Bischof Morerod an der Medienkonferenz zum Papstbesuch| © Oliver Sittel
Schweiz
Bischof Morerod an der Medienkonferenz zum Papstbesuch| © Oliver Sittel

Papstbesuch steht im Zeichen der Gemeinsamkeiten unter den Kirchen

Genf, 15.5.18 (kath.ch) Die Gemeinsamkeiten unter den christlichen Kirchen suchen, so lautete der Tenor an der Medienkonferenz des Weltkirchenrats vom Dienstag zum Papstbesuch vom 21. Juni in Genf. Das Detailprogramm des Papstbesuches wurde vorgestellt, zudem gaben Vertreter der Genfer Kantonspolizei Hinweise zur Anreise für Besucher der Messe.

Sylvia Stam

Olav Fykse Tveit, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), bezeichnete den Papstbesuch als einen der Höhepunkte im 70-Jahr-Jubiläum des ÖRK. Der Papstbesuch sei eine «einzigartige Gelegenheit, die Gemeinschaft zu vertiefen». «Was wir gemeinsam tun können, das sollten wir auch tun», so Tveit, ohne die Differenzen auf theologischer Ebene zwischen den einzelnen christlichen Kirchen zu leugnen.

Sich für eine Zukunft in Frieden und Respekt einsetzen

Gerade in einer Zeit, in der Konflikte entstünden, weil Menschen auf ihre religiöse Identität setzen, sei es wichtig, «sich für eine Zukunft in Frieden und Respekt» einzusetzen. Schwierigkeiten auf lokaler Ebene sollten kein Hindernis sein, auf weltweiter Ebene Schritte vorwärts zu machen.

Charles Morerod, der als Ortsbischof von Lausanne, Genf und Freiburg (LGF) sozusagen diözesaner Gastgeber ist, hob die lange Tradition des Zusammenlebens verschiedener Gruppierungen hervor, für welche sowohl die Stadt Genf wie die ganze Schweiz bekannt seien. So sei Genf der Sitz des Völkerbundes gewesen, welcher mit der Gründung der Uno aufgehoben wurde.

«Das Zusammenleben geschieht auf ganz natürliche Weise.»

In der Calvinstadt lebten heute rund 40 Prozent Einwanderer, wovon nicht wenige katholisch seien. «Das Zusammenleben geschieht in dieser Region auf ganz natürliche Weise», so Morerod, der auch Präsident der Schweizer Bischofskonferenz ist.

Sich nicht vor Mitchristen verschliessen

Er erinnerte daran, dass auch Papst Franziskus die Gäubigen immer wieder dazu aufrufe, sich nicht vor Mitmenschen und Mitchristen zu verschliessen. In Genf seien die Konfessionslosen die grösste Gruppe. «Es ist darum wichtig, gemeinsam zu verkündigen, was uns eint: Christus», so das Schlusswort von Morerod.

Bischof Charles Morerod und Olav Fykse Tveit | © Oliver Sittel

Morerod wies im Anschluss an die Referate darauf hin, dass zur Messe mehr als 40’000 Personen erwartet würden. Die Messe werde vom Schweizer Fernsehen SRF und von Eurovision übertragen.

Zusammenarbeit zwischen dem ÖRK und der katholischen Kirche

Andrzej Choromanski, Mitglied des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit unter den Christen, war an Stelle von Kardinal Kurt Koch angereist. Dieser musste aus gesundheitlichen Gründen auf die Teilnahme an der Medienkonferenz verzichten. Auch Choromanski unterstrich den ökumenischen Charakter des Papstbesuchs. Mit seinem Besuch wolle der Papst seine Dankbarkeit ausdrücken für die über 50-jährige Zusammenarbeit zwischen dem ÖRK und der römisch-katholischen Kirche.

Er zählte in der Folge auf, in welchen Bereichen der Weltkirchenrat und die katholische Kirche, die nicht Mitglied des ÖRK ist, zusammenarbeiten: Es gebe dazu zwei Arbeitsgruppen. Die eine setze sich mit der Frage auseinander, wie die Kirchen zum Weltfrieden beitragen könnten, in der zweiten gehe es um die Zusammenarbeit der Kirchen in Flüchtlings- und Migrationsfragen.

«Wir müssen füreinander und miteinander beten.»

Darüber hinaus gebe es Kommissionen des ÖRK zu Glaubens-, Missions- und Bildungsfragen, in denen Vertreter der katholischen Kirche mit vollem Stimmrecht mitarbeiteten.

Dem Papst sei die Einheit der Christen ein grosses Anliegen, so Choromanski. «Wenn wir gemeinsam gehen, so müssen wir auch gemeinsam beten, miteinander und füreinander», zitierte Choromanski den Papst.

Mitgliedschaft der katholischen Kirche im ÖRK «nicht unmöglich»

Auf die Frage von kath.ch, weshalb die katholische Kirche nicht Vollmitglied beim ÖRK sei, nannte Choromanski zwei Argumente: Einerseits müsste der ÖRK ganz anders organisiert werden, wenn eine so grosse Kirche wie die römisch-katholische mit gut 1,2 Milliarden Gläubigen Mitglied würde.

