Pfarrer Kurt Susak: «Wir in Davos werden den Impuls des Papstes aufnehmen»
Dekan und Pfarrer Kurt Susak aus der Herz-Jesu-Pfarrei in Davos ist überzeugt, dass die Verehrung des Heiligsten Herzens tiefe Auswirkungen auf das soziale Leben und die menschlichen Beziehungen hat. Demnächst wird in der Pfarrei eine lebensgrosse Herz-Jesu-Statue eingeweiht.
Wolfgang Holz
Herr Pfarrer Susak, Papst Franziskus hat in seiner neuesten Enzyklika «Dilexit nos» den Fokus auf die Herz-Jesu-Frömmigkeit gerichtet. Hat Sie das als Dekan und Pfarrer der Davoser Herz-Jesu-Pfarrei besonders gefreut?
Pfarrer Kurt Susak: Ich bin erst die letzten Tage dazu gekommen, mich in die neue Enzyklika von Papst Franziskus einzulesen. Der Papst spannt in «Dilexit nos» einen weiten Bogen über die menschliche und göttliche Liebe des Herzens Jesu Christi und argumentiert, dass die Herz-Jesu-Spiritualität eine lebenswichtige Antwort auf das bietet, was er eine «flüssige Gesellschaft» nennt, die von Technologie und Konsumismus beherrscht wird und in der «der Sinn, ein Herz zu haben, abgewertet wird».
«In der Zeit der künstlichen Intelligenz», schreibt der Papst, «dürfen wir nicht vergessen, dass wir Poesie und Liebe brauchen, um das Menschliche zu retten. Was kein Algorithmus enthalten kann, wird zum Beispiel jener Moment der Kindheit sein, an den man sich mit Zärtlichkeit erinnert.»
Was meint der Papst damit aus Ihrer Sicht?
Pfarrer Susak: Der Papst betont, dass die Verehrung des Heiligsten Herzens nicht nur eine private geistliche Praxis ist, sondern tiefe Auswirkungen auf das soziale Leben und die menschlichen Beziehungen hat. «Die Welt kann sich verändern, indem sie im Herzen beginnt», schreibt er und verbindet die individuelle Transformation mit einer breiteren gesellschaftlichen Erneuerung. Ich freue mich, dass Papst Franziskus in seiner Enzyklika sozusagen den «alten Glauben» mit «moderner Philosophie» verbindet, und unserer Generation dadurch einen neuen Zugang zur Herz-Jesu-Spiritualität eröffnen will.
Was bedeutet Herz-Jesu-Frömmigkeit ganz konkret für Sie und für Ihre Pfarrei?
Susak: Neben der Marienkirche in Davos Platz trägt die Kirche in Davos Dorf das Herz-Jesu Patronat. Insbesondere dort wird der 1. Freitag im Monat als Herz-Jesu-Freitag traditionell mit einer Herz-Jesu-Messe, eucharistischem Gebet und Segen begangen. Obwohl die Eucharistiefeier schon um 17 Uhr beginnt – zuvor wird der Barmherzigkeitsrosenkranz gebetet – kommen zu dieser Hl. Messe immer mehr Gläubige als zu anderen Werktagsgottesdiensten.
Was zeigt dies aus Ihrer Sicht?
Susak: Dies zeigt, dass die Menschen einen besonderen Zugang zur universellen Liebe Gottes, die sich im Herzen Jesu kristallisiert, suchen und finden. Während die Herz-Jesu-Frömmigkeit bei den Älteren noch recht präsent ist, scheint diese, bei der jüngeren Generation nur noch wenig vorhanden zu sein. Mich persönlich trägt die Theologie der Barmherzigkeit und Liebe Gottes durch mein Priestersein, stärkt und motiviert mich. Mit der Enzyklika «Dilexit nos» so mein Wunsch, kann die oftmals als «kindlich» angesehene volksfromme Herz-Jesu-Verehrung, neue Impulse und Zugänge für die Menschen unserer säkularen Zeitepoche ermöglichen. Wir in Davos werden den Impuls des Papstes jedenfalls aufnehmen.
Sollten wir alle mehr auf unser Herz hören, wenn es um den Glauben in der Nachfolge von Christus geht?
