Mehr als 19 Kleiderstücke im Schrank? | © pixabay.com CC0
Schweiz
Mehr als 19 Kleiderstücke im Schrank? | © pixabay.com CC0

Nur noch 19 Kleidungsstücke im Schrank

Luzern, 18.2.18 (kath.ch) Die Fastenzeit lädt dazu ein, den eigenen Konsum zu überdenken und zeitweise auf etwas zu verzichten. Vom Reiz des Verzichtens erzählt Rita Gemperle*, Verantwortliche Pastoral und Sensibilisierung beim Hilfswerk «Fastenopfer», in ihrer Kolumne zur Fastenzeit.

Mimi Polyakova ist 28 Jahre alt und Minimalistin. Die Studentin hat ihre Wohnung ausgemistet und besitzt nur noch das, was sie wirklich braucht. In ihrem Kleiderschrank hängen 19 Kleidungsstücke, ohne Unterwäsche und Socken. Das ist etwa ein Fünftel der Kleider, die eine Person in der Schweiz durchschnittlich besitzt. Auf YouTube erzählt sie als «minimalmimi» vom massvollen Lebensstil, der sie glücklich macht. 70’000 Interessierte folgen ihren Videos.

Ich selber bin noch nicht ganz bei 19 Kleidungsstücken im Schrank. Als wir jedoch vor einiger Zeit zu viert von einem 6-Zimmer-Haus in eine 4,5-Zimmer-Wohnung umgezogen sind, habe ich mich von etwa der Hälfte unseres Hab und Gutes getrennt. Ich geniesse seither die Übersichtlichkeit in den Schränken und die Leichtigkeit, die damit verbunden ist. Und ich freue mich daran, dass ich beim neuen Mass geblieben bin!

Weniger ist das neue Viel.

«Ein neues Mass finden» ist das Stichwort. Bewusst weniger konsumieren. In unserer konsum- und überflussgeprägten Welt ist diese neue Achtsamkeit für viele zu einem reizvollen Thema geworden. Redewendungen wie «Weniger ist mehr» oder «Weniger ist das neue Viel» bringen zum Ausdruck, dass Reduzieren und Minimieren als Gewinn erlebt werden kann. Der traditionelle Wert Verzicht ist salonfähig geworden und hat sein verstaubtes Image verloren.

Was brauche ich wirklich für ein erfülltes Leben?

Viele Menschen nutzen die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern, um auf Schokolade, Alkohol oder Süssigkeiten zu verzichten.  Sie machen für eine begrenzte Zeit etwas anders als gewohnt. Für mich sind solche Zeiten des Verzichtens, insbesondere Fastenwochen mit vollständigem Nahrungsverzicht, mehr als blosse Verzichtübungen. Sie bieten die Chance, mir neu bewusst zu werden, was ich für ein erfülltes Leben wirklich brauche – und was nicht oder nicht mehr. Gut, dass mich die Fastenzeit jedes Jahr neu zum Verzichten motiviert – in welcher Form auch immer.

* «Für eine Welt, in der alle genug zum Leben haben»: Die Ökumenische Kampagne von «Fastenopfer» und «Brot für alle» macht auf Initiativen und Bewegungen aufmerksam, die einen ressourcenschonenden, massvollen Lebensstil anstreben. Während der Fastenzeit schreiben Mitarbeiter von Fastenopfer über ihre persönlichen Erfahrungen in solchen Bewegungen oder zum Thema Wertewandel.

 

Rita Gemperle | © zVg
Rita Gemperle | © zVg
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