Schweiz

Mit 1000 Bällen in der Luzerner Hofkirche der Reformation gedenken

Luzern, 5.8.17 (kath.ch) In einer katholischen Kirche des Reformationsjubiläums gedenken. Unmöglich? Nein, das wird in der Hofkirche Luzern seit dem 2. August für zwei Wochen lang gemacht. Mit der Kunstausstellung «Atemwolken» des Künstlers Micha Aregger wird ökumenisch der Reformation und Gottes gedacht.

Francesca Trento

Tausend «leicht durchsichtig schimmernde» Bälle wandern seit Pfingsten durch die reformierten Kirchen Luzerns. Die sogenannte «Atemluftinstallation» des Künstlers Micha Aregger soll den Atem Gottes darstellen, wie Köppli gegenüber kath.ch erklärt. «Das ist der erste Atem, hebräisch Ruach, den uns Gott bei der Schöpfung einhauchte. Mit diesem Atem gestalten wir Menschen als Ebenbild Gottes die Welt mit.» Daran soll erinnert werden.

Auf dem Weg von der Matthäuskirche zur Hofkirche | © Daniel Lay

Der Atem Gottes in tausend Bällen

Speziell sei aber auch die Entstehung der Bälle. Sowohl reformierte wie auch katholische Menschen hätten die Bälle mit ihrem eigenen Atem während mehreren Aktionen aufgeblasen. «Das ist Ausdruck von gelebter Ökumene», so Köppli.

«Die Reformation hat die Gnade wiederentdeckt». Davon ist nicht nur der Marcel Köppli, Pfarrer der reformierten Matthäuskirche in Luzern-Würzenbach, überzeugt. Auch der Theologe Florian Flohr, Projektleiter der katholischen Kirche Kanton Luzern, der das Projekt «Kunst zur Reformation» mitinitieert hat, findet, die katholische Kirche sei ebenso für vieles dankbar, was die Reformation gelehrt hat.

Katholiken sind für die Reformation ebenso dankbar.

Die Gnade, die durch die Reformation neuentdeckt wurde, sei in dieser Ausstellung besonders spürbar, ergänzt Flohr: «Obschon wir  ‘Ebendbild Gottes’ sind, wissen wir, dass wir stets von seiner Gnade abhängig sein werden». Weder «gute Werke» noch ein «Ablass» würden den Menschen schlussendlich erlösen. Dieses Denken sei durch die Reformation wieder geweckt worden, so Flohr. «Dafür sind wir Katholiken dankbar.»

Ökumene hoch zwei

Dass das Luzerner Kunstprojekt zur Reformation mit der Hofkirche Luzern nun auch zwei Wochen in einer katholische Kirche gastiert, freut beide. Dies sei ein wahres Zeichen von Ökumene, sind sie überzeugt. Die Hofkirche biete sich mit ihrer Grösse und der bekannten Orgel sehr für einen Posten der Ausstellung an, so Flohr weiter.

1000 Bälle in der Hofkirche, Aufbau der Installation  | © Daniel Lay

Die Vernissage

Nachdem die Bälle unter Mitwirkung vieler Freiwilliger, darunter auch Flüchtlinge, in einer Prozession durch die Luzerner Innenstadt von der reformierten Matthäus- zur katholischen Hofkirche getragen worden waren, wurde die Installation dort am Samstag mit einer Vernissage eröffnet. Ein Teil der Bälle ist am Eingangsportal der Kirche, ein weiterer Teil an der Decke im Kircheninnern zu sehen. «An der Decke liegen die Bälle unter dem Fernwerk (Dachboden) der Gewitterorgel», erklärt Flohr.

Hinweis: Die Installation ist noch bis am 16. August zwischen 7 und 19 Uhr in der Hofkirche Luzern zu besichtigen.

Kunstausstellung «Atemwolken» am Portal der Luzerner Hofkirche | © Florian Flohr
6. August 2017 | 11:00
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Das Potenzial der reformierten Kirchen

Die Vernissage in der Luzerner Hofkirche besucht auch der Journalist und Theologe Remo Wiegand, der sich als Kritiker von Gottesdiensten einen Namen gemacht hat. Ihn hat vor allem die Prozession der Bälle durch die Luzerner Innenstadt begeistert. «Wow, die Reformierten machen eine Prozession!», so Wiegand gegenüber kath.ch. Und was für eine: Sie sei wilder, bunter, ungewohnter als katholische Prozessionen. «Das ist das Potenzial der reformierten Kirchen, das sie zu den Katholiken tragen. Ich wünsche mir mehr davon!»

Die Installation in der Hofkirche weckt bei ihm zweierlei Assoziationen: «Ich denke einerseits an Froschlaich, also an etwas Lebendiges, an Lebenskraft.» Andererseits wirken die Bälle auf ihn wie flüchtiger Schaum. «Die Kirche hat letztlich beide Potenziale, das Lebensfördernde und das wenig Nachhaltige, Wichtigtuerische. Die Installation führt einem diese Ambivalenz vor Augen. Eine Ambivalenz, die auch jeder Einzelne in sich trägt.» (sys)