Dominique-Marie Jean Michel David (r.), Erzbischof von Monaco, begrüsst Papst Leo XIV. am 28. März 2026 vor der Kathedrale Notre-Dame Immaculée in Monaco (Monaco).
Vatikan

Papst Leo XIV. besuchte Monaco – Predigten gegen Gier und Eitelkeit

Der Papst im Land der Millionäre: Bei seinem Besuch in Monaco sparte Leo XIV. nicht mit Appellen für soziale Gerechtigkeit und die Verantwortung der Reichen. Dem Jubel für das Kirchenoberhaupt schadete das nicht.

Christoph Schmidt und Sabine Kleyboldt

(KNA) Reichtum verpflichtet, und Geld ersetzt weder Hoffnung noch Glauben – das waren zentrale Botschaften von Papst Leo XIV. während seines Besuchs in Monaco.

Fürst Albert II. von Monaco empfängt Papst Leo XIV. am 28. März 2026 bei seiner Ankunft auf dem Flughafen in Monaco (Monaco).
Fürst Albert II. von Monaco empfängt Papst Leo XIV. am 28. März 2026 bei seiner Ankunft auf dem Flughafen in Monaco (Monaco).

Rund neun Stunden hielt sich das Oberhaupt der katholischen Kirche am Samstag in dem Fürstentum am Mittelmeer auf. Das zweitkleinste Land der Welt nach dem Vatikan ist zugleich das wohl wohlhabendste – jeder dritte Einwohner ist Millionär. Mehr als 80 Prozent der 38.500 Monegassen sind ausserdem katholisch, angefangen mit der Fürstenfamilie der Grimaldis.

Papst Leo XIV. posiert für ein Gruppenbild mit Geistlichen am 28. März 2026 bei einer Begegnung mit der katholischen Gemeinde in der Kathedrale Notre-Dame Immaculée in Monaco (Monaco).
Papst Leo XIV. posiert für ein Gruppenbild mit Geistlichen am 28. März 2026 bei einer Begegnung mit der katholischen Gemeinde in der Kathedrale Notre-Dame Immaculée in Monaco (Monaco).

Von Rom mit dem Hubschauber

Am Morgen landete der Papst mit dem Hubschrauber aus Rom. Nach der Begrüssung durch Fürst Albert II., Fürstin Charlène und ihre Kinder Gabriella und Jacques war er im Palast empfangen worden. Nach einer privaten Unterredung der beiden Staatsoberhäupter traten sie auf den Balkon.

Prinzessin Gabriella von Monaco (l.), Tochter von Fürstin Charlène und Fürst Albert II. (im Hintergrund), begrüsst Papst Leo XIV. am 28. März 2026 in Monaco mit einem höfischen Knicks (Monaco).
Prinzessin Gabriella von Monaco (l.), Tochter von Fürstin Charlène und Fürst Albert II. (im Hintergrund), begrüsst Papst Leo XIV. am 28. März 2026 in Monaco mit einem höfischen Knicks (Monaco).

Vor einer jubelnden Menge dankte Albert dem Papst für seinen Besuch und würdigte die jahrhundertelangen Beziehungen des Fürstentums zur katholischen Kirche. Monaco zählt zu den wenigen Ländern, in denen der katholische Glaube Staatsreligion ist.

Wohlstand muss Gerechtigkeit schaffen

Anschliessend wandte sich Leo XIV. auf Französisch an die jubelnde Menge: Ein lebendiges geistliches Erbe verpflichte die Menschen in Monaco, ihren Wohlstand für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen. Dies gelte besonders in einem Moment der Geschichte, «in dem die Zurschaustellung von Macht und die Logik des Machtmissbrauchs der Welt Schaden zufügen und den Frieden gefährden».

Ein Mann hält ein Baby über die Absperrung vor Papst Leo XIV., bei einer Begegnung mit Jugendlichen am 28. März 2026 in Monaco (Monaco).
Ein Mann hält ein Baby über die Absperrung vor Papst Leo XIV., bei einer Begegnung mit Jugendlichen am 28. März 2026 in Monaco (Monaco).

