Statue des Niklaus von Flüe | © 2015 Bruder-Klausen-Stiftung zVg
Schweiz
Statue des Niklaus von Flüe | © 2015 Bruder-Klausen-Stiftung zVg

Patriotismus mit Bruder Klaus

Zürich/Sachseln OW, 5.1.17 (kath.ch) Was soll das Bruder-Klaus-Gedenken mit dem SVP-Strategen Christoph Blocher und dem Churer Bischof Vitus Huonder am 19. August in Flüeli-Ranft? Das fragt sich kath.ch-Redaktorin Regula Pfeifer. Die rechtskonservative SVP wolle wohl einmal mehr ein Gedenken für ihre eigenen Zwecke ummünzen, vermutet sie.

Das neu angekündigte Bruder-Klaus-Gedenken mit dem Ex-Bundesrat und SVP-Strategen Christoph Blocher und dem Churer Bischof Vitus Huonder mutet seltsam an. Mehrere Medienberichte bezeichnen es als rechtskonservativen Anlass und verweisen auf die SVP-Leute, die im organisierenden Verein «Die Schweiz mit Bruder Klaus» aktiv auftreten.

Die SVP ist jene Partei in der Schweiz, die die Geschichte am meisten für ihre politischen Zwecke deutet. Das sagt auch der auf das Spätmittelalter spezialisierte Historiker Thomas Maissen in der «Luzerner Zeitung» (5.1.17). Weshalb das so ist, kann er sich nicht erklären. Er stellt aber fest, dass die SVP gerade deshalb zur stärksten Partei der Schweiz geworden ist, weil sie ein patriotisches Selbstbild pflege.

Diese Partei tritt bei den bisher geplanten Veranstaltungen zum Bruder-Klaus-Jubiläum kaum in Erscheinung. Der Trägerverein «600 Jahre Niklaus von Flüe», Hauptorganisator des Jubiläums unter dem Motto «Mehr Ranft», stützt sich auf christliche Exponenten in Politik und Kirche und lässt diese zu Wort kommen. Sein Präsident ist der Obwaldner Regierungsrat und CSP-Politiker Franz Enderli. Im Patronatskomitee sitzen die obersten katholischen und reformierten Kirchenvertreter der Schweiz, im wissenschaftlichen Beirat Uni-Professoren der Theologie und Geschichte. Am nationalen Gedenktag von «Mehr Ranft» soll Bundespräsidentin und CVP-Politikerin Doris Leuthard auftreten.

Ob sich die Rechtskonservativen angesichts der Übermacht an christlicher Präsenz übergangen fühlen und deshalb etwas Eigenes organisieren? Könnte gut sein. Auch wenn die beiden Vereine nichts dergleichen vernehmen lassen und sich offiziell nicht konkurrenzieren wollen. Doch etwas wollen die SVP-Politiker wohl: einmal mehr eine Gedenkfeier so ummünzen, dass sie dem eigenen politischen Zweck dient. Blocher werde wohl erneut zu «Macht den Zaun nicht zu weit» sprechen, mutmasst die «Neue Zürcher Zeitung» (5.1.). Das Zitat wird Niklaus von Flüe zugeschrieben, ist aber laut Maissen historisch nicht gesichert. Welche Rolle dabei der Churer Bischof einnehmen wird, bleibt offen. Gelingt ihm eine eigenständige Würdigung des Heiligen Bruder Klaus oder gerät seine Rede zu einem Votum zugunsten der SVP-Politik?

Blocher und Huonder treten an SVP-Gedenkfeier für Bruder Klaus auf

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