Küng: «Will nicht als Schatten meiner selbst weiterexistieren»

Freiburg i. Br., 1.10.13 (Kipa) Der Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng (85) schliesst Sterbehilfe durch eine Schweizer Sterbehilfeorganisation für sich selbst nicht aus. «Ich will nicht als Schatten meiner selbst weiterexistieren», schreibt Küng im abschliessenden dritten Band seiner Lebenserinnerungen, der am Dienstag in den Handel kommt.

In «Erlebte Menschlichkeit» blickt der 85-Jährige auf die vergangenen dreissig Jahre zurück. Zugleich macht er öffentlich, dass er an Parkinson erkrankt ist und kurz davor steht zu erblinden. «Ich lebe auf Abruf: bin bereit, noch eine Weile weiterzuleben, weiterzuarbeiten, aber ich bin auch bereit, jederzeit Abschied zu nehmen», schreibt Küng. «Es war mir ein in jeder Hinsicht reiches Leben geschenkt. Ich bin nicht lebensmüde, doch lebenssatt.»

Der Mensch habe ein Recht zu sterben, «wenn er keine Hoffnung mehr sieht auf ein nach seinem ureigenen Verständnis humanes Weiterleben, wenn sich der Sinn seines Lebens erfüllt hat und der Tod gewünscht wird», fügt der Schweizer hinzu.

Für den Tod bereit

Zum Abschluss seiner Autobiographie betont Küng, dass er sein publizistisches Wirken für beendet hält, auch wenn er weiter zu «existentiellen und gesellschaftlichen, kirchlichen oder ethischen Fragen» Stellung beziehen wolle. «Ich meine, meine grossen Aufgaben erfüllt zu haben», so Küng. Er sei für den Tod bereit: «Auf keinen Fall möchte ich, wie manche andere, den Zeitpunkt meines rechtzeitigen Abschieds verpassen.»

Küng ist einer der bekanntesten Theologen der Gegenwart. Zahlreiche seiner Bücher wurden zu Bestsellern. Seit Anfang der 1960er Jahre entwickelte sich ein Konflikt mit dem Vatikan. Küng plädierte für innerkirchliche Erneuerung und ökumenische Öffnung. Der Streit eskalierte 1979, als die vatikanische Glaubenskongregation Küng die Lehrerlaubnis entzog. Seitdem war er bis zur Emeritierung 1996 fakultätsunabhängiger Professor in Tübingen.

In den vergangenen 30 Jahren engagierte sich der Schweizer im Dialog der Weltreligionen und vor allem für das «Projekt Weltethos», das für eine Aussöhnung von Religionen eintritt. Der Wissenschaftler erhielt zahlreiche Auszeichnungen und mehr als ein Dutzend Ehrendoktorwürden in aller Welt. Er ist zudem Ehrenbürger von Tübingen. (kipa/kna/job)

1. Oktober 2013 | 08:33
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