Plakat einer Demo gegen den Umgang der deutschen Bischöfe mit sexuellen Missbräuchen | © KNA
Schweiz
Plakat einer Demo gegen den Umgang der deutschen Bischöfe mit sexuellen Missbräuchen | © KNA

Nulltoleranz – mehr als ein geflügeltes Wort

Zürich, 17.9.18 (kath.ch) Eine katholische Behörde wählt einen wegen sexuellen Übergriffen vorbestraften Priester. Der Bischof von Basel, Felix Gmür, erteilt die Erlaubnis, diesen erneut als Pfarrer einzusetzen. In einer Zeit, in der die katholische Kirchenleitung selbst von «Nulltoleranz» spricht, kann dies nur befremden, schreibt kath.ch-Redaktor Martin Spilker im Kommentar.

Wenn heute die katholische Kirche irgendwo zur Sprache kommt, ist das Risiko gross, dass dies in Zusammenhang mit Missbrauchsfällen durch Kleriker oder andere kirchliche Mitarbeiter erfolgt. Jahrelang wurde weggeschaut, wurden Verantwortungsträger gedeckt und damit die Glaubwürdigkeit der Kirche infrage gestellt.

In den vergangenen Jahren hat sich dies glücklicherweise geändert. Die Schweizer Bischofskonferenz hat erst gerade an ihrer letzten Versammlung den Umgang mit sexuellen Straftätern im kirchlichen Umfeld verschärft und eine Anzeigepflicht eingeführt.

Sexualstraftäter haben in der Seelsorge nichts mehr verloren.

Dass der Bischof von Basel und künftige Präsident der Schweizer Bischofskonferenz Felix Gmür nun einem wegen sexuellem Missbrauch vorbestraften Priester die Wahlfähigkeit als Pfarrer wieder zuspricht, ist unverständlich. Von Nulltoleranz ist bei diesem Entscheid jedenfalls nichts erkennbar. Denn so, wie sich die Schweizer Bischöfe bislang äusserten, haben Sexualstraftäter in der Seelsorge nichts mehr verloren.

Aber auch die Pfarrwahlkommission von Riehen muss sich diesen Fragen stellen. Die zuständigen Behördenmitglieder stehen schliesslich ebenso in der Verantwortung, da auch sie die Vorgeschichte des Geistlichen kennen. Und auch sie  müssen als Teil der katholischen Kirche aus der Geschichte lernen und entsprechende Konsequenzen ziehen.

«Nulltoleranz» muss in Taten sichtbar werden.

Selbstverständlich sollen Menschen mit verbüsster Strafe eine neue Chance bekommen. Aber in der Kirche gäbe es für einen Priester ja noch eine ganze Reihe anderer Einsatzmöglichkeiten. Das gehört ebenfalls zur Aufarbeitung der Missbrauchsskandale.

Es befremdet aber vor allem die Art und Weise, wie es zu dieser Pfarrwahl eines vorbestraften Sexualtäters gekommen ist. Und die erst auf Druck veröffentlichten Erklärungen dazu zeigen: Nulltoleranz ist ein geflügeltes Wort. Die Umsetzung muss in Taten sichtbar werden.

Bischof von Basel bestätigt die Pfarrwahl eines ehemals Verurteilten

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