«Lieben heisst alles geben» in drei Sprachen ergänzt mit der Partitur der Messe «me voici» von Patrick Richard zum Westschweizer Ordenstag | © 2015 Georges Scherrer
Schweiz
«Lieben heisst alles geben» in drei Sprachen ergänzt mit der Partitur der Messe «me voici» von Patrick Richard zum Westschweizer Ordenstag | © 2015 Georges Scherrer

Wegen Nachwort: Papst glaubt, Micheline Calmy-Rey sei eine Ordensschwester!

Freiburg i. Ü, 29.1.15 (kath.ch) Papst Franziskus zeigte sich bei der Lektüre des Buches «Lieben heisst alles geben», das dank seiner Anregung in Millionauflage weltweit erscheint, sehr beeindruckt vom Glaubenszeugnis, das im Nachwort abgedruckt ist: «Die Worte von Schwester Micheline Calmy-Rey gefallen mir gut», meinte er. Buch-Initiator Daniel Pittet getraute sich nicht, den Papst beim Gespräch im Vatikan zu korrigieren und geht davon aus, dass der Pontifex bis heute nicht weiss, dass es sich bei der vermeintlichen Ordensfrau um die alt Bundesrätin aus Genf handelt.

Georges Scherrer

Das Buch «Lieben heisst alles geben» ist der grösste Coup im Leben des Freiburger Uni-Bibliothekars Daniel Pittet. 80 Ordensleute aus der Westschweiz schildern darin in kurzen Zitaten ihre Glaubenserfahrung. Papst Franziskus versetzte den Machern einen Adrenalinschub: Er schrieb das Vorwort, formulierte einen neuen Titel und forderte eine Millionenauflage für die ganze Welt.

Daniel Pittet, Präsident des Westschweizer Vereins La Vie Consacré (auf Deutsch: das geweihte Leben) und Vater von sechs Kindern, ist die treibenden Kraft hinter dem Projekt. Bereits vor zwanzig Jahren realisierte der heute 55-Jährige, der als Bibliothekar an der Universität Freiburg arbeitet, ein Buch über das Leben in Schweizer Klöstern mit dem Titel «Rencontres au monastère» (»Begegnungen im Kloster»), das 12’000 Mal über den Ladentisch ging, was einen beachtlichen Erfolg darstellte. Sein neues Buch sprengt für Schweizer Dimensionen jetzt aber alle Grenzen.

Pittet schätzt, dass «Lieben heisst alles geben» in fünf bis zehn Million Exemplaren unter die Leute kommt. Am Wochenende werden die ersten 35’000 Exemplare der Schweizer Ausgabe der Öffentlichkeit übergeben. Übersetzt wurde das Buch bereits auf Deutsch, Italienisch, Englisch, Spanisch und Polnisch. Die portugiesische Version steht vor der Vollendung. An der chinesischen und – auf ausdrücklichen Wunsch von Papst Franziskus hin, so Pittet – arabischen Version wird gearbeitet.

285’000 Exemplare sind bereits bezahlt

Das Ganze ist finanziell ein teures Unterfangen. Der Produktionspreis liegt wegen dem Entgegenkommen des Saint-Augustin-Verlags in Freiburg bei unter einem Franken pro Exemplar. Hochgerechnet auf die anvisierte Gesamtauflage gibt dies einen Produktionspreis von mindestens fünf Millionen Franken. Pittet hofft auf die Vorsehung und blickt mit ungebremstem Optimismus in die Zukunft. Das hat seinen Grund:

Am Weltjugendtag 2016 im polnischen Krakau sollen 150’000 Exemplare des Zeugnis-Buches verteilt werden. Eine betuchte Spenderin hat die Kosten übernommen. Am kommenden 12. April sollen anlässlich eines Gottesdienstes zu dem von Papst Franziskus ausgerufenen «Jahr des geweihten Lebens» 100’000 Exemplare auf dem Petersplatz gratis abgegeben werden. Auch diese Aktion ist durch Spenden sichergestellt. Die erste Schweizer Auflage ist ebenfalls bereits berappt.

