Das Pfaffenhütchen mit seinem lustigen Namen
Religion anders

Pfaffenhütchen und Johanneskraut: Christliche Symbolpflanzen und ihre Mystik

Jetzt blüht es wieder – das Gehölz mit dem klerikalen Namen. Zunächst noch unscheinbar, entfaltet das Pfaffenhütchen im Herbst seine ganze Schönheit. Es gibt auch noch andere christliche Symbolpflanzen. «Laudato si» der anderen Art.

Wolfgang Holz

Das Rot des Strauchs sticht dem Spaziergänger regelrecht ins Auge. Das Pfaffenhütchen, auch gewöhnlicher Spindelstrauch genannt, ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Spindelbaumgewächse gehört. Zur Gattung dieser Pflanze mit dem lustigen Namen gehören über 170 Arten immergrüner und laubabwerfender Sträucher.

Erinnert an die Form von Priesterkäppchen

Das Gehölz ist in der Schweiz einheimisch und hat seinen Ursprung in Europa, mit Schwerpunkt in Mitteleuropa, wo das Pfaffenhütchen bevorzugt an Waldrändern, in Hecken und an Abhängen vorkommt.

Fernandel als Don Camillo - mit Pfaffenhut auf dem Kopf.
Fernandel als Don Camillo - mit Pfaffenhut auf dem Kopf.

Der Name «Pfaffenhütchen» kommt vom Fruchtschmuck des Gehölzes, der in seiner Form an die schwarzseidenen Käppchen erinnert, welche die Priester früher zu Hause oder bei einem Gang über die Strasse trugen.

Man fühlt sich irgendwie sofort an Don Camillo und Peppone aus dem italienischen Film beim Anblick der Pfaffenhütchen erinnert. Die Namensgebung «Spindelstrauch» deutet darauf hin, dass früher aus dem Holz des Pfaffenhütchens Webspindeln hergestellt wurden.

Früchte sind giftig

Die Blüten des Pfaffenhütchens sind unscheinbar und erscheinen von Mai bis Juni in grüngelber Farbe. Das Rotkehlchen liebt diese Früchte und besucht den fruchtbehangenen Strauch rege. Deswegen bezeichnet man die Früchte auch als «Rotkehlchen-Brot». Die Blätter sowie die Früchte sind allerdings giftig.

Es gibt auch noch andere christliche Symbolpflanzen. Zum Beispiel die Christrose. Im Volksglauben und in Märchen gehört diese Pflanze zu den Wunderblumen, da sie mitten im Winter und im Schnee blüht. Dies ermöglichte im Christentum den Vergleich mit dem Wunder der Geburt Jesu an Weihnachten, das als «Aufleuchten des Paradieses» in der kargen Zeit des Winters verstanden wurde und trug zu ihrem Namen «Christrose» bei.

Pirmin Meier mit Johanniskraut im Kräutergarten. Filmbild aus "Paracelsus. Ein Landschaftsessay"
Pirmin Meier mit Johanniskraut im Kräutergarten. Filmbild aus "Paracelsus. Ein Landschaftsessay"

Wenn das Johanneskraut «blutet»

Oder das Johanneskraut. Johanneskraut, so glaubte man früher, schütze Haus und Hof vor Hexen und bösen Geistern, und es würde sogar den Teufel persönlich vertreiben. Deswegen soll dieser die Pflanze aus Wut mit Nadeln zerstochen haben. Und in der Tat sehen die Blätter auch wirklich wie zerstochen aus, wenn man sie gegen das Licht hält.

Einer mittelalterlichen Legende nach liess das Johanneskraut seine Blütenköpfe hängen, als der heilige Johannes zum Märtyrertod geführt wurde. Einer anderen Legende zu Folge, wuchs das Johanneskraut an der Stelle, an der der Kopf von Johannes nach seiner Enthauptung zu Boden fiel; seitdem blutet das Johanneskraut, wenn man seine Blütenköpfe quetscht.

Pfingstrosen
Pfingstrosen

Eine weiteren Legende nach stand Johanneskraut unter dem Kreuz und fing einen Tropfen des Blutes Christi auf. Deswegen soll es diesen roten Saft besitzen, der austritt, wenn man die Blätter zerreibt.

Die «Rose ohne Dornen»

Nicht zuletzt ist die Pfingstrose vielen ein Begriff. Die Pfingstrose ist eine beliebte Zierpflanze, die nach dem Pfingstfest benannt ist. Sie steht jedoch nur aufgrund ihrer Blütezeit und weniger inhaltlich in Bezug zu dem Spätfrühjahrsfest in Zusammenhang.

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Christliche Mystik pries die Blume als Symbol für Reichtum und Heilung sowie die Schönheit des Weiblichen. Als Zierde des Altars findet sie sich auf mancher Malerei. Die Pfingstrose gilt als die «Rose ohne Dornen», mit der die Gottesmutter Maria gemeint ist.


Das Pfaffenhütchen mit seinem lustigen Namen | © Wolfgang Holz
16. November 2024 | 09:00
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