Ein Schild weist den Weg zum Haupteingang von missio, Internationales Katholisches Missionswerk, in Aachen
International

Missio weist Vorwürfe zum Umgang mit Spenden zurück

Am Sonntag wird die Missio-Gründerin Pauline Jaricot seliggesprochen. Ein Bericht des Magazins «Der Spiegel» verdirbt dem Hilfswerk Missio in Aachen die Festlaune. Nun reagiert das Hilfswerk auf verschiedene Vorwürfe.

Das deutsche katholische Hilfswerk Missio weist in einem Bericht des «Spiegel» erhobene Vorwürfe über den Umgang mit Spendenmitteln zurück. In dem Artikel wird kritisiert, dass ein grosser Teil der Einnahmen in Deutschland bleibe.

«Bewusstseins- und Bildungsarbeit» im Inland

«Tatsächlich bleibt ein grosser Batzen dort hängen, wo die Not am kleinsten ist: in Deutschland und in der tipptopp renovierten Missio-Zentrale», schreibt der «Spiegel». Zudem werden dem Hilfswerk ein «aufgeblähterPersonalapparat» in Deutschland und «kreative Buchführung» vorgehalten. In der Kritik steht auch die Rolle eines Fördervereins. Der «Spiegel» beruft sich auf interne Papiere von Missio mit Sitz in Aachen.

In einer Stellungnahme auf der Website von Missio Aachen heisst es, dass Projekte im Ausland und zugleich Projekte in Deutschland finanziell gefördert würden. Das Hilfswerk mobilisiere durch «Bewusstseins- und Bildungsarbeit, Menschenrechtslobbyarbeit und Kampagnen in Deutschland möglichst viele Menschen, die sich für die Verbesserung der Lebensverhältnisse in Afrika, Asien und Ozeanien einsetzen». 

Letzte Renovierung in den 1990er-Jahren

Als Beispiel wurde der Missio-Truck «Menschen auf der Flucht» genannt, der Schüler für die Situation von Geflüchteten sensibilisieren solle.

Mit Verweis auf das Zitat der «tipptopp renovierten Missio-Zentrale» erklärt das Hilfswerk, die jüngste Grundrenovierung habe in den 1990er-Jahren stattgefunden. «Seitdem wurden das Dach erneuert und eine Solaranlage installiert.»

100 Millionen Euro Rücklagen im Förderverein

In dem Medienbericht ist auch die Rede davon, dass «Reichtum» in einem «so gut wie unsichtbaren Förderverein gebunkert» werde. Die Fördersummen des Missio-Fördervereins seien in jedem Jahresbericht veröffentlicht, entgegnet Missio Aachen. Der Förderverein diene «ausschliesslich der Sicherstellung einer verlässlichen und dauerhaften Projektarbeit für die Zukunft». Zweck des Vereins sei eine «klarere Abgrenzung» zwischen laufenden Aufgaben und den «Rücklagen für den langfristigen Sicherungszweck».

Weiter betont das Hilfswerk: «Wir haben Verständnis, dass die vom Spiegel genannte Summe von 100 Millionen Euro als hoch erscheint.» Das Vermögen des Fördervereins könne aber «im Bedarfsfall» Mittel fürein weiteres Haushaltsjahr sicherstellen.

Spendensiegel DZI hat keine Bedenken

Missio Aachen weist auch den Vorwurf einer zu hohen Bezahlung seiner Beschäftigten zurück: «Unsere Personal- und Sachkosten liegen im Durchschnitt vergleichbarer Organisationen.» Mitarbeiter würden «fairnach dem Tarif» bezahlt; dabei verweist Missio auf die «Kirchliche Arbeits- und Vergütungsordnung» (KAVO) und den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (TvÖD).

Zur Frage der Personalkosten heisst es in der Stellungnahme, dass nach dem vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) «präferierten sogenannten Umsatzkostenverfahren» bilanziert werde.

«Abstimmungsprozess»

«Nach diesem Verfahren lassen sich die Personal- und Sachkosten verursachungsgerecht zuordnen. Dabei richtet sich die Zuordnung der Personalkosten nicht nach der formellen Funktion einer Person innerhalb der Organisationsstruktur, sondern danach, welche Tätigkeiten sie tatsächlich ausübt.»

Das DZI habe Missio jedes Jahr das Spendensiegel erteilt. Zur Prüfung für die Erteilung des Spendensiegels gehörten Rückmeldungen, die Bestandteil des Abstimmungsprozesses seien. «Die Ergebnisse dieses Prozesses setzt Missio um. In diesem Abstimmungsprozess befinden wir uns zurzeit.» (kna)


Ein Schild weist den Weg zum Haupteingang von missio, Internationales Katholisches Missionswerk, in Aachen | © Julia Steinbrecht/KNA
21. Mai 2022 | 17:22
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