Susak: Das sehe ich so. Es gilt Ratio et Fides, Glaube und Vernunft neu miteinander zu vereinen. Dies war insbesondere ein Anliegen in der Theologie von Papst Benedikt XVI. Franziskus nimmt dieses Anliegen auf und entfaltet es mit Blick auf einen sozusagen herzerwärmenden Glaubensvollzug im Bild des Herzens Jesu. Gerade der katholische Glaube in seiner tiefgründigen Sakramentalität, ansprechenden Liturgie und vielfältigen Spiritualität will doch zunächst die Herzen erheben. «Sursum corda, erhebet die Herzen», singen wir. Und darum sollte es vermehrt wieder gehen.
Wie meinen Sie das konkret?
Susak: Kürzlich forderte der Theologe Johannes Röser im Interview mit kath.ch mehr Sakramentalität in unseren Gottesdiensten. Er bemängelt, dass das Herz-Ergreifende, Spirituelle und Heilige durch die vielen «besonders» gestalteten, mit Worthülsen überfrachteten Gottesdienste, verloren zu gehen droht.
Trauen wir als Seelsorger Gott noch etwas zu, der gerade in und aus der Liturgie, Herzen berühren will? Zerstören wir meditative Momente im Wortschwall von Erklärungen, Ansagen und politisierenden Predigten? Es war immer eine Stärke der katholischen Kirche, dass das Geheimnis des Glaubens in der würdig und ansprechend gefeierten Liturgie, aus sich heraus in die Herzen der Mitfeiernden hineinspricht. Diesem Ziel der Liturgie, nämlich das Erfahrbarmachen des «mysterium fascinosum», also das, was das Herz berührt, wieder mehr Raum in unseren gottesdienstlichen Feiern zu geben, sollte jedem Verantwortlichen in der Liturgie ein Herzensanliegen sein.
Apropos «mysterium fascinosum». In Ihrer Pfarrei wird demnächst eine neue Jesus-Statue eingeweiht. Was hat es damit genau auf sich?
Susak: Zum 100-Jahrjubiläum der Herz-Jesu-Kirche im Jahr 2015 wollten wir unsere Kirche renovieren und den Sakralraum ansprechender gestalten. Bis dahin bildete ein, auf seine Art sehr modernes Kunstwerk, die Mitte der in den 70-er Jahren ausgeräumten und dadurch leer wirkenden Dorf Kirche.
Es ergab sich, dass wir den alten Hochaltar im Jugendstil sowie frühere Figuren in eine mit dem Denkmalamt Graubünden entworfene Neugestaltung integrieren wollten. Allerdings fehlte eine ansprechende Herz-Jesu Statue.
Und dann?
Susak: Dann konnten wir aus einer Pfarrei im Dekanat Ob dem Schin-Davos wir eine fast lebensgrosse Herz-Jesu-Figur als Leihgabe erwerben, restaurieren lassen und in der frisch renovierten Kirche mit ihrer ursprünglich neoromanischen Farbgebung aufstellen. Von den Rückmeldungen aus der Gemeinde waren wir positiv überrascht.
Die heimelig und künstlerisch ansprechende Kirche, so einzelne Stimmen, habe ihr «Herz» wieder gefunden. Auch bei Kirchenführungen und Gottesdiensten mit Kindern und Jugendlichen war spürbar, dass die imposante Herz-Jesu-Statue eine besondere Faszination ausübte. Aufgrund der guten Rückmeldungen wollten wir eine eigene Herz-Jesu-Statue anschaffen und die Leihgabe wieder zurückgeben.
Das ist ja schön…
Susak: Ja. Nachdem eine Südtiroler Kunstfirma die Holzschnitz- u. farblichen Fassungsarbeiten beendet hat, wird die neue lebensgrosse Herz-Jesu-Figur am Samstag, 16. November bei einer Festmesse um 17 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche in Davos Dorf feierlich gesegnet und ihrer Bestimmung übergeben werden. Nämlich: Im Bild des Herzens Jesu der Liebe Gottes Raum zu geben und so eine herzliche und innige persönliche Spiritualität als Bezugspunkt eines lebendigen Glaubens zu ermöglichen. Das passt doch wunderbar zusammen!
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