Kurs am Liturgischen Institut: Wort-Gottes-Feier bekommt mehr Gewicht
Am liturgischen Institut in Freiburg können Menschen ohne Theologiestudium lernen, wie man eine Wort-Gottes-Feier leitet. Im Rahmen eines Grundkurses über Liturgie war dies schon länger möglich. Mit einem neuen Konzept hat das Institut den Fokus verstärkt auf die Wort-Gottes-Feier gelegt – wegen der starken Nachfrage.
Barbara Ludwig
Pfarreien können in eine unangenehme Situation geraten, wenn ein Priester oder hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger einen bereits vorbereiteten Gottesdienst wegen Unfall oder Krankheit nicht leiten können. Wer springt dann ein? Oder was passiert, wenn keine Ferienvertretung gefunden wurde für die hauptamtlichen Seelsorgenden und man die Gottesdienste zur Urlaubszeit nicht ausfallen lassen will?
Personalnotstand in Sicht
Um in solchen Notsituationen gewappnet zu sein, können Pfarreien Männer und Frauen ermuntern, am Liturgischen Institut der deutschsprachigen Schweiz einen Kurs für die Leitung von Wort-Gottes-Feiern «in bestimmten Situationen» zu besuchen. Zu diesen bestimmten Situationen könne auch «ein Personalmangel zählen, der länger anhält», sagt Gunda Brüske, Leiterin des Instituts in Freiburg.
Ein Personalnotstand drohe nicht nur in den Ortspfarreien und bei den Frauenklöstern, sondern mittlerweile auch bei Sprachmissionen, wenn sie keine Priester mehr finden. Brüske beobachtet bei Pastoralverantwortlichen vermehrt die Sorge, künftig die Durchführung von Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen durch theologisch gebildete Seelsorgende nicht mehr gewährleisten zu können. «Meiner Wahrnehmung nach hat das leicht zugenommen.»
Teilnehmerzahlen verdoppelt
Bereits seit 1994 konnten an Liturgie interessierte Menschen am Institut einen Kurs besuchen, der unter anderem auch zur Leitung von Wort-Gottes-Feiern in bestimmten Situationen qualifizierte. Gunda Brüske hat seit 2015 die Kurse geleitet. Und vor zwei Jahren ein neues Kurskonzept erarbeitet, auf dem der Ausbildungskurs seither basiert.
Das neue Konzept sei stärker auf die Praxis ausgerichtet und fokussiere ganz besonders auf die Wort-Gottes-Feier. «Wir hatten zuvor mehrere Kurse mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die alle den Grundkurs Liturgie besuchten, um später Wort-Gottes-Feier leiten zu können», sagt Brüske. Wenn der Bedarf so gross sei, müsse man reagieren und das Angebot entsprechend anpassen. «Da hat sich etwas verschoben, was mit den Veränderungen in der Pastoral zu tun hat.»
Seit der Einführung des neuen Konzepts startet das Institut jedes Jahr mit einem Kurs und nicht mehr wie früher alle zwei Jahre. «Dadurch haben wir praktisch eine Verdoppelung der Teilnehmerzahlen», sagt Brüske. Die letzten beiden Kurse seien von 17 beziehungsweise 18 Personen bis zum Schluss besucht worden.
Unterschiedliche Berufsbiografien
Früher hätten vereinzelt Menschen den Kurs besucht, die vor allem mehr wissen wollten über Liturgie. Dies habe sie in den letzten fünf Jahren nicht mehr erlebt, so Brüske. Viele, die jetzt den Kurs besuchen, tun dies mit der Motivation, später sonntägliche Wort-Gottes-Feiern in Gemeinden leiten zu können. Dafür benötigen sie das Einverständnis der Pfarreileitung.
Die Kursteilnehmenden haben laut Brüske unterschiedliche Berufsbiografien. Oft seien es Katechetinnen oder Menschen, die sich bereits als Kommunionhelfer oder Lektorinnen in einer Pfarrei engagierten. Ab und zu melden sich auch Ordensleute zum Kurs an – sowohl Frauen als auch Männer.
«Man lernt, wie man eine Albe trägt.»
Gunda Brüske, Leiterin Liturgisches Institut
Im Kurs erhalten die Teilnehmenden Grundwissen zur Liturgie, zum Aufbau von Feiern und zum Kirchenjahr. Der Fokus des Kurses liegt auf den praktischen Kompetenzen, die an sechs Praxistagen eingeübt werden können. Gunda Brüske zählt einige Beispiele auf: «Man lernt, wie man sich in einer Feier bewegt, wie man eine Albe trägt oder in einer liturgischen Rolle betet. Man lernt, wie man eine Feier mit oder ohne Kommunionspendung gestaltet oder wie man zu einem geistlichen Impuls kommt.» Ein Teil des Lernstoffes wird zudem in Webinaren vermittelt.
Predigen dürfen die Leiterinnen und Leiter von Wort-Gottes-Feiern nicht. Dies bleibt Priestern und Diakonen sowie Theologinnen und Theologen mit einer bischöflichen Beauftragung vorbehalten. Doch sie dürfen einen geistlichen Impuls, eine Meditation oder eine kurze Ansprache halten und so ein Glaubenszeugnis als Christin oder Christ formulieren, erklärt Gunda Brüske.
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