Die vielfältige Zusammensetzung der Bevölkerung aus rund 150 Nationen mache Monaco zu einem Mikrokosmos, zu dessen Wohlergehen eine lebendige Minderheit Einheimischer und eine Mehrheit von Bürgern aus anderen Ländern der Welt beitrügen, lobte er aber auch. Viele hätten einflussreiche Positionen im Wirtschafts- und Finanzbereich. «Hier zu leben, stellt für einige ein Privileg dar und für alle eine besondere Aufforderung, sich nach dem eigenen Platz in der Welt zu fragen», unterstrich der Papst. «In Gottes Augen empfängt man nichts ohne Grund!»

Ein Reich von Brüdern und Schwestern

Der katholische Glaube, den Monaco als eines der wenigen Länder der Welt als Staatsreligion habe, verpflichte Christen dazu, «in der Welt ein Reich von Brüdern und Schwestern zu bilden, nicht zu unterdrücken, sondern aufzurichten, nicht zu trennen, sondern zu verbinden».

Papst Leo XIV. mit Ordensschwestern beim Gottesdienst am 28. März 2026 im Stadion Louis II. in Monaco (Monaco).
Papst Leo XIV. mit Ordensschwestern beim Gottesdienst am 28. März 2026 im Stadion Louis II. in Monaco (Monaco).

Bei einer Begegnung mit Katholiken in der Kathedrale Notre-Dame Immaculée sprach der Papst auch das Thema Lebensrecht an. «Bringt allen das Licht des Evangeliums, damit das Leben jedes Mannes und jeder Frau von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende verteidigt und gefördert wird.»

Gegen Verlockungen des Internets

Bei seiner dritten Station, die Leo im offenen Papamobil entlang tausender Menschen an den Strassen erreichte, warnte er in der Kirche Sainte-Dévote vor rund 3.000 Jugendlichen – jeder Vierte in Monaco ist unter 25 Jahre alt – vor oberflächlichen Beziehungen und trügerischen Verlockungen des Internets.

Papst Leo XIV. steht im Papamobil und hält ein Kind im Arm, am 28. März 2026 in Monaco (Monaco).
Papst Leo XIV. steht im Papamobil und hält ein Kind im Arm, am 28. März 2026 in Monaco (Monaco).

Nur durch die Liebe zu Gott und den Mitmenschen finde man Frieden und fülle sich die innere Leere, «nicht mit materiellen und vergänglichen Dingen, auch nicht mit der virtuellen Zustimmung Tausender von ‘Likes’ oder mit konditionierenden, künstlichen, manchmal sogar gewalttätigen Zugehörigkeiten.»

Messe mit 15’000 Teilnehmern

Höhepunkt des Tagesbesuchs war eine Messe im Stadion des AS Monaco. Nach einer ausgiebigen Runde mit dem Golfcart zur Begrüssung der rund 15’000 Besucher rief der Papst dazu auf, sich von «Götzen» zu befreien: «vom Reichtum, der zur Gier verkommen ist, von der Schönheit, die zur Eitelkeit verzerrt wurde». Stattdessen erlöse Barmherzigkeit die Menschheit.

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Neben einem Appell für den Frieden in der Welt unterstrich Leo auch im Stade Louis II den Lebensschutz. Das ungeborene und hilfsbedürftige Leben gelte es stets anzunehmen und zu umsorgen. Gegen 17.30 Uhr sollte der Papst seinen Helikopterrückflug in den Vatikan antreten, wo er gegen 19.45 Uhr erwartet wurde. Am nächsten Tag beginnen mit dem Palmsonntag die Feierlichkeiten zur Karwoche, die für Leo XIV. zahlreiche Termine bereithalten.


Dominique-Marie Jean Michel David (r.), Erzbischof von Monaco, begrüsst Papst Leo XIV. am 28. März 2026 vor der Kathedrale Notre-Dame Immaculée in Monaco (Monaco). | © KNA
29. März 2026 | 09:00
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