchen ein Bischofsamt

Im Dialog mit dem Publikum gingen die Referenten vertieft auf offene Fragen wie die gemeinsame Feier der Eucharistie, des Abendmahls, oder das unterschiedliche Amtsverständnis der Pfarrpersonen in den Kirchen ein. «Es braucht mit der Zeit ein Bischofsamt in der reformierten Kirche», meinte der reformierte Theologe Dettwiler dazu beispielsweise. «Und in der katholischen Kirche braucht es mehr Synodalität in den Entscheidungsprozessen, mehr Kollegialität in der Leitung», ergänzte Sievers. (blb)

Helmut Sievers (links) und Peter Dettwiler | © zVg
28. Januar 2017 | 14:11
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