Peter Chanel Gomes
Schweiz

Peter Chanel Gomes: «Solidarität macht uns eins, universell und apostolisch»

Der Katholizismus in Bangladesch ist bunt und lebendig. Dennoch leiden Christen dort unter Repressionen. Umso dankbarer ist Peter Chanel Gomes, Nationaldirektor von Missio Bangladesch, dass die Katholiken und Katholikinnen aus der Schweiz sich durch Spenden solidarisch zeigen.

Jacqueline Straub

Während des Weltmissionsmonats konzentriert sich Missio Schweiz auf Bangladesch, Myanmar und Laos. Sie sind derzeit in der Schweiz und sprechen bei Veranstaltungen darüber. Wie ist die aktuelle Situation für Christen in Ihrem Heimatland Bangladesch?

Peter Chanel Gomes*: In Bangladesch leben 170 Millionen Menschen, davon sind 0,30 Prozent Christen. Das sind etwa 600.000 Christen, davon sind 400.000 katholisch. Als kleinste Minderheit ist die aktuelle Situation für Christen in Bangladesch etwas schwierig. Obwohl die Verfassung von Bangladesch die Gleichberechtigung aller Menschen und die Religionsfreiheit aller Religionen anerkennt, fördert die aktuelle soziopolitische Lage islamische Gesetze und Ansichten, da mehr als 91Prozent der Bevölkerung Muslime sind.

«Wir haben viele religiöse Berufungen unter den jungen Menschen.»

Wie zeigte sich das im Alltag?

Gomes: In den letzten Jahrzehnten hat der islamische Fanatismus so stark zugenommen, dass Minderheiten angegriffen wurden. Wir werden oft übersehen und von der Mehrheit diskriminiert. Christliche Missionstätigkeiten werden von Seiten der Regierung mit Argwohn betrachtet. Die Evangelisierungsarbeit ist vollständig verboten. Dennoch evangelisiert die katholische Kirche in Bangladesch mit aller Kraft unter den indigenen Völkern. Trotz der Herausforderungen und Hindernisse säen wir auch weiterhin die Samen der Werte des Evangeliums in verschiedenen Bereichen, insbesondere durch unseren engagierten Dienst in den Bereichen Bildung, karitative Einrichtungen, Krankenhäuser und Gesundheitszentren, technische Ausbildungszentren usw. Wirtschaftlich mag die katholische Kirche in Bangladesch arm sein, aber spirituell ist sie sehr lebendig und reich an Berufungen. Wir haben viele religiöse Berufungen unter den jungen Menschen.

Wie leben Christen in Bangladesch ihren Glauben?

Gomes: Die meisten Christen in Bangladesch praktizieren ihren Glauben. Die liturgischen Feiern unserer Gläubigen sind sehr lebendig und dynamisch. Während der Feiern und Rituale drücken die Menschen ihre tiefe Hingabe durch Gesten, Körperhaltungen, Gesänge usw. aus, was für das Land sehr typisch ist.

Verteilung der Kommunion in Bangladesch
Verteilung der Kommunion in Bangladesch

In Bangladesch ist der Sonntag kein Ruhetag…

Gomes: … dennoch ist die Einhaltung dieses Tages hier sehr beeindruckend. Alle Kirchen sind während der Sonntagsgottesdienste voll. Entweder vor der Arbeit (früh am Morgen) oder nach der Arbeit (am Abend) nehmen die Menschen an den Sonntagsmessen teil. Viele Pfarreien bieten auch separate Messen für Kinder und Jugendliche an. Die Katholiken in Bangladesch pilgern gerne zu verschiedenen Heiligtümern, insbesondere zu Heiligtümern der Heiligen Jungfrau Maria. Der Familienrosenkranz ist in katholischen Familien sehr verbreitet. Beliebte Andachtsformen wie eucharistische Prozessionen, Novenen zu Heiligen, das Begehen der drei Tage vor dem Festtag einiger bedeutender Heiliger, Gebetswachen und Anbetungen usw. sind unter den Katholiken weit verbreitet.

Mit welchen Gefahren und Herausforderungen sind sie konfrontiert?

Gomes: Aufgrund der zunehmenden Präsenz und Aktivität radikaler islamistischer Bewegungen sind sie häufig Gewalt, plötzlichen Angriffen, Verfolgung, Belästigung und Drohungen durch islamistische Gruppen ausgesetzt. Aber auch Diskriminierung und Benachteiligung bei der Arbeitssuche und anderen Möglichkeiten durch die Regierung und die Arbeitsagenturen. Einige Christen sind von Landraub durch Gewalt und Einschüchterung betroffen, was sich auf ihre Fähigkeit auswirkt, ihren Besitz und die Stabilität ihrer Gemeinschaft zu erhalten. Die derzeitige Untätigkeit der Regierung und die Schwächung der Rechtsstaatlichkeit machen ihr Leben immer unsicherer. Es gibt Bedenken, dass die Regierung religiöse Minderheiten nicht schützt, was zu anhaltender Gewalt gegen diese Gemeinschaften führt.

