Jesuitenpater Martin Föhn
Schweiz

Martin Föhn: «Die grössten Grenzen habe ich innerhalb der Kirche erlebt»

Diese Woche ist Pater Martin Föhn in die USA gereist, um seine Ausbildung als Jesuit abzuschliessen. Im Podcast «Laut + Leis» schauen wir zurück auf seine Zeit in Basel und sprechen über seinen Werdegang und den Jesuitenorden.

Sandra Leis

Fünf Jahre lang hat Martin Föhn in Basel den Bereich Spiritualität und Bildung verantwortet. Rückblickend sagt er: «Am meisten Freude gemacht hat mir die Begleitung von erwachsenen Menschen hin zur Taufe oder zur Firmung.»

Im Austausch zu sein mit Leuten, die sich für den Glauben interessieren, und ihnen etwas mitgeben zu können auf ihrem Weg, das habe ihn erfüllt. «Ich hatte jedes Jahr eine Gruppe von vier bis neun Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren.»

Beispiel Fronleichnamsprozession

Basel ist urban und weitgehend säkular: Doch an Grenzen gestossen sei er in seiner Arbeit nicht deswegen. «Die grössten Grenzen habe ich innerhalb der Kirche erlebt», sagt Pater Martin Föhn. «Die Vielfalt innerhalb der römisch-katholischen Kirche hat mich vor komplexere Herausforderungen gestellt als der Umgang mit Menschen, die wenig mit Glauben zu tun hatten.»

Fronleichnam: Pilgerspaziergang in Basel
Fronleichnam: Pilgerspaziergang in Basel

Als Beispiel nennt er die Fronleichnamsprozession – eine urkatholische Tradition, die es seit achtzig Jahren nicht mehr gegeben hat in Basel. «Wir haben ein neues Projekt lanciert und sind im Leitungsteam auf Widerstand gestossen.»

Es sei zu grossen Spannungen gekommen: «Die einen sagten, super, endlich gehen wir auf die Strasse. Die anderen waren strikt dagegen und meinten, eine Fronleichnamsprozession sei viel zu konservativ.» Schliesslich wurde die Prozession doch durchgeführt, und Martin Föhn strahlt, wenn er daran zurückdenkt.

Persönliche Gottesbeziehung schon als Kind

Aufgewachsen ist der heute 43-Jährige als Bauernbub im Muotatal im Kanton Schwyz. «Ich bin traditionell katholisch aufgewachsen. Besonders geprägt hat mich meine persönliche Gottesbeziehung. Ich war schon als Kind im Alltag mit Jesus Christus unterwegs.»

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Auch der Wunsch, Priester zu werden, sei schon früh da gewesen. Doch er sei überzeugt gewesen, das Theologiestudium sei zu kopflastig, zu kompliziert. «Mein Urgrossvater hat Anfang des 20. Jahrhunderts Theologie studiert und einen Nervenzusammenbruch erlitten. Das wollte ich nicht.»

Vom Landwirt zum Jesuiten

Deshalb machte er zuerst eine Lehre als Landwirt, und später studierte er Religionspädagogik in Luzern. Vor 15 Jahren ist er dann dem Orden der Jesuiten beigetreten. 

«Mich hat die Art und Weise fasziniert, wie ich mit den Jesuiten über den Glauben diskutieren konnte. Es gab keine Tabuthemen, sie haben mir urteilsfrei zugehört.» Gleichzeitig bestehe eine klare Ausrichtung auf Christus und aufs Gebet. «Dieses Fundament hat mir imponiert, das wollte ich ausbauen», so Föhn.

Jesuiten in der Mutterkirche des Ordens, «Il Gesu», am 2. Oktober 2016 in Rom
Jesuiten in der Mutterkirche des Ordens, «Il Gesu», am 2. Oktober 2016 in Rom

Das Noviziat absolvierte er in Nürnberg, danach studierte er Philosophie in München und Theologie in Paris. Nach fünf Jahren in Basel ist Föhn nun in die USA nach Portland gereist, um das Terziat, die letzte Ausbildungsstufe der Jesuiten, in Angriff zu nehmen.

