Schweiz

Seelsorger wie Bucheli «handeln zutiefst illoyal»: Bischof Eleganti fordert alle Bischöfe auf, sich hinter Huonder zu stellen

Zürich, 17.2.15 (kath.ch) Der Churer Weihbischof Marian Eleganti steht voll und ganz hinter dem Entscheid seines Bischofs, Vitus Huonder, den Pfarrer von Bürglen UR, Wendelin Bucheli, nach der Segnung eines lesbischen Paares zurück in seine Heimatdiözese zu versetzen. Seelsorger wie Bucheli «handeln selbstgerecht und zutiefst illoyal». Eleganti fordert im Exkusivinterview mit kath.ch alle Schweizer Bischöfe auf, sich in dieser Frage sofort öffentlich hinter Huonder zu stellen. Er will das Thema zudem an der nächsten Bischofskonferenz im März auf die Traktandenliste setzen.

Georges Scherrer

Zurzeit gibt es in den Medien recht viel Wirbel um die katholische Kirche. Es geht dabei um die Umstrukturierung des Sekretariats der Bischofskonferenz und um den Pfarrer von Bürglen UR. Wie stehen Sie zu diesen beiden Entwicklungen?

Weihbischof Marian Eleganti: Zum Ersten: Optimierungsversuche der eigenen Organisationsstruktur sind grundsätzlich zu begrüssen. Sowohl Phase 1 wie Phase 2 dieser Umstrukturierung wurden durch professionelle Berater begleitet und vorangetrieben. Sie und die unmittelbaren Vorgesetzten führen die Gespräche mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Sekretariat der SBK und machen konkrete Lösungsvorschläge. Darauf muss ich mich weitgehend verlassen können. Auch können nicht alle entscheidenden Details medial ausgebreitet werden. Dem Urteil darüber sind also in der Aussenwahrnehmung Grenzen gesetzt.

«Bischofssynode im Herbst wird daran nichts ändern»

Zum Zweiten: Es braucht nicht viel intellektuellen Aufwand, um den Unterschied begreifen zu können, dass die katholische Kirche die Verbindung aller Menschen mit Christus will und fördert, aber nicht jede ehe-ähnliche Verbindung von ihnen im Namen Christi segnet. In unserem Kontext geht es der katholischen Kirche explizit um den Schutz von Ehe und Familie als einer gottgewollten, exklusiven Verbindung von Mann und Frau. Dafür hat sie religiöse wie auch vernünftige Gründe. Sie glaubt, dass jedes Kind Vater und Mutter braucht. Ich bin überzeugt, dass an der kommenden römischen Bischofssynode im Herbst zum Thema daran nichts geändert wird.

«In einem privaten Unternehmen würde das niemand tolerieren»

Wie mir scheint, geht es bei der Paarsegnung in Bürglen nur vordergründig um den Segen Gottes. Hintergründig geht es mehr um die Gleichstellung von Hetero- und Homosexualität in allen menschlichen Bereichen. Die katholische Kirche hat hier ganz klar eine andere Haltung als die Zivilgesellschaft. Die Schweizer Bischofskonferenz hat 2005 die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe entschieden abgelehnt. In ihrem Pastoralschreiben Nr. 10 aus dem Jahr 2002 hat sie sich gegen die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ausgesprochen. Das ist die universalkirchliche Position. Seelsorger/-innen, die sich darüber hinwegsetzen, handeln selbstgerecht und zutiefst illoyal. Sie halten sich weder an die Lehre der Kirche noch an ihre eigenen Versprechen und Zusagen gegenüber ihren Bischöfen, in deren Auftrag sie handeln. In einem privaten oder staatlichen Unternehmen würde das niemand tolerieren.

Wie kann die katholische Kirche in der Schweiz das zurzeit aus der Sicht vieler Menschen etwas ramponierte Image der Kirche verbessern?

Eleganti: Wir können nicht wie ein Unternehmen das Image der Kirche pflegen. Dies käme mir auch unglaubwürdig vor. Entweder die Kirche hat Ausstrahlung oder nicht. Das hängt von jedem Getauften ab, nicht nur vom Bischof. Jeder gibt der Kirche Leuchtkraft und Gesicht. Wie gut oder schlecht wir Bischöfe unsere Sache gemacht haben, entscheidet einmal Christus, nicht das so oder so auf Dauer unvermeidliche Bischofs-Bashing. Die katholische Kirche hat weltweit eine grosse Strahlkraft. Ich liebe die Kirche, weil ich Christus in ihr sehe.

Wäre es sinnvoll, wenn die Schweizer Bischöfe als eine Stimme auftreten und den Entscheid bezüglich Pfarrer Bucheli von Bischof Huonder und Bischof Morerod öffentlich mittragen?

Eleganti: Keine Frage. Ich habe deshalb sehr bald in einem ersten Schritt das Präsidium der SBK und in einem zweiten alle meine Mitbrüder aufgefordert, geschlossen und sofort Stellung zu beziehen, um die Angelegenheit, die so viele Gemüter erhitzt hat, gemeinsam zu klären. Ich denke, dass wir an der nächsten ordentlichen Versammlung anfangs März darauf zurückkommen werden.

Das Interview wurde schriftlich geführt (gs)

Weihbischof Marian Eleganti | © Georges Scherrer
18. Februar 2015 | 15:59
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