Christen in Bangladesch
Christen in Bangladesch

Am Weltmissionssonntag sammelt die Schweizer Kirche Spenden für bedürftige Ortsgemeinden auf der ganzen Welt. Was bedeutet diese Solidarität für Sie?

Gomes: Diese Solidarität bedeutet eine geschwisterliche Unterstützung von einer Schwesterkirche zur anderen. Bereits in der alten Kirche sehen wir eine solche gegenseitige Unterstützung zwischen den Kirchen, wie sie in einigen Briefen des Heiligen Paulus deutlich wird. Diese Solidarität macht uns eins und universell. Diese Solidarität hat auch einen missionarischen Aspekt, wie uns die Selige Pauline Marie Jaricot gezeigt hat. Nicht alle können an vorderster Front in den Missionsgebieten mitarbeiten, aber viele können sich durch ihre Gebete und Spenden an derselben Mission beteiligen. So macht uns die Solidarität eins, universell und apostolisch. Diese Solidarität ist für beide Seiten von Vorteil. Mit den Worten des heiligen Franz von Assisi: «Denn im Geben empfangen wir».

«Die Kirche in Bangladesch fördert den interreligiösen Dialog in hohem Masse.»

Welche kirchen-politischen Themen sind in Bangladesch relevant?

Gomes: Die katholische Kirche in Bangladesch hat keinen Bezug zur Politik des Landes. Die Bischofskonferenz von Bangladesch pflegt jedoch ein gutes und unterstützendes Verhältnis zur Regierung. Die Kirche in Bangladesch fördert den interreligiösen Dialog in hohem Masse. Dies ist sowohl eine Notwendigkeit als auch eine Form der Verteidigung. Als Minderheit müssen wir mit der Mehrheitsbevölkerung so leben, wie sie ist. Missverständnisse über einander führen oft zu Konflikten, Misstrauen und sogar Unterdrückung. Daher wird der Dialog zu einem wichtigen Instrument des Schutzes, weil er es uns ermöglicht, einander besser kennenzulernen, Ängste abzubauen und gegenseitigen Respekt aufzubauen. Dies wiederum ebnet den Weg zu Harmonie, Frieden und Zusammenarbeit zum Wohle aller.

Zur besseren Koordination hat die Katholische Bischofskonferenz von Bangladesch eine Bischofskommission für interreligiösen Dialog eingerichtet. Jede Diözese hat auch ein eigenes Komitee oder eine eigene Kommission, um den Dialog auf lokaler Ebene zu fördern. Darüber hinaus gibt es eine politisch anerkannte Plattform, die Hindu-Buddhist-Christian Association, in der viele katholische Führungskräfte aktiv mitwirken. Diese strukturierten Bemühungen zeigen, dass der Dialog nicht nur eine defensive Strategie ist, sondern auch ein proaktives Instrument, um Brücken des Verständnisses in einer Gesellschaft zu bauen, in der es leicht zu Spannungen kommen kann.

Papst Leo XIV. mit Pater Peter Chanel Gomes anlässlich der Generalversammlung der Päpstlichen Missionswerke in Rom, Mai 2025.
Papst Leo XIV. mit Pater Peter Chanel Gomes anlässlich der Generalversammlung der Päpstlichen Missionswerke in Rom, Mai 2025.

Wie sehen die Christen in Bangladesch Papst Leo?

Gomes: Die Katholiken in Bangladesch sind dem Heiligen Stuhl sehr treu. Sie sind sehr glücklich darüber, dass Papst Leo XIV. der Nachfolger des heiligen Petrus ist. Sie erwarten, dass der Heilige Vater die guten Werke seines Vorgängers Papst Franziskus fortsetzen und eine spirituelle Erneuerung innerhalb der Kirche herbeiführen wird. Sie sehen Papst Leo XIV. als ihren wahren spirituellen Führer und Hirten des Volkes Gottes.

*Peter Chanel Gomes ist Nationaldirektor von Missio Bangladesch. Er ist derzeit in der Schweiz und spricht über die Lage in seinem Land. Veranstaltungen mit ihm: Eucharistiefeier mit anschliessender Begegnung am Mittwoch, 15. Oktober, um 9.15 Uhr in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Zürich. Und am Samstag, 18. Oktober um 9.00 Uhr wird er eine Eucharistiefeier in St. Anton in Basel feiern.


Peter Chanel Gomes | © zvg
13. Oktober 2025 | 12:01
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