Mit Mönchsvater Benedikt zum Friedensboten werden
In unsicheren Zeiten vom Frieden predigen? Abt Johannes Eckert wagt es in einem Buch – und beruft sich dabei auf den Ordensgründer Benedikt von Nursia. Der habe auch den Menschen heute noch viel zu sagen.
Barbara Just
(KNA) «Frieden ist möglich» – ganz schön mutig, wer sich in Zeiten wie diesen traut, das Anfangs-Kapitel seines neuen Buches unter dieses Motto zu stellen. Und nicht nur das: Der Abt von Sankt Bonifaz-München und Kloster Andechs, Johannes Eckert, hat sogar das ganze 190 Seiten starke Werk mit dem Psalm «Suche Frieden und jage ihm nach» überschrieben. Frieden habe man nun mal nicht, man könne ihn nicht besitzen, räumt der Ordensmann freimütig ein.
1500 Jahre alte Regel
Dieser verlange Einsatz, ja Arbeit. «Immer wieder muss er neu geschaffen oder ausgehandelt werden.» Für den Benediktiner lohnt es sich, dazu beim Ordensgründer, dem heiligen Benedikt von Nursia, nachzuschlagen. Seine mehr als 1’500 Jahre alte Regel bildet das Grundgerüst für ein gelingendes Zusammenleben von Mönchen.
Benedikt kennt die menschlichen Schwächen nur zu gut: Mit Strenge und Barmherzigkeit, vor allem aber mit dem Prinzip des Masshaltens gibt er einen erfolgreichen Führungsstil vor. In seiner im Jahr 2000 veröffentlichten Doktorarbeit hat Eckert bereits aufgezeigt, wie damit selbst Manager eine erfolgreiche Unternehmenskultur etablieren können. Seither wird die Benediktsregel auch ausserhalb der Klostermauern geschätzt; entsprechende Seminare sind nach wie vor gefragt.
Von Monte Cassino blieb nicht viel
«Pax» ist das lateinische Wort für Frieden. Es stand auch auf dem Torbogen der Klosterpforte von Monte Cassino, wie der Abt erinnert. Der Torbogen war auch das einzige, was von der benediktinischen Mutterabtei übrig blieb, alles andere zerstörten die Alliierten im Zweiten Weltkrieg 1944. In der Benediktsregel findet sich das Wort übrigens nur an sechs Stellen.
Das ist nicht gerade viel. Aber man sollte sich nicht täuschen. Allein wie Benedikt Probleme löst, verblüfft. Als ihn andere vergiften oder betrügen wollen, fängt er nicht an zu toben, sondern überrascht mit seiner Reaktion stets aufs Neue. Selbst mächtige Heiden wie den ostgotischen König Totila versteht er für sich einzunehmen. Dabei bleibt er ein Lernender und Zuhörender.
Benediktinische Gedankenwelt
Wie einen Novizen nimmt einen der Abt an die Hand und führt den Leser hinein in diese benediktinische Gedankenwelt. Dabei dienen vor allem die Legenden um den Mönchsvater, die Papst Gregor der Grosse in seinem «Zweiten Buch der Dialoge» niedergeschrieben hat, als Grundlage. «Durch das Mass zum Frieden finden» sei eine Erfahrung, die nicht nur Benedikt selbst, sondern auch dieser Papst wohl gemacht habe, führt Eckert an. Das Frappierende: Auch Gregor lebte in einer Zeitenwende. Eine Krise folgte der nächsten, instabil war die Weltordnung geworden, so wie es heute wieder der Fall ist.
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