Priorin Irene im Kräutergarten des Klosters Fahr.
Schweiz

«Man kann auch eine geistliche Mutter sein»: Priorin Irene Gassmann

Mariä Himmelfahrt ist in Zürich und im Aargau kein offizieller Feiertag. Umso festlicher begingen rund 40 Gläubige am 15. August im Benediktinerinnen-Kloster Fahr den katholischen Festtag zur Ehre der Gottesmutter. Während der Messe roch es vor allem sehr gut.

Wolfgang Holz

Himmelfahrt, was ist das eigentlich? Wer in der Klosterkirche Fahr am Montagmorgen am Gottesdienst teilnahm, dem wurde zumindest aus weltlicher Sicht eine Erklärungsvariante angeboten. War doch durch die offene Kirchentür nicht zu überhören, wie alle paar Minuten ein Jet aus Kloten ins Azur stach.

Über den Wolken

Doch theologisch gesehen, ist Himmelfahrt, genauer gesagt: Mariä Himmelfahrt, ein Akt mit viel weitreichenderen Konsequenzen – als wie in einem Flugzeug Stunden später lediglich auf einem anderen Airport zu landen. Marias «Airport» liegt tatsächlich in der Luft. Über den Wolken. Im Himmel.

Pater Markus Steiner aus Einsiedeln weiht die Kräuter in der Klosterkirche Fahr.
Pater Markus Steiner aus Einsiedeln weiht die Kräuter in der Klosterkirche Fahr.

«Maria Himmelfahrt ist das Ostern Mariens» – so einfach und doch so einleuchtend brachte es Pater Markus Steiner in seiner Predigt in der wundervoll mit Fresken verzierten Kirche des Klosters Fahr zum Ausdruck. Gleichzeitig verweise Marias Himmelfahrt auf den Gottessohn Jesus zurück. «Maria überwindet durch ihre Auferweckung zum ewigen Leben auch den Tod und wird dadurch erhöht».

«Denn auch wir haben eine Zukunft in der Kraft Jesu, indem wir von den Toten erweckt werden.»

Pater Markus Steiner

Zuvor habe Maria wie Jesus am Karfreitag vor dem Kreuz leiden müssen. Aber das Ostern Mariens werde auch für uns Gläubige zur Erhöhung. Pater Markus: «Denn auch wir haben eine Zukunft in der Kraft Jesu, indem wir von den Toten erweckt werden. Die Kraft des Glaubens ist stärker als der Tod.»

Melisse, Rosmarin, Minze und Salbei

Wenig später schritt der Einsiedler Pater vom Altar ins Kirchenschiff hinüber, um die Körbe mit Kräutersträussen zu segnen. Es roch angenehm nach frischer Melisse, Rosmarin, Minze und Salbei. Allerdings fielen die Kräutersträusse in diesem Jahr deutlich kleiner aus – wegen des Wassermangels und wegen der Hitze. Bei der Segnung spritzte er auch Weihwasser auf die Gläubigen.

Klausur-Garten im Kloster Fahr mit Kräuterbeeten und Rosensträuchern.
Klausur-Garten im Kloster Fahr mit Kräuterbeeten und Rosensträuchern.

Dass die Hitze sich durchaus zu einem existenziellen Problem auswachsen kann, wurde sogar in den Fürbitten der Eucharistiefeier angesprochen: Man bat Gott um eine kreative Lösung bei der Bekämpfung des Wassermangels.

«Eine Schwester hat eine Kräutertinktur kreiert, die wir im Winter gegen Erkältungen einnehmen.»

Priorin Irene Gassmann

Nach dem Gottesdienst konnte man bei einem Spaziergang mit Priorin Irene Gassmann durch den Propsteigarten sowie in Beeten im barocken Kreuzgarten sehen, wie Hitze sich konkret auswirkt. Dort, wo die Erde in den Beeten durch die heisse Sonne schnell ausgetrocknet ist, strecken einem nur magere Kräuterbüsche ihr Grün entgegen. «Wir haben auch den Brunnen ausgeschaltet», sagt die Ordensfrau. Sie selbst kümmert sich im geometrisch angelegten Konventhof übrigens mit Hingabe um die Rosen.

Priorin Irene kümmert sich um die Rosen. "Das ist mein Hobby."
Priorin Irene kümmert sich um die Rosen. "Das ist mein Hobby."

«Die Kräuter werden im Kloster zu Tees verarbeitet, der im Hofladen verkauft wird», erklärt Schwester Irene. Darüber hinaus verwenden die 18 Ordensfrauen im Alter zwischen 57 und 89 Jahren die Kräuter für gesundheitliche Zwecke. «Eine Schwester hat eine Kräutertinktur kreiert, die wir im Winter gegen Erkältungen einnehmen.»

Himmelfahrt eine Art Hochfest?

Doch zurück zu Maria. Ist denn Mariä Himmelfahrt für die Benediktinerinnen im Kloster Fahr wie auch für alle anderen katholischen Ordensfrauen eine Art Hochfest – schliesslich ist ja jede Schwester im ersten Namen nach der Gottesmutter Maria benannt?

Propsteigarten im Kloster Fahr.
Propsteigarten im Kloster Fahr.

«Es ist sicher ein besonderer Festtag für uns, zumal heute für uns an einem Werktag quasi Sonntag ist», erklärt Priorin Irene. Zum Beispiel würde an einem solchen Tag auch das Schweigegelübde während des Essens gebrochen. «Wir reden heute alle miteinander während der Mahlzeit». Andere Marienfeste wie Mariä Geburt am 8. September und Mariä Empfängnis am 8. Dezember werden in Fahr ebenfalls gefeiert.

«Maria ist für uns ein Vorbild im Glauben.»

Priorin des Klosters Fahr

Für sie ist Mariä Himmelfahrt aus religiöser Sicht ein sehr schönes Fest. «Weil es zeigt, wie treu Gott ist uns gegenüber – denn er nimmt uns wie Maria in sein Himmelreich nach dem Tod auf. Und Maria ist für uns ein Vorbild im Glauben.»

Lebensrhythmus zwischen Arbeit und Gebet

Aber wie ist das eigentlich mit der Mutterrolle Marias? Ordensfrauen leben doch zölibatär. Priorin Irene Gassmann, die schon seit 19 Jahren das Kloster Fahr leitet und seit 36 Jahren im Benediktinerinnen-Priorat an der Limmat lebt, lächelt.

Priorin Irene Gassmann, Kloster Fahr.
Priorin Irene Gassmann, Kloster Fahr.

«Man kann auch eine geistliche Mutter sein, indem man sich mütterlich um seine Mitschwestern kümmert.» Sie nehme ihre Leitungsfunktion gerne wahr. «Das ist eine vielseitige Aufgabe, es lässt sich viel gestalten und entwickeln.»

Sie fühlt sich zudem sehr aufgehoben im klösterlichen Lebensrhythmus zwischen Arbeit und Gebet. «Bei der Rückbesinnung auf Gott kann ich mich immer wieder auf das Wesentliche konzentrieren.» Gerührt sei sie, wenn ihre Mitschwester, auch ältere, sie im Kloster tatsächlich als «Mutter» anreden. «Ich bin in diese Rolle quasi hineingewachsen und bin für meine Mitschwestern wie eine Mutter da.»  


Priorin Irene im Kräutergarten des Klosters Fahr. | © Manuela Matt
15. August 2022 | 16:38
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