Die Kraft des Gebets

Ein Grundpfeiler seines geistlichen Lebens ist das Gebet. «Ich habe keine fixe Struktur, doch am Morgen mache ich gerne eine halbstündige Meditation.» Wenn er unterwegs sei, bete er oft ein Vaterunser oder ein «Gegrüsset seist du, Maria». Und abends halte er im Austausch mit Gott Rückschau auf den Tag.

Beim Rosenkranzgebet auf dem Petersplatz.
Beim Rosenkranzgebet auf dem Petersplatz.

«Für mich ist Gott vor allem Beziehung», sagt Föhn im Podcast «Laut + Leis». «Es gibt eine Transzendenz, die mit mir in Kontakt treten möchte. Das ist beten: versuchen, über mich hinauszugehen, indem ich ganz in mich hineinhöre.»

Geistliche Exerzitien als Geschenk

Ähnliches gilt für die geistlichen Exerzitien, die auf den Gründer des Jesuitenordens, auf Ignatius von Loyola, zurückgehen. «Exerzitien sind ein Training für die eigene Seele, damit sie grösser werden kann. Das bedeutet eine stärkere Verbundenheit mit sich selbst, mit Gott und den Mitmenschen.»

Die klassischen ignatianischen Übungen dauern zwischen sechs und zehn Tage und werden von Menschen (auch Frauen) begleitet, die entsprechende Kurse besucht haben. Nur: Der Orden schrumpft massiv. Heute leben in der Schweiz knapp dreissig Jesuiten, davon ist die Hälfte über 70 Jahre alt.

Der heilige Ignatius von Loyola – Statue in Zaitzkofen (Bayern).
Der heilige Ignatius von Loyola – Statue in Zaitzkofen (Bayern).

Trotzdem ist Martin Föhn überzeugt, dass die Jesuiten weiterhin eine Rolle spielen in der katholischen Kirche Schweiz: «Das grösste Geschenk, das wir der Kirche machen können, sind diese Exerzitien. Wir haben viel Erfahrung im spirituellen Unterwegssein und möchten dieses Erbe weitergeben.»

«Die Kirche ist wie ein Phönix»

Das soll mittels Weiterbildungen passieren. Der Lehrgang im Lassalle-Haus beispielsweise werde an einem anderen Ort weitergeführt. «Zudem planen wir eine Internet-Plattform, auf der wir die Angebote für geistliche Exerzitien bündeln», so Föhn.

Fragt man ihn, was die Kirche tun könne, um die Menschen wieder zu erreichen, so sagt er: «Wir müssen eine neue Sprache finden und vor allem zuhören, bevor wir Antworten geben.»

Jesuitenpater Martin Föhn: «Für mich ist Gott vor allem Beziehung.»
Jesuitenpater Martin Föhn: «Für mich ist Gott vor allem Beziehung.»

Das Image der Kirche sei im Moment schlecht. «Für mich ist die Kirche wie ein Phönix, der verbrennt und dann wieder aufersteht.» Im Moment habe er das Gefühl, dass die Kirche kurz vor dem Verbrennen sei und dann in neuer Gestalt wieder auftauche. Dafür müsse man offen sein. «Letztlich geht es um eine Gottessuche, um die Sehnsucht nach dem Höheren. Wichtig ist, diese Sehnsucht wachzuhalten.»


Jesuitenpater Martin Föhn | © Sandra Leis
26. September 2025 | 07:00
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App «einfach beten!»

Die von Martin Föhn mitentwickelte App «einfach beten!» hilft, ins Gebet zu finden oder einen Zugang dazu zu entwickeln. Sie bietet unter anderem kurze Episoden von 10 bis 15 Minuten, in denen die Bibeltexte der Sonn- und Feiertagslesungen reflektiert werden. Ziel ist es, Gottes Botschaft für den Alltag erfahrbar zu machen. Hier geht’s zu Website und App.