Luzerner Synodalrat: Sparmassnahmen am RPI gefährden kirchliche Ausbildung
Der Synodalrat der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern warnt angesichts der Sparmassnahmen an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern. Diese würden die kirchliche Ausbildung akut gefährden. Er fordert Transparenz und einen offenen Dialog, um die Zukunft der betroffenen Institute zu sichern. Auch im Kantonsrat gibt es einen Vorstoss.
Wolfgang Holz
Der Synodalrat, der die Exekutive der Landeskirche und die Dachorganisation der Luzerner Kirchgemeinden verkörpert, zeigt sich in einer Medienmitteilung der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern besorgt über die Veränderungen an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern.
Die geplanten Sparmassnahmen treffen laut seiner Ansicht das Religionspädagogische Institut (RPI) und das Ökumenische Institut einschneidend. Diese beiden Institutionen seien für die kirchliche Ausbildung und den interkonfessionellen Austausch über die Zentralschweiz hinaus von grosser Bedeutung.
Rund 1400 Petitionäre kritisieren Sparkurs
Wie kath.ch berichtete, streicht die Theologische Fakultät Luzern Dozentinnenstellen beim Religionspädagogischen Institut (RPI). Dies wurde bereits von einer Petition kritisiert, die dadurch «das schweizerische Kompetenzzentrum für Religionspädagogik» bedroht sieht.
Die Petition, die sich an die Theologische Fakultät und die Schweizer Bischofskonferenz richtet, wurde vor dem Pfingstwochenende lanciert. Rund 1400 Personen (Stand 18. Juni) haben sie bislang unterzeichnet. Im Kernteam des RPI werden laut Angaben der Petitionäre «drei Dozentenstellen und eine Verwaltungsstelle gestrichen». Die Dekanin der Theologischen Fakultät, Margrit Wasmaier-Sailer, hatte jedoch auf Anfrage von kath.ch nur den Abbau von zwei Dozentenstellen und einer Verwaltungsstelle bestätigt. Betroffen von den Sparmassnahmen ist zum einen eine Dozentin für Dogmatik, Fundamentaltheologie und Liturgiewissenschaft.
RPI hat «wichtige Brückenfunktion»
Zurück zum Synodalrat der Luzerner Landeskirche. Aus seiner Sicht stellt das Religionspädagogische Institut seit Jahrzehnten massgeblich die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften sicher, die im Religionsunterricht, in der Seelsorge, in der Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Erwachsenenbildung tätig sind.
«Viele Absolventinnen und Absolventen übernehmen leitende Funktionen in kirchlichen Organisationen. Das Institut bietet Menschen ohne gymnasialen Abschluss eine fundierte religionspädagogische Ausbildung auf Hochschulniveau. Es erfüllt als kirchlich unterstütztes Bildungsangebot eine wichtige Brückenfunktion», so der Synodalrat.
Auch Ökumenisches Institut betroffen
Der Abbau von Dozierendenstellen und die Kündigung erfahrener Mitarbeiterinnen gefährde die Qualität und Kontinuität dieses Angebots. Angesichts des zunehmenden Mangels an kirchlichem Fachpersonal lehnt es der Synodalrat ab, ein bewährtes Ausbildungsmodell zu schwächen. Die Sparmassnahmen würden auch das Ökumenische Institut bestreffen.
«Sie gefährden dessen Weiterführung unter der langjährigen Leiterin, die als ausgewiesen kompetente Persönlichkeit das Institut inhaltlich und institutionell mit einem klaren, zukunftsgerichteten Profil geprägt hat: als einen Ort des ökumenischen Dialogs, der theologischen Reflexion und der gesellschaftlichen Debatte», heisst es wörtlich.
Kritik an Alleingang
Der Synodalrat bedauert ebenfalls, dass die kirchlichen Partnerinstitutionen vor den Entscheidungen nicht angemessen einbezogen wurden. Zu diesen gehört die römisch-katholische Landeskirche des Kantons Luzern.
Die Landeskirche unterstütze die Theologische Fakultät mit einem jährlichen Beitrag von 150’000 Franken, das RPI mit 50’000 Franken und das Ökumenische Institut mit 15’000 Franken. Nicht einbezogen wurde demnach auch die Römisch-Katholische Zentralkonferenz (RKZ), die Dachorganisation der kantonalkirchlichen Organisationen der Schweiz. Die RKZ finanziert das RPI über einen Leistungsvertrag mit jährlich rund 276’000 Franken mit.
»Für die Luzerner Landeskirche fehlt eine klare und nachvollziehbare Begründung für die Sparmassnahmen.»
«Für die Luzerner Landeskirche fehlt eine klare und nachvollziehbare Begründung für die Sparmassnahmen», kritisiert der Synodalrat. Ebenso liege kein Konzept vor, wie die verbleibenden Aufgaben und die qualitativ hochstehende Ausbildung künftig gesichert werden sollen.
Offene Kommunikation vermisst
Der Synodalrat kann auch nicht nachvollziehen, wie es zu diesen einschneidenden Massnahmen kam. «Weder wurde transparent dargelegt, weshalb genau die Kürzungen notwendig sind, noch ist ersichtlich, auf wessen Initiative sie zurückgehen.» Der Synodalrat vermisst eine offene Kommunikation über die strukturellen und finanziellen Hintergründe der Veränderungen und erwartet rasch Klarheit.
Die Sparmassnahmen an der Theologischen Fakultät reihen sich laut dem Synodalrat in weitere Umstrukturierungen an der Universität ein. «Es gibt Hinweise», so der Synodalrat, «dass die Schliessung des Religionswissenschaftlichen Seminars und Zentrums für Religionsforschung an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät geplant ist. Verbirgt sich dahinter etwa eine Strategie, die wissenschaftliche Beschäftigung mit Religion ganz aus der Universität zu verdrängen?»
Politik wird aktiv: Vorstoss im Kantonsrat
All diese Massnahmen würden die Attraktivität des gesamten Studien-, Forschungs- und Vermittlungsstandortes Luzern schwächen. Vor diesem Hintergrund unterstützt der Synodalrat alle Bemühungen, die schweizweiten Kompetenzzentren zu erhalten. Er ruft die Verantwortlichen in Fakultät und Universität auf, den Dialog mit allen Träger- und Partnerorganisationen aktiv zu suchen.
Derweil hat auch die Kantonsrätin Andrea Pfäffli einen Vorstoss in Sachen Sparmassnahmen am Religionswissenschaftlichen Seminar an den Regierungsrat gerichtet. Unter anderem will die Sozialdemokratin von der Exekutive wissen, wie diese die Sparmassnahmen der Universität Luzern im Umfang von rund 2 Millionen Franken beurteilt, die gezielt drei Fakultäten treffen – auch im Vergleich zur finanziellen Leistungsfähigkeit des Kantons.
«Drohender Verlust religionswissenschaftlicher Expertise»
Sie fragt zudem nach, welche Rolle die «tiefe Trägerfinanzierung der Universität durch den Kanton bei der Auslösung des Sparauftrags spielt und inwieweit es dem Regierungsrat bewusst sei, welche bildungs- und wissenschaftspolitischen Auswirkungen damit verbunden» seien.
Pfäfflis Vorstoss beinhaltet auch die Frage, wie der Regierungsrat die geplante Abschaffung der Professur für Religionswissenschaft beurteilt. «Und wie bewertet der Regierungsrat den drohenden Verlust religionswissenschaftlicher Expertise, gerade im Austausch mit Schulen, Fachhochschulen, Gerichten, Behörden, Medien und gesellschaftlichen Institutionen?»
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