Gebet
Schweiz

«Man fühlt sich nach dem Rosenkranzgebet erleichtert, gestärkt und viel zufriedener»

Der Rosenkranz ist nicht nur eine religiöse Praxis, sondern das wiederholende, rhythmische Beten stärkt auch die seelische und körperliche Gesundheit von Gläubigen. Das unterstreicht eine jüngst veröffentlichte wissenschaftliche Studie.

Wolfgang Holz

Eine neue Studie liefert erstmals umfassende empirische Belege dafür, dass das katholische Rosenkranzgebet positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hat. Die internationale Forschungsarbeit, die von Wissenschaftlern verschiedener europäischer Hochschulen angefertigt wurde, dokumentiert, wie die rhythmischen Gebete Spannungen lösen, emotionale Stabilität fördern und eine ganzheitliche Form des inneren Friedens erzeugen.

Beim Rosenkranzgebet auf dem Petersplatz.
Beim Rosenkranzgebet auf dem Petersplatz.

«Ich bete schon das ganze Leben lang Rosenkranz»

Erlebnisse und Erfahrungen, die Bruno Käppeli bestätigen kann. Der 69-Jährige ist seit drei Jahren verantwortlich für das Rosenkranzgebet in der Hofkirche und in der Franziskanerkirche in Luzern. «Ich bete schon das ganze Leben lang Rosenkranz, den mich meine Eltern gelehrt haben. Nach einem Rosenkranzgebet, das etwa eine gute halbe Stunde dauert, fühle ich mich erleichtert, besser und viel zufriedener», verrät er gegenüber kath.ch. Der Rosenkranz sei gut für Körper und Seele.

Besagte Studie ist auf Englisch erschienen und trägt auf Deutsch übersetzt den Titel «Ist der Rosenkranz noch aktuell? Untersuchung seiner Auswirkungen auf psychische Gesundheit und Wohlbefinden». Sie wurde vor kurzem im «Journal of Health» veröffentlicht und basiert auf einer breiten internationalen Stichprobe aus den drei katholischen Ländern Italien, Polen und Spanien. Dabei wurde erforscht, inwieweit das Rosenkranzgebet mit subjektivem Wohlbefinden, Empathie und anderen Ausdrucksformen der Religiosität verbunden ist.

Katholisches Wahrzeichen in Luzern: Die Hofkirche.
Katholisches Wahrzeichen in Luzern: Die Hofkirche.

61 Prozent Frauen

Die Stichprobe umfasste 361 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Mittels einer sogenannten Ketten- oder Netzwerkmethode wurden Personen angesprochen, die sich in katholischen Bewegungen und Andachtsgruppen engagieren. Von den Teilnehmern gehörten 92 Prozent der römisch-katholischen Kirche an, wobei 61 Prozent der Stichprobe Frauen waren.

Die Ergebnisse der im Februar 2025 erstmals veröffentlichten Studie deuten auf positive, moderate Verringerung von Depressionen, Steigerung der Empathie und Verringerung religiöser Kämpfe hin. Darüber hinaus unterstreicht die qualitative Analyse die wahrgenommene Schutzwirkung dieses Gebets, das als Quelle des inneren Friedens und als «Bewältigungsmechanismus» in Zeiten der Not diene.

Ein Kreuz mit Rosenkranz
Ein Kreuz mit Rosenkranz

Eine Mehrheit der Teilnehmenden berichtete, sehr religiös oder spirituell (36 Prozent) bzw. ziemlich religiös oder spirituell (47 Prozent) zu sein. Die meisten erlebten das Gebet als beruhigende und entspannende Praxis, welche die Atmung verlangsamt und das Bewusstsein im Gebet auf die Gebetsperlen fokussiert.

Nur noch wenige kommen zum Rosenkranz

So körperlich-wohltuend die Wirkung des Rosenkranzgebets ist, so bedauerlich ist es, dass sich nicht immer sehr zahlreich Betende mitmachen. Bruno Käppeli sagt: «Wir sind meist nur zu dritt bis zu fünft», sagt der Luzerner Katholik. Dabei sei es eigentlich kein Müssen, den Rosenkranz zu beten, sondern vielmehr ein «Dürfen».  

In der Luzerner Hofkirche sowie in der Franziskanerkirche findet je einmal pro Woche ein Rosenkranzgebet statt. Aber warum kommen nur so wenige, um diese speziellen Rosenkranzerlebnisse machen zu dürfen? Aus der Sicht von Bruno Käppeli «geht es den meisten Leuten wohl zu gut», und «Bequemlichkeit» sei wohl auch ein Hinderungsgrund.