Der korrigierende Papst

Die Geschichte des Buches ist einfach erzählt. Pittet gelangte im Herbst 2013 an die Generaloberin der Ursulinen in Freiburg, Anne-Véronique Rossi. Sie nahm nach einigem Zögern den Vorschlag auf, ein Buch mit Glaubenszeugnissen von Westschweizer Ordensleute zu realisieren. 1’400 Ordensfrauen und Ordensmänner wurden kontaktiert. Bis heute erreichten 400 Rückmeldungen den Verein. 80 wurden für das Buch mit dem ursprünglichen Titel «Das geweihte Leben» aussortiert. Die übrigen werden auf der Webseite des Vereins aufgeschaltet. Das Buch, welches vom Format her gut in die Hand passt, ist reich mit Bildern des Fotographen Jean-Claude Gadmer ausgestattet, die dieser in Klöstern in der ganzen Schweiz schoss.

Über Kontakte zur Schweizergarde gelangte ein Probedruck in die Hände von Papst Franziskus. Daniel Pittet reiste nach Rom. Der Papst lobte ihm gegenüber das Buch, verwarf den Titel aber als zu weltfremd. Dafür schlug er vor, das Werk mit «Lieben heisst alles geben» zu überschreiben. Zudem regte er an, das Buch in alle Welt zu verteilen. Er versprach Unterstützung und lieferte gleich mal das Vorwort.

Konkretes Leben – kein theologischer Jargon

Der Vatikan-Zeremoniar und Mitarbeiter im Staatssekretariat, Guillermo Karcher, nahm sich der Sache an, weil es zum Jahr des geweihten Lebens zwar zahlreiche Gebetsbücher, theologische Werke, Bücher, in welchen Orden vorgestellt werden, gebe, aber kein Buch mit aktuellen Glaubenszeugnissen von Ordensleuten gebe. «Lieben ist alles geben» sollte darum in die Welt hinausgehen. Um Kosten zu sparen und «weil die Post in Afrika sehr unzuverlässig arbeitet» (Pittet) soll das Buch mit Hilfe der Nuntiaturen in die verschiedenen Länder Afrikas und nach China gelangen.

Die nun publizierten, kurzen Text müssen drei Kriterien erfüllen: Keinen theologischen Jargon, die Worte von Papst Franziskus ergänzen und das konkrete Leben wiedergeben, erklärte Pittet bei einem Treffen mit dem Medien am Mittwoch in Freiburg.

«Von der Bank bis zum Bäcker»

Damit das Buch international vertrieben werden kann, brauchte es eine kompetente Beraterin. Dominique Anne Puenzieux, Direktorin des Verlagshauses Saint-Augustin SA in Freiburg, zieht die Fäden. Das Buch muss «weit über die Orden hinaus» gestreut werden, fordert sie. Das Buch wurde auf internationalen Standard gebracht. Um die Leute besser anzusprechen, sind den Zitaten lediglich die Vornamen der Ordensleute angefügt. Auch das Alter viel weg.

Der Verlag, der Ordensfrauen gehört, kam dem Verein finanziell entgegen – oder in den Worten von Puenzieux: «Ziel ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen, und nicht Gewinn zu maximieren.» Die ersten 35.000 Exemplare sind von Spendern bezahlt. Verschiedene Schweizer Orden mobilisierten Unternehmen, mit welchen sie in Verbindung stehen, «von der Bank bis zum Bäcker». Daniel Pittet ist überzeugt, dass weltweit Spender das Projekt unterstützen werden.

Natürlich wird das Buch auch verkauft. In Deutschland kommt es diesen Frühling in den Handel. Die Startauflage für Polen beträgt 1,5 Millionen Exemplare. Schwester Anne-Véronique Rossi geht davon aus, dass das Buch mit der Hilfe Gottes und des Papstes den grössten Absatz in Polen, China und Brasilien finden wird. (gs)

Nonne: So übersetzte ich «Lieben heisst alles geben»

«Ich verspüre eine riesige Freude, dass dieses Buch eine weltweite Verbreitung erfährt. Das ist faszinierend», sagt Schwester Martine Rosenberg, die ehemalige Generaloberin der Baldegger Schwestern, gegenüber kath.ch. Als grosse Verehrerin der deutschen und der französischen Sprache kam ihr die Rolle zu, das Buch ins Deutsche zu übertragen.
weiterlesen

News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum