Der Petersplatz in Rom hat eine enorme Anziehungskraft: Hier bei der Eröffnungsfeier der Weltsynode
Vatikan

Papst: «Gott legt uns die Hoffnungen eines grossen Volkes in die Hände»

Papst Franziskus bezog sich an der Eröffnungsfeier der Weltsynode auf den aktuellen Gedenktag des Heiligen Schutzengels. Und ermahnte die Synodenteilnehmenden zu einer respektvollen, demütigen Suche nach neuen Wegen für die Kirche.

Regula Pfeifer

«Wir feiern die Eucharistie und erinnern uns, dass wir der Barmherzigkeit Gottes bedürftig sind.» Mit diesen Worten begann Papst Franziskus die Eröffnungsfeier auf dem Petersplatz. Er sass weit vorne auf einer Bühne vor dem Petersdom – kaum sichtbar mit blossem Auge. Nahe kam er den Menschen nur dank den riesengrossen Bildschirmen an den Seiten des Petersplatzes.

Dieser war voll besetzt mit Menschen, mehrere tausend waren da. Viele von ihnen zückten das Handy, um möglichst viel aufzunehmen, was da geschah. Viel Spanisch und Englisch war zu hören. Sie hatten alle eine der vielen Sicherheitsschleusen passiert. Und – wie am Flughafen – ihr Gepäck und sich selbst scannen lassen.

Papst Franziskus am Eröffnungsgottesdienst der Weltsynode, 2. Oktober 2024
Papst Franziskus am Eröffnungsgottesdienst der Weltsynode, 2. Oktober 2024

«Wir feiern diese Eucharistie am liturgischen Gedenktag der heiligen Schutzengel und eröffnen damit wieder die Vollversammlung der Bischofssynode», sagte der Papst nach einigen Liedern.

«Stimme des Engels» hören

Und er sprach von der Stimme des Engels. Gott habe dem Volk auf dem Weg ins Gelobte Land geraten, die «Stimme des Engels» zu hören, den er gesandt hat (Ex 23,20-22). «Es ist ein Bild, das uns sehr berührt», so der Papst. «Denn auch die Synode ist ein Weg, bei dem der Herr uns die Geschichte, die Träume und die Hoffnungen eines grossen Volkes in die Hände legt.» Mit den Schwestern und Brüdern auf der ganzen Welt gelte es herauszufinden, «welchen Weg wir gehen müssen, um dorthin zu gelangen, wohin der Herr uns führen will».

«Wie aber können wir auf die ‹Stimme des Engels› hören?», fragte Franziskus rhetorisch und antwortete gleich selbst: «Ein Weg ist sicherlich der, sich mit Respekt und Aufmerksamkeit, im Gebet und im Licht des Wortes Gottes, all den Beiträgen zu nähern, die in diesen drei Jahren intensiver Arbeit, des Austauschs, der Aussprache und des geduldigen Bemühens um die Läuterung von Geist und Herz gesammelt wurden.» Es gehe dabei darum, mit Hilfe des Heiligen Geistes gemeinsam die Stimme Gottes zu erkennen, die zur Kirche spreche. Dies aus all den Ideen, Erwartungen und Vorschlägen, die im synodalen Prozess geäussert wurden.

Priester an der Eröffnungsfeier der Weltsynode auf dem Petersplatz.
Priester an der Eröffnungsfeier der Weltsynode auf dem Petersplatz.

Dabei ermahnte das Oberhaupt der Kirche die Teilnehmenden der Weltsynode konkret: «Hüten wir uns davor, aus unseren Beiträgen zu verteidigende Positionen oder durchzusetzende Agenden zu machen.» Vielmehr sollten die eigenen Beträge als Gaben angeboten werden. Dabei brauche es auch «die Bereitschaft, das Eigene zu opfern, wenn dies dazu dienen kann, gemeinsam etwas Neues nach Gottes Plan ins Leben zu rufen».

Achtung vor Dialog zwischen Tauben

Das sei notwendig. «Andernfalls enden wir in Dialogen zwischen Tauben, in denen jeder versucht, ‹Wasser auf die eigene Mühle zu leiten›, ohne auf die anderen und vor allem ohne auf die Stimme des Herrn zu hören», mahnte Franziskus.

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Dann äusserte er sich zu den Flügeln des Schutzengels. Flügel könnten einerseits einen Körper zum abheben bringen, andererseits seien sie ein Symbol der Zuflucht. So gebe es wohl Synodenteilnehmende, die mit Ideen brillierten, und dazu zu Offenheit anspornten. Doch auch sie sollten sich wieder entspannen und bereit zu Freundschaft und Umarmung sein.  

«Jeder wird sich hier frei fühlen, sich umso spontaner und freier zu äussern, je mehr er um sich herum die Gegenwart von Freunden wahrnimmt, die ihn gernhaben und respektieren, die ihn schätzen und dem zuhören wollen, was er zu sagen hat», so der Papst. Die Kirche brauche «friedliche und offene Orte», die vor allem in den Herzen geschaffen werden müssten, wo sich jeder Mensch angenommen fühle.

Junge Menschen auf der Bühne neben dem Papst
Junge Menschen auf der Bühne neben dem Papst

Ein Paradox

In der Weltsynode existiere ein Paradox, so der Papst. «Die Synode verlangt von uns angesichts ihrer Bedeutung in gewisser Weise, ‹gross› zu sein – im Geist, im Herzen, in den Ansichten.» Denn die da behandelten Themen sowie Zusammenhänge seien ‹gross› bis universell.

Genau deshalb gehe es darum, die Worte Jesu nicht zu vergessen. Dieser hatte das Kind «in die Mitte» gestellt, es zeigt es den Jüngern gezeigt und sie eingeladen, sich zu bekehren und klein zu werden wie dieses Kind. Das heisse, so der Papst, «dass wir der uns anvertrauten Aufgabe nur dann gewachsen sein werden, wenn wir uns klein machen und uns einander demütig als solche annehmen».

Kommunion auf dem Petersplatz
Kommunion auf dem Petersplatz

«Bitten wir also den Herrn in dieser Eucharistiefeier, er möge uns gewähren, dass wir die vor uns liegenden Tage im Zeichen des Zuhörens, der gegenseitigen Fürsorge und der Demut verbringen», schloss der Papst.

Schweizer Delegierte applaudiert

Als er gegen Ende mit dem Papstmobil durch die Gänge fährt, erschallt da und dort ein plötzliches Rufen und Klatschen. Darunter eine begeisterte Delegierte aus der Schweiz: Helena Jeppesen-Spuhler, wie auf dem Bildschirm unverhofft zu sehen ist.


Der Petersplatz in Rom hat eine enorme Anziehungskraft: Hier bei der Eröffnungsfeier der Weltsynode | © Regula Pfeifer
2. Oktober 2024 | 17:00
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