Etwas umständlicher formulierte er das zweite, theologische Argument: «In der katholischen Kirche glauben wir, dass der Bischof von Rom eine besondere Verantwortung für die Einheit der Christen hat.» Die Frage nach der Position des Papstes innerhalb einer Gemeinschaft von Kirchen wie der ÖRK würde einige theologische Probleme schaffen. Dennoch hielt er fest, dass es nicht unmöglich sei, dass die katholische Kirche dereinst dem ÖRK beitreten würde. Diese Frage werde allerdings derzeit auf beiden Seiten nicht diskutiert.

Olav Fykse Tveit und Andrzej Choromanski stellen den Slogan der Papstreise vor | © Oliver Sittel

Präsentiert wurde auch das Logo des Papstbesuchs, der als «Ökumenischer Pilgerweg» unter dem Motto «Gemeinsam unterwegs sein, beten und arbeiten» steht. Die Wellen unter dem ÖRK-Logo verdeutlichten das gemeinsame  Vorwärtsgehen.

Detailprogramm ist online

Bekannt gegeben wurden auch Details zum Programm des Papstbesuchs. Dieser wird um 10 Uhr am Flughafen in Genf erwartet, um 10.30 Uhr wird er von Bundespräsident Alain Berset, Bundesrat Cassis und Nationalratspräsident Dominique de Buman begrüsst, wie einer Mitteilung des Bundes vom Dienstag zu entnehmen ist. Der Papst werde begleitet von Kardinal Kurt Koch, heisst es dort weiter.

Kapelle im Ökumenischen Zentrum des ÖRK | © Oliver Sittel

Um 11.15 Uhr findet in der Kapelle des Ökumenischen Zentrums des ÖRK ein ökumenisches Gebet mit einer kurzen Predigt des Papstes statt. Nach einem Mittagessen im Château de Bossey findet um 15.45 Uhr wiederum im Ökumenischen Zentrum des ÖRK eine Tagung statt, an der Papst Franziskus eine Rede halten wird.

Um 17.30 Uhr schliesslich die Messe in der Palexpo-Halle. Dies ist der einzige öffentliche Teil der Papstreise. Anmeldungen für die kostenlose Teilnahme an der Messe nehmen die einzelnen Pfarreien entgegen. Koordiniert werden die Anmeldungen durch die Kommunikationsstelle des Bistums LGF.

Nach der Verabschiedung durch die Bischöfe, Bundespräsident Alain Berset und Bundesrätin Doris Leuthard fliegt  der Papst um 20 Uhr zurück nach Rom.

Frühzeitig und mit ÖV anreisen

Zwei Vertreter der Kantonspolizei Genf gaben schliesslich Auskunft darüber, vor welche logistischen Probleme sie der Papstbesuch stellt. Es gelte zu bedenken, dass nebst den Menschenmassen, die an die Messe gehen möchten – die Polizei rechnet mit bis zu 50’000 Personen – auch der reguläre Pendlerverkehr und die Reisenden vom und zum Flughafen zu berücksichtigen seien.

Sicherheit und Mobilität seien daher die beiden wichtigsten Kriterien. Die Polizei empfiehlt allen Messebesuchern, nach Möglichkeit die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Diese würden gegenüber dem Privatverkehr klar priorisiert. Die Polizei empfiehlt ausserdem, auch für die Messe um 17.30 Uhr bereits am Vormittag anzureisen.

Hinweis: Interview mit Olav Fykse Tveit folgt in Kürze auf diesem Portal.

 

 

Bischof Charles Morerod  | © Oliver Sittel
Bischof Charles Morerod | © Oliver Sittel
Olav Fykse Tveit | © Oliver Sittel
Olav Fykse Tveit | © Oliver Sittel
Andrzej Choromanski  | © Oliver Sittel
Andrzej Choromanski | © Oliver Sittel

Drei Fragen an Bischof Charles Morerod

Wird es Gespräche zwischen dem Papst und der Schweizer Bischofskonferenz geben?

Charles Morerod: Nein, wir werden uns nach der Messe begrüssen und ein paar Worte wechseln, aber offizielle Gespräche sind nicht geplant.

Wie nachhaltig wird dieser Papstbesuch für die Ökumene in der Schweiz und im Bistum LGF sein?

Morerod: Das ist jetzt noch nicht ersichtlich. Wir werden sehen, was dieser Besuch langfristig für Konsequenzen hat. In Genf selber gibt es nicht viele Beziehungen zwischen dem ÖRK und den Ortskirchen. Aber natürlich werden alle sehen, dass der Papst das wichtig findet, und das kann für uns hilfreich sein.

Was bedeutet der Papstbesuch für Sie persönlich?

Morerod: Ich freue mich sehr darüber, dass der Papst nach Genf kommt. Das ist auch eine Gelegenheit für die Gläubigen, nicht nur für die Katholiken, über den eigenen Glauben nachzudenken. (sys)

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