Universeller menschlicher Rhythmus

Dabei gibt es Experten, wie den österreichischen Psychiater und Psychotherapeuten Christian Spaemann, die im Rosenkranz einen universellen menschlichen Rhythmus erkennen, da die meisten grossen Religionen Gebetsperlen oder Gesänge mit repetitiver Kadenz einschliessen. Dies berühre eine tiefe psychologische und sogar physiologische Saite im Menschen und erinnere an den ursprünglichen Trost eines Kindes, das auf den Herzschlag seiner Mutter hört, sagt er gegenüber CNA. Es gebe in diesem Rhythmus eine Art erinnerte Sicherheit, so Spaemann, einen Zugangspunkt zur Transzendenz.

Ein Ordensmann im Ordensgewand und mit Rosenkranz am 2. März 2024 im Vatikan.
Ein Ordensmann im Ordensgewand und mit Rosenkranz am 2. März 2024 im Vatikan.

Die systematische Erforschung der gesundheitlichen Auswirkungen des Rosenkranzgebets begann bereits 2001 mit einer Studie der Universität Pavia in Italien, die im renommierten «British Medical Journal» veröffentlicht wurde.

«Ave Maria» verlangsamt die Atmung

Forscher untersuchten dabei 23 gesunde Teilnehmende, denen Sensoren zur Messung von Herzfrequenz, Blutfluss und Feedback des Nervensystems angelegt wurden, während sie das «Ave Maria» auf Lateinisch rezitierten. Die Sensoren registrierten eine Verlangsamung der Atmung der Teilnehmenden auf etwa sechs Atemzüge pro Minute, was den Blutfluss zum Gehirn und die Herzfrequenzvariabilität zu steigern begann. Das Herz-Kreislauf-System wurde dadurch gestärkt.

Das Rosenkranzgebet hält dabei offenbar auch jung, wie die 84-jährige Marlis Wolperth aus dem zürcherischen Bassersdorf gegenüber kath.ch betont. Seit 45 Jahren schon leitet sie die Rosenkranzgruppe in der Pfarrei St. Franziskus.

Bethlehem-Rosenkränze für Weltjugendtag in Panama.
Bethlehem-Rosenkränze für Weltjugendtag in Panama.

«Der Rosenkranz wurde mir quasi in die Wiege gelegt.»

«Früher kamen bis zu 18 Personen zum wöchentlichen Rosenkranzgebet, heute sind wir noch acht, neun Betende», sagt Wolperth, die das Rosenkranzgebet auch über ihre Eltern kennengelernt hat. «Der Rosenkranz wurde mir quasi in die Wiege gelegt», sagt sie. «Das Gebet stärkt und kräftigt, gibt mir einen Halt und beruhigt mich.» Ausserdem müsse man ja heutzutage einfach um so viel beten. «Die Jungen kommen leider nicht mehr zum Rosenkranz.» Dabei ist sie schon glücklich, wenn sie weiss, dass ihre Enkel spüren, wie fest verankert die «Omi im Rosenkranz» sei.

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So betet man Rosenkranz

Der Rosenkranz ist eine Perlenkette und besteht aus einem Kreuz und 59 Perlen. Das Kreuz erinnert an die Liebe Jesu zu den Menschen und an seinen Kreuzestod. Der Rosenkranz wird gebetet, indem man zuerst das Kreuzeszeichen macht und dazu sagt: «Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes». Es folgt das Glaubensbekenntnis.

Ave Regina Pacis in der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom
Ave Regina Pacis in der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom

Danach wird die über dem Kreuz befindliche, einzelne grosse Perle berührt und ein «Vater unser» dazu gesprochen. Die drei Perlen, die dann folgen, sind der Mutter Gottes gewidmet: Indem man sie berührt, wird je ein «Ave Maria» gebetet. Es folgt vor der ersten Perle der zusammenhängenden Kette das «Ehre sei dem Vater» und das «Vater unser». Dies gilt auch für die vier weiteren, etwas grösseren Perlen des Rosenkranzes. Nach jeder grossen Perle folgen zehn «Gegrüsset seist du, Maria».

Je zehn Perlen bilden ein Gesätz. In einem Gesätz spricht man jedes Mal beim «Gegrüsset seist du, Maria» nach dem Wort «Jesus» dieselben Worte. Es sind die «Geheimnisse» des freudenreichen, des lichtreichen, des schmerzhaften oder des glorreichen Rosenkranzes. Ausserdem gibt es individuelle Formulierungen. Gebetet wird immer nur ein Rosenkranz. Auch bei Fronleichnamsprozessionen und auf Wallfahrten betet man den Rosenkranz. (woz)


Gebet | © Roland Rasemann
17. Juni 2025 | 12:18
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