Vielfältige Kirche – vielfältige Küche | © Walter Ludin
Schweiz
Vielfältige Kirche – vielfältige Küche | © Walter Ludin

Pfarreien und Ausländermissionen können näher zusammenrücken

Luzern, 23.10.17 (kath.ch) Einheimische und ausländische Gläubige müssen enger zusammenarbeiten. Möglichkeiten dazu suchten die 55 Teilnehmenden der Luzerner Tagung «Dazu gehören – fremd sein», die am 21. Oktober in Emmenbrücke durchgeführt wurde. Dass Fremde eine Bereicherung für die Einheimischen sind, konnten sie konkret erfahren beim Mittagessen, das von Frauen aus vier Ländern des globalen Südens zubereitet wurde.

Walter Ludin

«Viele Flüchtlinge mussten alles zurücklassen. Aber eines bringen sie mit: ihre Talente.» So heisst der Slogan einer Luzerner Gruppe, die mit Asylsuchenden Aktivitäten unternimmt. Zu den genannten Talenten gehören die Kochkünste, die selbst Menschen ohne Bildung beherrschen. – Die Teilnehmenden der Tagung, die nach einer stärkeren Kooperation zwischen den Pfarreien der Einheimischen und den Ausländermissionen suchte, konnten sich beim Mittagessen mit Speisen aus Sri Lanka, Eritrea, Syrien und den Philippinen davon überzeugen.

Gemeinsame Wallfahrten, mehrsprachige Gottesdienste

Wie kann die Wahrnehmung von Migranten in den Pfarreien gefördert werden und wie sind Doppelspurigkeiten zu vermeiden? Eine Antwort auf diese Frage hiess: Vermehrt Synergien nutzen. Dazu ein mehrmals genanntes Beispiel: Die Landeskirche, etliche Pfarreien und fast jede Ausländermission organisieren Wallfahrten nach Einsiedeln oder nach Flüeli-Ranft. Hier könnten sich die verschiedenen Anbieter miteinander auf den Weg machen.

Schon wegen des prekären Mangels an Personal dränge sich eine engere Zusammenarbeit von Pfarreien und Ausländermissionen auf, wurde weiter betont. Eine Möglichkeit seien mehrsprachige Gottesdienste, auch wenn dabei die Sprachbarrieren für manche abschreckend seien.

In den Gottesdienst statt in die Pizzeria

Zum Thema Gottesdienste: Die Missionen, so wurde an der Tagung festgehalten, würden sich freuen, wenn Schweizer zu ihnen in die Eucharistie kämen, hiess es. Ein Beispiel: «Andere gehen in die Pizzeria. Ich gehe in den Gottesdienst der Italiener.»

Ein weiterer Vorschlag zu mehr Nähe lautete, die Chöre der Ausländermissionen in die Pfarreigottesdienste einzuladen. Vielleicht würde man nicht alles verstehen – aber dies sei ja auch in vielen Liedern, die im Radio zu hören sind, der Fall, wurde dazu aus der Teilnehmerschaft schmunzelnd angemerkt..

«Wer ist katholischer?»

Die Beziehungen zwischen den Pfarreien und den ausländischen Missionen seien nicht immer konfliktfrei, meinte Ruedi Heim, Bischofsvikar im Bistum Basel, in seiner Begrüssung. Bisweilen gäbe es Streit um die Frage «Wer ist katholisch? Und wer ist noch katholischer?» Damit nahm Heim einen Befund auf, der in der Studie «Kirchen in Bewegung. Christliche Migrationsgemeinden in der Schweiz» des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts SPI behandelt wird.

Judith Albisser, eine der Herausgeberinnen, lieferte in ihrem Einleitungsreferat einige Zahlen: Die Mehrheit der katholischen Migrationsgemeinden findet, dass der Glaube in der Schweiz in der Krise sei und dass die Schweiz neu evangelisiert werden müsse. 85 Prozent der Befragten waren mit dieser These einverstanden, beziehungsweise eher einverstanden. Mit der Aussage «Kirchen in der Schweiz sind ein Vorbild für meine Gemeinde» umgekehrt waren 62 Prozent nicht einverstanden, beziehungsweise eher nicht einverstanden.

Mehr aufeinander zugehen

Angesichts solcher (Vor-)Urteile hat ein an der Tagung in den Gruppengesprächen öfters genannte Postulat eine besondere Bedeutung bekommen: «Wir müssen Berührungsängste abbauen und aufeinander zugehen.»

An der Tagung nahmen 55 Personen teil, zum grössten Teil Ausländerinnen und Ausländer. Das Treffen wurde organisiert vom Bischofsvikariat St. Viktor sowie der Pastoralkommission Migrantenseelsorge und dem Katholischen Seelsorgerat des Kantons Luzern/KSRL.

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