Patrick Renz ist Direktor der bischöflichen Dienststelle migratio | © zVg
Schweiz
Patrick Renz ist Direktor der bischöflichen Dienststelle migratio | © zVg

«Auch als Nicht-Theologe kann ich migratio leiten»

Freiburg, 11.10.17 (kath.ch) Patrick Renz ist zum Direktor der Dienststelle migratio der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) berufen worden. Im Interview mit kath.ch sagt er, was sich nun als offizieller Nationaldirektor für ihn ändert, was die SBK für migratio macht und warum ein Nicht-Theologe für diese Stelle geeignet sein kann.

Francesca Trento

Herr Renz, Sie waren bis jetzt schon Direktor ad interim von migratio. Was ändert sich nun, da Sie offiziell den Posten übernehmen?

Patrick Renz: Eigentlich nichts: Ich habe mich bereits bis anhin mit Herzblut engagiert, unabhängig davon, ob es nach der ad interim Zeit «weitergehen» würde.

Warum gerade Sie? Sie haben Betriebswirtschaft, nicht Theologie studiert.

Renz: Ich habe zwar nicht Theologie studiert, kann jedoch von mir behaupten, eine «pastorale Affinität», gute Kenntnisse der Kirche Schweiz sowie reiche interkulturelle Erfahrungen zu haben. Dies ist in dieser Funktion ebenso wichtig. Dass ich zum Posten berufen wurde, ist also ein schönes Zeichen der Diversität seitens der Schweizer Bischofskonferenz (SBK).

Was für Themen stehen bei migratio an?

Renz: Als erstes muss bei migratio Ruhe und Systematik einkehren. Es gab mehrere personelle Veränderungen und strategische Unklarheiten. Auch steht die Umstellung der Mitfinanzierung der SBK und der Römisch Katholischen Zentralkonferenz (RKZ) an. Als zukunftsweisende Aufgaben kommen die Lancierung der neuen Kommission Migration der Schweizer Bischofskonferenz sowie das gemeinsame Projekt SBK-RKZ für ein Gesamtkonzept dazu. Zudem ist es ein Anliegen, dass sich migratio in Zukunft noch mehr für die Flüchtlingspastoral einsetzt.

Schon frühzeitig «Gretchenfragen» stellen.

Das tönt nach viel Arbeit.

Renz: Zum guten Glück! Und ja, eine Zusammenarbeit zwischen so vielen Akteuren ist per se nicht ganz leicht. Dabei gleichzeitig unseren Kernauftrag – sicherzustellen, dass Migrantinnen und Migranten ihre pastoralen Bedürfnisse stillen und ein gutes Zusammenleben führen können – im Hinterkopf zu behalten, macht es nicht leichter.

Haben Sie im Hinterkopf auch die Finanzen?

Renz: Das ist natürlich immer ein Thema. Nimmt man periodisch die finanzielle Perspektive ein, ermöglicht das, schon frühzeitig «Gretchenfragen» zu stellen. Aber wenn eine Strategie nur aus der Finanzperspektive erarbeitet wird, verpasst man etwas: Eine Zukunftsvision zu erarbeiten und gemeinsam mitzutragen.

Inwiefern erhalten Sie Unterstützung der SBK?

Renz: Die Frage müsste eher heissen, inwiefern steht die Bischofskonferenz hinter unserem Auftrag? Und das tut sie. Das sieht man zum Beispiel in deren Pressemitteilung der letzten Ordentlichen Versammlungen. Die Bischöfe heben hervor, dass Migrantinnen und Migranten in den Schweizer Kirchen sehr wichtig sind – weshalb die Migrationspastoral gestärkt werden muss. Und dafür braucht es auch verstärktes strategisches Engagement.

Patrick Renz-Mehr (1965) war Direktor von Fastenopfer und Professor der Hochschule Luzern für Ökonomie, bevor er zum Nationaldirektor migratio ad interim berufen wurde. Nach seinem Studium war er zehn Jahre bei einem Konsumgüterkonzern tätig und hat Erfahrungen als Geschäftsführer mittlerer Unternehmen gesammelt. Patrick Renz hat in 10 Ländern gewohnt und in über 35 Ländern gearbeitet.

Renz hat in Rom die SBK vertreten und hat sich für eine Stärkung der Migrantionspastoral eingesetzt: «Wenn wir Angst gegenüber dem Fremden haben, sind wir nicht allein – ein ankommender Migrant, eine Migrantin hat auch Angst. Wenn wir diese Gemeinsamkeit als Startpunkt einer Begegnung nehmen, entsteht aus Angst Kraft. Kraft für Gemeinsames, für Zukunft, für Communio». (SBK)

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