Papst verurteilt Gewalt in Sri Lanka und ruft zum Dialog auf
Papst Franziskus fordert beim Mittagsgebet am Sonntag eine friedliche Lösung in Sri Lanka, die den Ärmsten zugutekomme. Das Land befindet sich in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 1948. Es fehlt das Geld, um das Nötigste zu importieren.
Papst Franziskus ist besorgt über die Lage in Sri Lanka. Zugleich verurteilte er am Sonntag beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz jegliche Form von Gewalt und rief zu einem Dialogprozess für das Gemeinwohl auf. «Ich fordere alle Parteien auf, eine friedliche Lösung der gegenwärtigen Krise zu suchen, die insbesondere den Ärmsten zugutekommt und die Rechte aller achtet», so der Appell des Papstes.
Präsident Gotabaya Rajapaksa geflüchtet und zurückgetreten
In Sri Lanka hatte sich in den vergangenen Tagen die wirtschaftliche und politische Krise zugespitzt. Am Freitag war der bisherige sri-lankische Premierminister Ranil Wickremesinghe vom Obersten Richter Jayantha Jayasuriya verfassungsgemäss zum Übergangspräsident ernannt worden. Zuvor hatte der bisherige Präsident Gotabaya Rajapaksa nach seiner Flucht von Singapur aus offiziell seinen Rücktritt erklärt.
Wickremesinghe bleibt voraussichtlich nur bis zur Parlamentssitzung am Mittwoch, 20. Juli im Amt, bei der ein neuer Präsident gewählt werden soll. Führende buddhistische Mönche des überwiegend buddhistischen Sri Lanka wollen eigene Kandidaten für das Amt des Präsidenten vorschlagen, wenn sich das Parlament nicht auf einen vom Volk akzeptierten Bewerber einigen kann.
Schiessbefehl gegen die Protestierenden?
Noch als Premierminister hatte Wickremesinghe nach der Flucht von Rajapaksa den Notstand über Sri Lanka verhängt. Gerüchten zufolge habe er den Sicherheitskräften einen Schiessbefehl zur Unterdrückung der landesweiten Proteste gegen die Regierung erteilt. Die Menschen protestieren wegen des Zusammenbruchs der Wirtschaft und des Finanzsystems.
Rajapaksa war nach dem Volksaufstand vom vergangenen Wochenende zunächst in einem Flugzeug der Marine auf die Malediven geflohen. Am Donnerstag bestätigte das Aussenministerium von Singapur, das Rajapaksa sich inzwischen im Stadtstaat aufhalte.
Schlimmste Wirtschaftskrise seit der Unabhängigkeit
Sri Lanka befindet sich derzeit in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit seiner Unabhängigkeit 1948. Rajapaksa und sein Clan werden beschuldigt, das Land durch wirtschaftliches Missmanagement in den Bankrott getrieben zu haben. Sri Lanka kann aufgrund fehlender Devisen keine lebenswichtigen Güter wie Nahrungsmittel, Benzin oder Medikamente für seine 22 Millionen Einwohner einführen. Schulen und andere öffentliche Einrichtungen sind seit Wochen geschlossen. (cic)
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