Menschen stehen dicht gedrängt am Strassenrand und begrüssen Papst Leo XIV. am 15. April 2026 in Yaoundé (Kamerun). Sie halten ein Banner im Zeichen von Frieden in Kamerun.
Vatikan

Ordensfrau erwartet klare Worte des Papstes an Kameruns Präsident

Eine einmalige Chance für den englischsprachigen Teil Kameruns: Der Papstbesuch macht auf die schwere Vertreibungskrise aufmerksam, unter der die dortige Bevölkerung seit zehn Jahren leidet. Das sind die Erwartungen. Kamerun war lange ein Hort der Stabilität in Westafrika. Doch Sprachen-, Regional- und Religionskonflikte sorgen seit einigen Jahren für Unruhe in der einstigen deutschen Kolonie. Nun tritt der Papst als Friedensbote auf.

Katrin Gaensler

(KNA/CIC) Vor dem Besuch von Papst Leo XIV. im englischsprachigen Teil Kameruns am Donnerstagvormittag setzt die dortige Bevölkerung auf eine klare Botschaft des Kirchenoberhaupts. «Ich wünsche mir, dass er über Gerechtigkeit spricht», sagte die katholische Ordensfrau Jackie Atabong. Ohne Gerechtigkeit gebe es weder Versöhnung noch Frieden. Leo wird am Vormittag in der Stadt Bamenda erwartet, wo ein Treffen mit der lokalen Bevölkerung geplant ist.

Kinder hören Papst Leo XIV. zu, bei dessen Besuch im Waisenhaus Ngul Zamba am 15. April 2026 in Yaoundé (Kamerun).
Kinder hören Papst Leo XIV. zu, bei dessen Besuch im Waisenhaus Ngul Zamba am 15. April 2026 in Yaoundé (Kamerun).

Einerseits hofft die Ordensfrau, dass der Papst mit seinen Worten die notleidende Bevölkerung erreicht und tröstet. Viele Menschen würden sich ungerecht behandelt fühlen.

Worte des Papstes gelten als einflussreich

Andererseits wünscht sich Atabong eine klare Botschaft an die Machthabenden. In Kamerun steht Paul Biya (93) seit 1982 an der Staatsspitze. «Was der Papst sagt, wird von den meisten Menschen sehr ernst genommen», so Atabong. Sie kritisierte vor allem die Vernachlässigung der Region. Nur wegen der Papstreise habe es ein paar Reparaturen gegeben. «Das ist aber blosse Kosmetik.» Man wolle den Eindruck erwecken, dass alles in Ordnung sei. Tatsächlich erlebt der anglophone Teil seit 2016 eine schwere Krise.

Paul Biya, Staatspräsident von Kamerun, und seine Ehefrau Chantal Biya empfangen Papst Leo XIV. am 15. April 2026 im Präsidentenpalast in Yaoundé (Kamerun).
Paul Biya, Staatspräsident von Kamerun, und seine Ehefrau Chantal Biya empfangen Papst Leo XIV. am 15. April 2026 im Präsidentenpalast in Yaoundé (Kamerun).

Bereits seit Jahrzehnten fühlt sich die Bevölkerung dort von der Regierung in der Hauptstadt Yaoundé marginalisiert. Bewohner kritisierten etwa, dass sie – obwohl das Land mit Französisch und Englisch zwei Amtssprachen hat – schlechtere Chancen bei Bewerbungen hätten. Proteste brachen schliesslich aus, als Französisch als einzige offizielle Schul- und Justizsprache eingeführt werden sollte.

Über Jahre lieferten sich Separatistenbewegungen Kämpfe mit Sicherheitskräften der Regierung. Menschenrechtsverletzungen gehen von beiden Seiten aus. Von der unsicheren Lage profitieren heute vielfach kriminelle Banden. Nach UN-Angaben sind in der Region knapp 500’000 Menschen vertrieben.

Gottesdienst auf dem Flughafen

Am vierten Tag seiner Afrikareise besucht Papst Leo XIV. in Kamerun eine von internen Konflikten geprägte Zone des Landes. In Bamenda im Nordwesten nimmt der Papst an einem ökumenischen und interreligiösen Treffen teil und wird nach einem protestantischen und einem muslimischen Würdenträger eine Rede halten.

Eine Frau überreicht Papst Leo XIV. einen Blumenstrauss am 15. April 2026 bei der Willkommenszeremonie für den Papst auf dem Flughafen in Yaoundé (Kamerun).
Eine Frau überreicht Papst Leo XIV. einen Blumenstrauss am 15. April 2026 bei der Willkommenszeremonie für den Papst auf dem Flughafen in Yaoundé (Kamerun).

Am Nachmittag wird der Papst am Flughafen von Bamenga eine Messe unter freiem Himmel feiern und in englischer Sprache predigen. Der Regionalkonflikt zwischen englischsprachigen und französischsprachigen Provinzen ist neben religiösen Spannungen zwischen Muslimen und Christen ein Grund für innenpolitische Konflikte in dem westafrikanischen Land. Kamerun war in den vergangenen Jahrhunderten erst eine deutsche und später teils eine britische und teils eine französische Kolonie.

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Nach seinem Abstecher in den englischsprachigen Nordwesten wird der Papst am Donnerstagabend in der Hauptstadt Yaoundé zurückerwartet. Am Freitag fliegt er weiter in die im Westen gelegene Metropole Douala. Danach stehen mit Angola und Äquatorialguinea zwei weitere afrikanische Länder auf der Route der bislang längsten Auslandsreise von Papst Leo XIV.

Papst kauft Kette für seine Nichte

Während seiner Afrikareise kaufte Leo XIV. in Algerien eine Halskette für seine Nichte, Tochter seines ältesten Bruders Louis. Am Stand einer Frauengruppe wählte er eine handgefertigte Kette aus Kupfer und Koralle, wie ein von einer Kunsthandwerkerin veröffentlichtes Instagram-Video zeigt.

In der Szene im Haus der Augustinerinnen in Bab El Oued, über die Vatican News am Donnerstag berichtete, sind auch Frauen mit muslimischem Kopftuch (Hidschab) zu sehen. Der Anhänger des Schmuckstücks zeigt den «Baum des Lebens».

Das Video zeigt, wie sich Leo im Zentrum der Augustiner-Schwestern mit einer Projekt-Verantwortlichen berät, das er am Montag in Algier besuchte. «Was bedeutet dieses Kunstwerk?», fragte der Papst. «Der Baum des Lebens», antwortete die Frau auf Spanisch, «aber ohne die passenden Ohrringe.» «Nein, das ist nicht für mich. Ich werde es meiner Nichte schenken», entgegnete der Papst. «Haben Sie eine Schachtel dafür?» (CIC)

*https://www.instagram.com/reels/DXF1HrLjx16


Menschen stehen dicht gedrängt am Strassenrand und begrüssen Papst Leo XIV. am 15. April 2026 in Yaoundé (Kamerun). Sie halten ein Banner im Zeichen von Frieden in Kamerun. | © KNA
16. April 2026 | 10:30
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