Winfried Pilz, früherer Präsident des Kindermissionswerks "Die Sternsinger" und Erfinder des Liedes "Laudato si'".
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Missbrauch: Vorwurf trifft den Kölner Priester und Liedautor Winfried Pilz

Es gibt einen Verdacht und einen Akten-Vorgang, mehr nicht. Doch beides wiegt schwer. Denn der, um den es geht, war ein bekanntes Gesicht der katholischen Kirche. Drei Jahre nach seinem Tod schlägt das Erzbistum Köln an.

Alexander Brüggemann

Bonn (KNA) Er war ein bekanntes Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland: Winfried Pilz im Bundeskanzleramt, Winfried Pilz im Brüsseler EU-Parlament. Als charismatischer Präsident des Kindermissionswerks «Die Sternsinger» (2000-2010) in Aachen begegnete Pilz, selbst «Monsignore» und damit päpstlicher Ehrenkaplan, hohen Tieren wie Bundespräsident Horst Köhler oder Kanzlerin Angela Merkel.

Der «Ober-Sternsinger»

Damals wurde er häufig «Ober-Sternsinger» genannt. Sich selbst bezeichnete er gern als «Oberkamel in der Karawane» der Hilfe. Doch nun, nach seinem Tod 2019 mit 78 Jahren, fällt ein Schatten auf das Lebenswerk des gebürtigen Sudetendeutschen.

Missbrauchsvorwürfe

Am Mittwoch teilte das Erzbistum Köln mit, es prüfe Missbrauchsvorwürfe gegen Pilz. Er sei bereits 2012 beschuldigt worden, in den 70er Jahren mit einem jungen, qua Arbeitsverhältnis schutzbefohlenen Erwachsenen sexuell verkehrt zu haben.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki muss 300 000 Euro an Georg Menne zahlen. Die nächste Klage steht schon an.
Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki muss 300 000 Euro an Georg Menne zahlen. Die nächste Klage steht schon an.

Der Verdacht habe sich bei einer Untersuchung «teils bestätigt»; daraufhin habe der damalige Kölner Kardinal Joachim Meisner dem Ruheständler 2014 einen Verweis erteilt, eine Geldstrafe auferlegt und Kontakt zu Minderjährigen verboten.

Weitere Verdachtsfälle

Im Zuge der Aufarbeitung des Erzbistums, so heisst es weiter, sei der Fall 2018 der Staatsanwaltschaft nachgemeldet worden, die wegen Verjährung nicht ermittelte. 2021 hätten sich Hinweise auf mögliche weitere Verdachtsfälle ergeben.

Vielen ist Pilz als charismatischer Gestalter, als Macher im Gedächtnis – ein Nimbus, der auch Gefahren für sich und andere mit sich bringen kann. Als Jugendseelsorger textete Pilz Anfang der 1970er Jahre die deutsche Version eines italienischen Gitarren-Ohrwurms.

Das Lied «Laudato si», eine Adaption des Sonnengesangs des heiligen Franziskus (1181/82-1226), wurde in Deutschland ein grosser Erfolg, der vor allem von Kindern und Jugendlichen bis heute oft gesungen wird.

Priester im Erzbistum Köln

Pilz war zwar seit 1966 Priester des Erzbistums Köln. Geboren aber wurde er 1940 in Warnsdorf im Sudetenland, im Böhmischen Niederland.

Im Zuge des Zweiten Weltkriegs vertrieben, landete die Familie 1952 in Köln. Ab 1972 war Pilz Diözesanjugendseelsorger und für knapp 18 Jahre Rektor der Jugendbildungsstätte Haus Altenberg im Bergischen Land. In dieser Zeit knüpfte er zahlreiche Kontakte, auch über den Eisernen Vorhang hinweg; so in die Lausitz und nach Tschechien.

Liedtexte und Impulse

Er schrieb zahlreiche Liedtexte und geistliche Texte, auch als freier Autor der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), für die er geistliche Impulse zum Kirchenjahr verfasste. An alltäglichen Begebenheiten erklärte er schwierig zu erklärende Feste: Kreuzerhöhung, Epiphanie, Fronleichnam, Christkönig.

Nach einer Zeit als Pfarrer in Kaarst am Niederrhein (1990-2000) und den Sternsinger-Jahren in Aachen übernahm Pilz kurzzeitig bis 2012 die Leitung der deutschsprachigen Gemeinde in Prag, die ihn bei seinem Tod als «klugen, kraftvollen und kreativen Seelsorger» würdigte.

Seinen Ruhestand verbrachte der Priester in dem kleinen grenznahen 4000-Einwohner-Ort Leutersdorf, sechs Kilometer entfernt von seinem böhmischen Geburtsort. Er starb im Mai 2019 in Görlitz und wurde im Warnsdorfer Ortsteil Studanka beigesetzt. (kna)


Winfried Pilz, früherer Präsident des Kindermissionswerks «Die Sternsinger» und Erfinder des Liedes «Laudato si'». | © KNA
30. Juni 2022 | 14:40
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